Blick zur Burg Weibertreu

Weinsberg

Schilfsandstein und Weibertreu

Schon seit längerem wollte ich eine Wanderung zur Burg Weibertreu bei Heilbronn unternehmen. Anfang Februar klappt es. Die Tour folgt größtenteils der ausgeschilderten Route WT1, die in Weinsberg beginnt und durch das Weinsberger Tal zu einigen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung führt.

Start war am Bahnhof in Weinsberg, dort ging es die Bahnhofstraße entlang und über den Traubenplatz. An der Skulptur am Weinbaumuseum trifft man nun auf die Markierung WT1. Einige Minuten später führt der Weg durch die Erholungsanlage Stadtseebachtal, der dortige See war aufgrund der kalten Witterung der Vorwochen noch größtenteils zugefroren, Stockenten bevölkerten den Zulauf.

Nach dem Freibad führt die Wanderung durch Wiesen und entlang des Saubachs zu den Höfleswiesen. Nach einem Gebäude verläuft der Weg auf Gras, das nach dem Regen am Vortag doch etwas aufgeweicht war. In einer langgezogenen Schleife wanderte ich zu den Stadtseen, zwei Angleranlagen, die leider eingezäunt sind und den Saubach aufstauen. In der Zwischenzeit hat sich der Himmel durch Hochnebel bedeckt, der jedoch von der Sonne immer wieder etwas durchbrochen wurde.

Der Weg führt nun wieder zurück zu den Höfleswiesen, an einer Abzweigung ging es scharf links einen Waldweg hinauf, die Markierung hat hier leider gefehlt, doch dank GPS-Gerät konnte ich den Einstieg gut finden. An einer Abzweigung fand ich dann wieder die Markierung, die mich auf der Höhe zur Waldheide führte. Da das GPS-Gerät in der Nähe einen Geocache anzeigte, verließ ich hier kurzzeitig den markierten Weg und ging an den zwei Birken geradeaus zu einem im Wald versteckten ehemaligen amerikanischen Wachtturm. Dieser ist vom Weg aus nicht zu erkennen, man muss schon etwas in den Wald vordringen.

Anschließend ging es weiter auf dem markierten Weg durch das ehemaligen Militärgebiet.

Waldheide

Die Waldheide wurde bereits 1883 als Exerzierplatz eingerichtet und ab 1951 von der US-Armee belegt. Ab 1974 wurde das Areal zu einer Basis für nuklear bestückte Mittelstreckenraketen ausgebaut. 1985 kam es zu einer Explosion mit einer Raketenstufe, bei der drei Menschen starben. Die amerikanischen Streitkräfte zogen 1991 ab, das Gelände wurde bis 1997 renaturiert.

N 49° 7.82', E 9° 16.517'

Kurz vor der Straße am Jägerhaus verließ ich wieder den markierten Weg und machte eine Runde durch den ehemaligen Schilfsandsteinbruch.

Schilfsandsteinbruch

Der Schilfsandsteinbruch wurde bereits im 15. Jahrhundert erwähnt. Er entstand vor 225 Millionen Jahren, als Sande aus den Rinnen eines stark verzweigten Flusssystems mit einer Mächtigkeit von über 20 Metern abgelagert wurden. Die Abbauarbeiten wurden 1968 eingestellt und 1972 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

N 49° 8.186', E 9° 16.096'

Der Pfad führt an imposanten Felswänden vorbei.

Am Ende des Naturschutzgebiets ging es mit WT1 rechts auf einen Teerweg. Von hier schweift der Blick entlang der Weinberge in das Neckartal und auf Heilbronn. An einer großen Wegspinne versteckt sich einige Schritte rechts in den Wald ein Sühnekreuz.

Sühnekreuz

Um das Kreuz rankt sich eine Sage, nach der sich zwei Mädchen um einen Mann stritt. Im Verlauf des Streits wurde eine der beiden mit einer Sicher tödlich verletzt. Die Täterin starb auf dem Schafott, ihre Eltern mussten das Sühnekreuz errichten. Die Sichel ist erhaben im Steinkreuz eingemeißelt. In einer anderen Geschichte kam es zwischen den beiden Mädchen im Pestjahr 1625 zu einem Streit, wahrscheinlich um das Recht, das magere Waldgras zu mähen.

N 49° 8.782', E 9° 15.8'

Das Wegzeichen führt nun auf einem Pfad den Berg hinunter. Dort erblickt man das letzte Ziel der Wanderung, die Burgruine Weibertreu. Nun ging es durch Weinsberg und nach einem Anstieg zur Kirche hinauf zur Burganlage. Der Eintritt ist kostenpflichtig, an diesem Tag war das Kassenhäuschen allerdings nicht besetzt, den fälligen Obulus konnte man jedoch in ein in die Mauer eingelassenes Rohr werfen.

Burg Weibertreu

Die Burg Weibertreu (auch Burg Weinsberg genannt) wurde vermutlich zu Beginn des 11. Jahrhunderts errichtet. Bekanntheit erlangte sie durch die „Treu-Weiber-Begebenheit” am 21. Dezember 1140:

„Der König belagerte eine Burg des Herzog Welf von Bayern namens Weinsberg und brachte sie zur Kapitulation, wobei er den Ehefrauen und den übrigen Weibern, die sich dort aufhielten, mit königlichem Edelsinn die Erlaubnis gab, dass jede forttragen dürfe, was sie auf ihren Schultern vermöchte. Diese aber, ebenso auf die Treue zu ihren Gatten wie auf die Rettung der übrigen bedacht, ließen das Hausgerät beiseite und stiegen herab, indem sie ihre Männer auf den Schultern trugen. Als Herzog Friedrich widersprach, das man solche hingehen lasse, erklärte der König, der die Hinterlist der Weiber nicht übelnahm, es schicke sich nicht an einem Königswort zu deuteln.”

Am Ostersonntag 1525 wurde die Burg und die Stadt im Bauernkrieg von aufständischen Bauern erobert, die sie plünderten und anzündeten.

N 49° 9.234', E 9° 16.977'

Nach der Besichtigung der Ruine ging es wieder hinab zur Kirche und weiter der Markierung WT1 folgend zum Ortskern. Vom Traubenplatz aus war es schließlich nicht mehr weit zum Bahnhof.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 13,7 km, An-/Abstieg: 265 m

Fazit

Ich fand die Wanderung sehr schön, sie ist nicht sonderlich anstrengend, der größte Anstieg steht am Ende beim Aufstieg zur Burgruine an. Sie ist knapp 14 km lang und weist mit 260 Höhenmetern moderate Höhenunterschiede auf. Unterwegs bieten sich immer wieder auf Bänken Rastmöglichkeiten an, eine Einkehr besteht am Jägerhaus. Die beiden Höhepunkte waren sicherlich der Schilfsandsteinbruch und die Burg Weibertreu. Im Frühjahr oder Herbst, wenn die Heide blüht, ist es sicherlich schöner, aber auch an einem trübem Februartag konnte ich die Tour genießen.