Anstieg auf der Molberlee

Escapardenne Lee Trail 2. Etappe: Von Burscheidermühle nach Hoscheid

Napoleonsknäppchen und Molberlee

Am Morgen brachte mich der Bus von Ettelbrück nach Burscheidermühle. Kurz nach halb neun machte ich mich auf den Weg – im Gegensatz zum Vortag auf der ersten Etappe lachte diesmal die Sonne vom Himmel. Nach der Überquerung der Sauer stimmte mich eine Infotafel auf die zweite Etappe des Escapardenne Lee Trails ein. Bei Hochwasser gibt es auch eine Umleitung über die Burg Burscheid, die aber eine Straße hinaufführt. Ich entschied mich für die naturnahe Wegführung, auch wenn eine Burg zu besuchen immer toll ist.

Der Wanderweg leitete mich zunächst auf einem herrlichen Pfad direkt am Ufer der Sauer entlang. Auf der gegenüberliegenden Flussseite war gut der Prallhang mit den Felsen zu sehen, der von der Sauer geschaffen wurde. Bei einem Blick zurück hob sich die Gringlee gut vom Himmel ab, die ich am Vortag besuchen durfte. Ich genoss die Ruhe im Tal. Ab und zu lagen Baumstämme über dem Weg, die Rinde moosbewachsenen. Der Lee Trail querte die Bahnstrecke und leitete mich unterhalb des Bahndamms entlang. Immer wieder gab es einiges zu entdecken: Schmetterlinge flogen umher und auch eine Libelle kreuzte meinen Weg. Ich verweilte immer wieder und sah dem Treiben zu.

Doch bald war es vorbei mit der Gemütlichkeit und die ersten Höhenmeter wollten bezwungen werden. Ein leichter Wind kam auf, in Anbetracht der warmen Temperaturen sehr angenehm. Bald wurde es wieder eben, Kühe auf einer Weide schauten mich neugierig an, als ich näher kam schreckten sie jedoch zurück – bin ich so furchteinflößend? Bei einem Blick über die Schulter war ein letztes Mal die Burg Burscheid zu sehen. Roter Holunder wuchs am Wegrand, ein Tautropfen hing an einer Beere herab.

Toller Pfad entlang der Fischeiderlee

Ein traumhafter Pfad entlang der Fischeiderlee schloss sich an, moosbehangene Schieferfelsen säumten den Weg, teils waren Stufen in den Felsen gehauen. Bald führte mich das Wegzeichen aus dem Wald heraus und ich blickte über den Fischeiderhof auf die umliegende Landschaft und auch einige Häuser des Etappenziels Hoscheid waren bereits zu erkennen.

Panoramablick vom Napoleonsknäppchen

Auf Forstwegen wanderte ich schweißtreibend bergan auf die Höhe bei Burscheid. Der Lohn der Anstrengung: eine traumhafte Aussicht in das Sauertal und die umgebende Landschaft. Doch es sollte noch besser kommen. Es dauerte nicht lange und ich gelangte zur Napoleonseiche auf dem Napoleonsknäppchen. Von der Aussichtsplattform hatte ich einen wunderschönen 360°-Panoramablick. Hier war mit 505 Metern der höchste Punkt des Escapardenne Lee Trails erreicht.

Napoleonsbaum

Der Napoleonsbaum wurde ursprünglich 1811 gepflanzt, als der Sohn von Napoleon Bonaparte, Napoleon II., geboren wurde. Aus strategischen Gründen fällten deutsche Soldaten den Baum während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Von der Bevölkerung wurde er jedoch als Akt zivilen Ungehorsams wieder nachgepflanzt.

N 49° 54.636', E 6° 3.17'

Der Lee Trail führte nun abwärts, zunächst auf einem Teerweg durch Felder, dann auf einem gemähten Grasweg in den Wald hinein. Auf einer Rodungsfläche wuchsen Unmengen von Rotem Fingerhut, mein Blick schweifte in das obere Sauertal hinab. Weiter bergab wies mich ein Wegweiser auf einen Abstecher zum Aussichtspunkt Rouschtert hin. Und tatsächlich konnte ich den Blick hinab nach Dirbach genießen.

Der Finger Gottes

Wieder auf dem Trail lief ich ein Stück an der Straße entlang, bevor der Wanderweg wieder auf einen traumhaften Pfad abzweigte. Dabei passierte ich den Finger Gottes, eine hohe Felsnadel, die senkrecht am Pfad aufsteigt. Der Weg war ziemlich ausgesetzt, Geländer sicherten die kritischen Stellen ab. Ich gelangte schließlich hinab zur Sauer und nach Dirbach. Am Fluss befand sich ein herrlicher Rastplatz, das Wasser rauschte und viele Libellen flogen umher. Etwas mehr als die Hälfte der Wegstrecke war nach vier Stunden unterwegs geschafft – Zeit für die Mittagsrast. 

Nun querte ich erneut die Sauer. Eine Tafel informierte mich über ein altes Bewässerungssystem, das sich einst hier befand. Entlang der Sauer und am Campingplatz vorbei ging es an einer Straße nach Goebelsmühle. Erst später sah ich im Wanderführer, dass von Dirbach wohl der Wanderweg noch auf eine Lee führte, aber der Weg entlang des Flusses war auch schön – und ich sparte einige Höhenmeter.

Nach Goebelsmühle stand ein schweißtreibender Anstieg auf einem herrlichen Pfad an, Ginster wuchs am Wegrand. Eine Bank kam gerade recht, um Wasser nachzutanken. Nun würde es auch schattiger und auf der Höhe bei Schlindermanderscheid blickte ich über das Sauertal, das Gehöft auf der anderen Flussseite kam mir bekannt vor. Es war der Fischeiderhof, den ich am Vormittag passierte. Der Lee Trail beschrieb eine große Schleife.

Die sonderbare Geschichte über den Postkutscher

Es folgte ein angenehmes Auf und Ab, immer wieder befanden sich Sitzbänke am Wegrand. Von einer Anhöhe konnte ich wieder Hoscheid sehen, doch dazwischen befand sich noch ein Tal. Und in dieses Tal wanderte ich nun hinab nach Schlinder.

Eine sonderbare Geschichte soll sich vor 100 Jahren in Schlinder zugetragen haben: Der Postkutscher Jos lebte damals hier und stellte Tag für Tag gewissenhaft Post zu. Doch eines Tages ging ein wichtiger Brief verloren. Das Gerücht entstand, dass er diesen Brief gestohlen habe, und er wurde dafür angeklagt. Einige Tage später war Jos tot – ob es Selbstmord war oder er aus Gram starb, niemand wusste es. Bei Recherchen stieß man auf eine Kiste und vermutete den Brief in ihr. Es bemühten sich viele, die Kiste zu öffnen, doch niemandem gelang es bisher.

Entlang des gleichnamigen Baches ging es langsam aufwärts, hohe und steile Berghänge umgaben mich auf dem Weg. Ein fast senkrecht aufgefalteter Schieferfelsen ragte empor. 

Zauberhafte Molberlee

Das Rauschen der Schlënner begleitete mich durch das enge Tal. Bald passierte ich zwei Klangstationen, ein Waldtelefon und das Bachlauschgerät. Fünf verschiedene Töne soll man bei letzterem hören können, ich bekam jedoch nur das Rauschen des Baches mit. Kurz darauf erreichte ich den Einstieg zur Molberlee. Dies sollte dem Wanderführer nach der Höhepunkt der Etappe sein. Und tatsächlich begeisterte mich das Wegstück. Zunächst wanderte ich in Kehren aufwärts, um dann auf dem Grat der Lee auf Schieferfelsen entlangzulaufen. Molber ist übersetzte die Blaubeere, allerdings war ich wohl zu früh im Jahr dran, ich konnte noch keine entdecken.

Auch die Aussicht hatte einiges zu bieten, blickte ich doch in das Z-förmige Tal des Schlinderbachs hinab. Eine Bank bot sich zur Rast an, ich verweilte hier etwas. „Hatschiii”, mein Heuschnupfen machte sich auf einmal heftig bei den vielen Gräsern bemerkbar.

Nach der Pause führte mich der Escapardenne Lee Trail weiter auf dem herrlichen Pfad entlang des Grats und schließlich durch Eichenwald aufwärts nach Hoscheid. Ein älterer Mann sprach mich am Ortsrand an und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte, dass letzten Silvester ein Belgier auf dem Trail wanderte und fragte, ob es in der nahen Scheune möglich sein, zu übernachten. Wir unterhielten uns eine Weile, bis wir uns wieder trennten. An der Bushaltestelle endete die herrliche und erlebnisreiche Wanderung nach 8½ Stunden.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 18,4 km, Anstieg: 740 m, Abstieg: 490 m