Aussichtspunkt an der Gringlee

Escapardenne Lee Trail 1. Etappe: Von Ettelbrück nach Burscheidermühle

Predigtstuhl und Gringlee

Die erste Etappe: Zunächst angenehm, später fordernd

Kurz vor acht Uhr an einem Werktag am Bahnhof in Ettelbrück: Geschäftiges Treiben, Busse kamen im Minutentakt an und entließen ihre Passagiere. Am Bahnhof befindet sich eine Wandertafel mit Informationen zum Escarpadenne Lee Trail: u. a. erwarteten mich 32 Aussichtspunkte – ich war gespannt. Das Wegzeichen des Wanderwegs, die weiße Welle auf blauem Grund wies mir den Weg zunächst an den Gleisen entlang nach Norden.

General-Patton-Memorial

Bereits wenige Minuten später gelangte ich zum General-Patton-Memorial, nicht oft sieht man einen richtigen Panzer in der Gegend herumstehen. Das Denkmal wurde errichtet im Gedenken an die Befreiung von Ettelbrück im Dezember 1944.

Nun stand auch der erste Anstieg bevor: kurz und knackig ging es steil aufwärts, doch dann führte mich der Lee Trail eher eben an einer Kuhweide vorbei in den Wald hinein. Allmählich wurden die Zivilisationsgeräusche leiser und der mehrstimmige Vogelgesang gewann die Oberhand. Die Bäume gaben schließlich den Blick in das Sauertal und hinab nach Erpeldingen frei.

Es dauerte nicht lange und ich erreichte den Ort, die erste Lee war somit bezwungen. Er ist landwirtschaftlich geprägt und auch ein Hahn tat lautstark seine Meinung kund, als ich durch die Straßen lief. An der alten Mühle verließ ich wieder den Ort, die einstige Wassermühle hatte auch schon bessere Zeiten gesehen.

Beim folgenden Anstieg würde es wieder ruhig um mich herum, am Wegrand blühten die Brombeeren, einige Bienen sammelten fleißig ihren Nektar ein. Ich wanderte nun längere Zeit größtenteils auf Schotterwegen durch den unspektakulären Wald. Doch die Zivilisation war bald wieder in der Nähe: Auf einer Anhöhe begrüßten mich die Geräusche der nahen Straße.

Der Predigtstuhl und wie er zu seinem Namen kam

Ich folgte weiter einem Schotterweg, doch dann führte mich ein Pfad in Kehren kräftig bergauf – irgendwie müsste ich ja auf die vielen angekündigten Höhenmeter kommen. Oben angekommen ging es auch sogleich wieder bergab, und das kräftig. Ich war froh, meine Stöcke dabeizuhaben. Kurz darauf gelangte ich zum Predigtstuhl, einem Felsen oberhalb des Sauertals, und wurde ich mit einer herrlichen Aussicht auf die Flussschleife belohnt. Hier war bereits etwas mehr als die Hälfte der Strecke geschafft und ich gönnte mir die erste große Pause des Tages.

Eine Sage rankt sich um den Namen des Felsensporns:

Der heilige Willibrord reiste als Missionar im 7. Jahrhundert durch die Region. Doch man beachtete ihn kaum, so dass er auf den Felsen kletterte und den Holzfällern auf der anderen Seite des Flusses eine Predigt hielt. Vermutlich hatte er damit Erfolg, denn sonst würde der Felsen heute nicht Predigtstuhl lauten. Und was lernen wir daraus? Mit einer lauten Stimme wird man gehört.

Doch nach dem Abstieg war vor dem Aufstieg, denn der Weg zum Predigtstuhl ist nur eine Schleife. Stramm wanderte ich bergauf. Auf der Höhe ging es dann wieder gemütlich an Feldern und Wiesen vorbei nach Closdelt.

Der Escapardenne Lee Trail führte ein Stück an der dreispurigen Nationalstraße entlang, doch bereits wenige Minuten später bog er ab. Mein Blick schweifte über die Felder und hinab ins Sauertal. Gut zu erkennen war auch die Felswand eines Prallhangs. Bei einem erneuten Abstieg ragten Brombeerranken auf den Pfad. Vor allem begeisterte mich eine Lichtung mit einer großen Anzahl an Roten Fingerhüten. Um mich herum summte und zwitscherte es – Entschuldigung pur.

Ich kam aus dem Wald heraus und blickte über das Tal nach Burscheid und der gleichnamigen Burg. Obwohl der Himmel den ganzen Tag wolkenverhangen war – nun kam ein Sonnenstrahl durch die Wolken und tauchte den Ort und die Burg in helles Licht. Eine Bank stand hier, ein toller Platz für eine Rast.

Herrliche Aussicht von der Gringlee

Der Weg leitete mich hinab nach Michelau. Als ich durch den Ort lief, quietsche es hinter mir auf einmal erbärmlich: Ein Esel tat seine Meinung kund. Entlang der Hauptstraße blickte ich hinauf zur Burg. Die letzte Steigung des ersten Tages auf einem herrlichen Pfad galt es nun noch zu überwinden – und diese hatte es in sich. Es ging ein Stück auf der Anhöhe entlang zur Gringlee. Weit blickte ich über die Schleife der Sauer, auf einem Berggrat sah ich erneut die Burg Burscheid. Ein toller Abschluss der ersten Etappe, ich hatte noch Zeit bis der Bus fuhr, so dass ich die Aussicht längere Zeit genoss.

Doch letztendlich machte ich mich an den steilen Abstieg: 240 Höhenmeter auf 900 Metern Strecke. Im Tal war es dann nur noch ein Katzensprung zur Bushaltestelle, in 18 Minuten Fahrt gelangte ich wieder zurück nach Ettelbrück. Zu Fuß hatte ich zuvor knapp sieben Stunden benötigt.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 18,2 km, Anstieg: 715 m, Abstieg: 675 m