Zipfelfalter

Escapardenne Lee Trail 3. Etappe: Von Hoscheid nach Kautenbach

Geisterbachtal und Hockslee

Die dritte und letzte Etappe auf dem Escarpadenne Lee Trail begann ich in Hoscheid bei strahlendem Sonnenschein. Allerdings kündigte sich am westlichen Horizont bereits eine Wolkenbank an. Die Temperaturen waren frischer als am Vortag und der Wind hatte zugenommen. 

Der Wanderweg führte mich aus dem Ort heraus, unterwegs kam ich wie am Vortag an einige Klangstationen vorbei, ein Holzxylophon tat es mir besonders an. Im weiteren Verlauf regten Tafeln dazu an, innezuhalten und z. B dem Streichen des Windes durch die Bäume zuzuhören. An einer Murmelbahn könnte ich nicht widerstehen: Ich würde mit einer Kakophonie von Geräuschen belohnt, als die Kugeln gegen die Hindernisse polderten.

Nach dem Überqueren des Lëtschbaachs ging es schließlich das erste Mal aufwärts. Majestätisch ragte der Rote Fingerhut in die Höhe. Auf dem Fiederberg hielt ich kurz inne, bevor ich wieder in den Wald eintauchte. Der Escapardenne Lee Trail leitete mich durch Eichenniedrigwald teils steil bergab zum einstigen Dorf Oberschlinder.

Oberschlinder

Das Dorf Oberschlinder entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1815 lebten hier 25 Menschen, die als Waldarbeiter, Müller, Rindenschäler oder mit der Herstellung von Strohhülsen für Champagnerflaschen ihren Lebensunterhalt verdienten. Auch gab es einen kleinen Steinbruch, in dem Schiefer abgebaut wurde. Bis zum Jahre 1863 wuchs die Bevölkerung auf 69 Personen an, die in den folgenden Jahrzehnten aber wieder schrumpfte. Die technische Revolution bedeutete das Aus für viele handwerkliche Tätigkeiten. Die Einwohner wanderten größtenteils nach Amerika aus. Der letzte Bewohner des Dorfes verließ 1948 das Dorf.

Es steht hier jedoch noch die Michelskapelle. Über Gucklöcher könnte ich ins Innere der Kapelle hineinlinsen.

Michelskapelle

Die Kapelle ist dem heiligen Michael und der heiligen Kunigunde geweiht. Letztere war die Tochter von Siegfried I., der als Gründer von Luxemburg gilt. Verheiratet war sie mit Herzog Heinrich von Bayern, an dessen Seite sie 1002 zur Kaiserin gekrönt wurde. Da sie jedoch bald erkrankte, zog sie sich in ein Kloster zurück, das sie in Kaufungen in Niederhessen errichten ließ. Als ihr Mann 1024 starb, führte sie ein Jahr lang von dort die Regierungsgeschäfte. Sie starb am 3. März 1040 und wurde durch Papst Innozenz III im Jahre 1200 heilig gesprochen. Jedes Jahr wird eine Messe in der Kirche zu ihren Ehren gefeiert.

Auf der folgenden Strecke begegnete mir keine Menschenseele, ich war alleine unterwegs und genoss die Ruhe. Nur das Murmeln des Baches und das muntere Gezwitscher der Vögel begleiteten mich. Ein Teppich aus Moos breitete sich am Rande des Pfad aus, als es von der Sonne beschienen wurde, leuchtete es in satten Farben.

Ein weiterer Anstieg stand bevor, am Wegrand blühten die Glockenblumen. Zwischendurch wurde ich mit einem Blick zur Burg Burscheid und hinab zur Molberlee belohnt, die ich am Vortag so zauberhaft fand. Der Pfad war angenehm zu laufen, düster würde es jedoch unter dem Blätterdach, als sich auch die Wolken dichter zusammenzogen. Ich verließ den Wald, Wind und Nieselregen begrüßten mich. So hatte ich das aber nicht bestellt!

Unterwegs zur Hoflee

Trotz allem schweifte mein Blick über die Landschaft und hinab in die Täler. Der Escapardenne Lee Trail führte mich auf dem Grat der herrlichen Hoflee entlang. Es wuchs der Ginster am Wegrand und ich schaute hinab ins Tal und auf die Bahnstrecke, auf der auch just ein Zug entlangfuhr. Ein Nieselschauer kündigte sich an, also kurz unter einem Baum untergestellt. Dann stand der Abstieg von der Hoflee an, steil ging es in Kehren hinunter, an Ginsterbüschen vorbei und durch lichten Eichenwald.

Doch der tolle Trail war noch nicht zuende, auf einem ausgesetzten Pfad ging es am Steilhang entlang. Schroffe und moosbewachsene Schieferfelsen säumten den Weg. Und dann passierte es: Da war ich etwas unaufmerksam gewesen und kam ins Stolpern. Zum Glück konnte ich den Sturz mit den Stöcken auffangen.

Wildromantisches Geisterbachtal

Das Wegzeichen leitete mich schließlich in das Geisterbachtal hinein und am gleichnamigen Bach entlang. Ich ließ mir Zeit, meine Kamera kam häufig zum Einsatz, es gab so viele Motive abzulichten: wie das Wasser über den Schiefer fließt, Baumstämme lagen über Weg und Bach. Ich war alleine und nahm die Eindrücke mit den Sinnen wahr.

Der Weg am Bach entlang endete schließlich und in einer Lehre lief ich aufwärts, der Wegweiser zeigte noch 4,8 Kilometer bis zum Ziel in Kautenbach an. Für die bisherigen zehn Kilometer hatte ich bereits über vier Stunden benötigt. Langsam führte mich der Weg aufwärts zu einem Aussichtspunkt. Mit Blick in das Wiltztal stand eine kleine Pause an. Das Rauschen des Baches war bis herauf zu hören – oder war das nur der Wind?

Wieder unterwegs saß ein kleiner Käfer auf dem Blatt einer Brombeerranke, die in den Weg hineinragte. Der kleine Kerl saß ruhig an der Spitze des Blattes, da könnte ich nicht widerstehen und zückte die Kamera. Inzwischen hatte das Wetter aufgeklärt und die Sonne kam zwischen den Wolken hervor.

Beeindruckende Fauna und Flora auf der Hockslee

Ein Abstecher brachte mich zur nahen Hockslee, von der ich bereits Kautenbach sehen konnte. Ich verweilte längere Zeit in dem Naturschutzgebiet, es wuchsen seltene Pflanzen und auch die Insektenwelt war nicht zu verachten. Viele Schmetterlinge flogen umher. Bei einem Großen Fuchs war es interessant zu beobachten, wie er auf einem Blatt saß: War die Sonne hinter Wolken versteckt, breitete er seine Flügel aus, kam die Sonne jedoch wieder hervor, wurden die Flügel zusammengeklappt.

Ich blieb wohl eine Stunde an der Hockslee. Doch schließlich machte ich mich auf den Weg. Der Escapardenne Lee Trail leitete mich ein letztes Mal aufwärts, teils auf Grasweg, teils auf Asphalt und zum Aussichtsturm Ueweschleed. Der Blick nach Norden auf das hügelige Land war herrlich. Allerdings war der Nordwind doch recht kräftig und frisch, so dass ich nicht lange auf der Plattform blieb.

Beim folgenden Abstieg offenbarte sich mir erneut ein toller Blick auf Kautenbach, wo die beiden Flüsse Wiltz und Klerf zusammenflossen. Eine Bank war so schön platziert, dass ich nicht einfach so vorbeilaufen konnte – ich hatte ja Zeit und die Züge führen im Halbstundentakt. Inzwischen dominierte der blaue Himmel – so schnell kann sich das Wetter wieder zum Guten ändern. Ich genoss die Sonne doch sehr. Von diesem Platz starten auch Paraglider, wie mich eine Tafel hinwies. Doch an diesem Werktag war vor ihnen leider keine Spur zu sehen.

Nach einer Weile nahm ich den restlichen Abstieg in Angriff. Vorbei an Silikatrasen (den Begriff kannte ich bisher noch nicht, eine Infotafel klärte mich darüber auf, dass es sich um Halbtrockenrasen handelt) wurde der Ginster und die niedrigen Eichen kräftig vom Wind durchgeschüttelt. Schließlich erreichte ich die Straße nach Kautenbach. An den Lee Trail schließt sich im Ort der Escarpadenne Eislek Trail an, der durch den Ösling (so der deutsche Name für den Eislek) nach Belgien führt. Doch davon ein andermal. Nun dauerte es nicht mehr lange und ich erreichte nach über achat Stunden unterwegs den Bahnhof von Kautenbach, an dem diese wunderschöne Drei-Tages-Wanderung endete. 

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 15,3 km, Anstieg: 500 m, Abstieg: 730 m

Fazit

Der Escapardenne Lee Trail ist ein wunderschöner Wanderweg durch die luxemburgischen Ardennen - und zu Recht als Leading Quality Trail – Best of Europe ausgezeichnet. Meist war ich vollkommen alleine unterwegs und traf keine Menschenseele. Trotz seiner relativen kurzen Länge von 53 Kilometern hat er es aufgrund der vielen Höhenmeter in sich und sollte nicht unterschätzt werden. Dafür wird man mit tollen Aussichtpunkten, vielen naturnahen Pfaden und einer herrlichen Insektenwelt belohnt – vor allem die vielen Schmetterlinge hatten es mir angetan. Von mir gibt es eine klare Empfehlung: Erwandere den Trail!