Blick über die Havel zum Grunewaldturm

Berlin: Havelhöhenweg

Grunewaldturm und Havelberge

    Ich war eine Woche beruflich in Berlin und hatte dabei einen Tag frei – und natürlich wollte ich auch hier meinem Hobby frönen. Nach einer Recherche zu Wandervorschlägen in Berlin entschied ich mich für den Havelhöhenweg und wurde nicht enttäuscht. Die informative Seite der Stadt machte mir im Voraus bereits Lust auf die Tour. Der Wanderweg führt am Ostufer der Havel von Pichelsberg zum Strandbad Wannsee. Über jeweils etwa einen Kilometer lange Zuwege sind der Start- und Endpunkt mit der S-Bahn gut zu erreichen.

    Ich begann die Wanderung am S-Bahnhof Pichelsberg und lief durch den Ort zum Startpunkt des Havelhöhenwegs an der Heerstraße. Kurz nach einem Tor befindet sich eine Karte mit dem ersten Teil der Wanderstrecke – der Havelhöhenweg ist in insgesamt fünf Abschnitte eingeteilt. Stufen führten mich hinab zur Havel, wo ich auf das Wegzeichen traf: ein blaues, gelbes und grünes Dreieck, deren Spitzen auf einen roten Punkt zeigen. Zunächst lief ich an einer Unmenge von Segelklubs vorbei, die den Weg zum Fluss versperrten. Doch bald kam ich an die Havel heran, auf dem weiteren Weg führten immer wieder kleine Abstecher zum Wasser. Schilf säumte den Gewässerrand, Enten und Blässhühner schwammen am Ufer entlang.

    Zwischen meinen Schritten hüpfte auf einmal etwas Kleines umher: Ich entdeckte viele Mini-Frösche, die umhersprangen, nicht größer als ein Centstück. Ein Kuckuck rief zwischen den Bäumen – Idylle in der Großstadt. Immer wieder blieb ich stehen und ließ die Landschaft auf mich wirken und schaute den Wasservögeln zu.

    Doch bald verließ der Wanderweg den Fluss und führte einige Stufen hinauf – nun wurde die Höhe im „Havelhöhenweg” Wirklichkeit. An einer Abzweigung absolvierte ich einen Abstecher auf den Schildhorn, eine Halbinsel im Fluss, der inzwischen einem See ähnelte. Im nördlichen Teil befindet sich das Jaczo-Denkmal. Zwei Kajakfahrer passierten die Landzunge.

    Jaczo-Denkmal (Schildhorn-Denkmal)

    Das Jaczo-Denkmal erinnert an die Geburtsstunde der Mark Brandenburg. Der letzte Slawenfürst Jaczo von Köpenick floh am 11. Juni 1157 vor Albrecht dem Bären, der ihn aus der Brandenburg vertrieben hatte.

    Einer Sage nach trieb Albrecht mit seinen Reitern den Fürsten zur Havel. Jaczo schüttelte seine Verfolger mit einem beherzten Sprung ins Wasser ab. Doch seinem Pferd verließen in der 750 Meter breiten Havel die Kräfte. Seinen Hilferuf an die slawische Gottheit Triglav („Dreiköpfiger”) wurde jedoch nicht erhört. In seiner Not versprach er dem Gott seines Widersachers die Treue, falls dieser ihn das rettende Ufer erreichen ließe. Daraufhin kam es Jaczo so vor, als fasste eine Hand den erhobenen Schild und hielte ihn über dem Wasser. Er erreichte mit seinem Pferd erfolgreich die Landzunge. Aus Dankbarkeit hängte der Fürst sein Schild an eine Eiche und bekannte sich zum Christentum.

    Das Denkmal wurde 1845 nach Entwürfen von Friedrich August Stüler im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. errichtet. Nach der starken Beschädigung am Ende des Zweiten Weltkriegs ließ man es 1954 wiederherstellen.

    Wieder zurück auf dem Havelhöhenweg führte mich das Wegzeichen auf einem angenehm zu laufenden Waldweg entlang. Eine Sitzbank mit toller Aussicht auf die Havel bot sich zur ersten Pause an. Vogelgesang umgab mich und auch ein Kuckuck war zu vernehmen. Doch bald machte ich mich wieder auf und passierte den ersten Sandstrand, an dem einige Badegäste lagen. Der Weg führte mich nun längere Zeit durch Wald, bis ich zu einer Straße gelangte. Ich verließ kurzzeitig den Havelhöhenweg und machte einen Abstecher zum Grunewaldturm. Im Stil der Backsteingotik ist er ein echter Hingucker. Ich entschloss mich dazu, trotz des Eintrittspreises von vier Euro, den Turm zu besteigen. Oben erwartete mich eine herrliche Aussicht, leider etwas durch den Dunst getrübt. Aber auch so schweifte mein Blick weit über die Havel und auch das Zentrum von Berlin mit Fernsehturm war zu erkennen. Dominant war der Teufelsberg mit der ehemaligen US-amerikanischen Abhörstation.

    Grunewaldturm

    Im Jahre 1897 beschloss der Kreistag des Landkreises Teltow zur Erinnerung an den 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I., der 1888 verstorben ist, einen Aussichtsturm als Ehrenmal zu errichten. Es dauerte 1½ Jahre, bis der Bau vollendet wurde, am 9. Juni 1899 erfolgte die Einweihung. Ursprünglich hieß er Kaiser-Wilhelm-Turm, 1948 wurde er in Grunewaldturm umbenannt.

    Nach dem Abstecher leitete mich der Wanderweg auf einem sandigen Pfad abwärts. Man merkt, dass die Region einst von Gletschern bedeckt war, denn die „Berge” sind Relikte aus der Eiszeit, als Gletscher der Weichsel-Eiszeit den heutigen Landstrich bedeckten. Erst vor etwa 10.000 Jahren zog sich das Eis zurück und ließ dabei mächtige Gesteins- und Geröllmassen zurück.

    Ich wanderte nun immer wieder auf und ab: Die Täler, die zur Havel hinführen, waren einst die Abflussrinnen des Gletscherschmelzwassers. Auf einer Anhöhe bot sich ein schöner Rastplatz zur Pause an. Doch leider war es bald mit der Ruhe vorbei: Zwei Rasenmäher lärmten um die Wette. Also machte ich mich wieder auf und folgte dem herrlichen Pfad weiter. Lustig fand ich, dass an jeder Treppe darauf hingewiesen wurde, dass man diese bei Glätte auf eigene Gefahr benutzt und diese nicht gestreut wird. Nun, an diesem Tag war es doch sehr warm und ziemlich schwül, die Gefahr eines Wintereinbruchs bestand absolut nicht.

    An der Lieper Bucht traf ich auf Trockenrasen. Über dem Wasser flogen Libellen und eine Eidechse schwamm zielsicher durch das Wasser. Eine Baumwurzel bot mir eine Sitzgelegenheit, ich sah den Enten zu und einige Schwäne kamen an das Ufer und sagten Hallo. Dann sah ich einen Kormoran, der durch das Wasser tauchte. Hier konnte ich so richtig schön die Seele baumeln lassen und entschleunigen.

    Ich erreichte den Bootsanleger von Lindwerder, auf dem Fluss segelten einige Boote, ein Motorboot schleppte ein knallgelbes Gummientenboot hinter sich her. Nach einem Blick auf die Karte bemerkte ich allerdings, dass ich vom Weg abgekommen bin. Also lief ich ein Stück zurück und suchte nach dem Wegzeichen. Ein Wegweiserstein zeigte mir dann die Richtung an und wies mich darauf hin, dass ich mich in den Havelbergen befand. Berge? Nun, alles ist relativ. Bald sah ich auch wieder die Markierung, die mich weiter auf und ab führte, teils führte mich der Pfad direkt an der Abbruchkante entlang. Immer wieder gab es Treppen zu besteigen. Ich wurde jedoch oft mit Ausblicken auf den Fluss belohnt, der inzwischen wie ein großer See wirkte.

    Im weiteren Verlauf machte ich einen Abstecher zu einem Sandstrand, Badegäste tummelten sich dort. Der Havelhöhenweg geleitete mich erneut in die Höhe, unterwegs blickte ich weit über das Wasser bis zum Grunewaldturm – der inzwischen ein ganzes Stück entfernt war. Nun dauerte es nicht mehr lange, an der Insel Schwanenwerder vorbei erreichte ich das Ende des Wanderwegs am Strandbad Wannsee. An der Straße entlang gelangte ich nach etwa zehn Minuten zur Haltestelle Nikolassee, die S-Bahn brachte mich wieder in das Zentrum.

    Fazit

    Obwohl der Wanderweg mit Zuwegen und Abstechern etwa 14 Kilometer lang ist, war ich doch knapp sieben Stunden unterwegs. Unterwegs boten sich immer wieder Pausen an traumhaften Plätzen an. Leider ist die Markierung nicht die Beste: Immer wieder musste ich auf die Karte oder das GPS-Gerät schauen, um festzustellen, wo es weiterging. Trotzdem kann ich die Tour empfehlen, dieses schöne Fleckchen hätte ich in Berlin so nicht erwartet.

    Karte, Höhenprofil und GPS-Track

    Länge: 11,3 km, An-/Abstieg: 125 m