Aussicht auf das Meer

Höga Kustenleden V: Köpmanholmens Havsbad nach Örnskoldsvik

Balesudden, Gene fornby und Varvsberget

Das Highlight des letzten Abschnitts auf dem Höga Kustenleden war für mich der Abstecher auf die Halbinsel Balesudden: Der malerisch schön gelegene See Balestjärnen glitzerte in der Sonne und die roten Felsen des Naturreservats kontrastierten gut mit dem Blau des tiefer liegenden Meeres und den gebleichten Stämmen der Kiefern, die vor vielen Jahren einem Brand zum Opfer fielen.

11. Etappe: Von Köpmanholmens Havsbad zum Bodviken

Am Morgen weckte mich ein weiteres Mal die Sonne, die von einem blauem Himmel strahlte. Nach dem Packen des Rucksacks stellte ich das Zelt zum Trocknen in die Sonne, durch die Wärme und den Wind dauerte es nicht lange, und es war von der nächtlichen Regentropfen befreit. Kurz nach halb acht machte ich mich auf den Weg, zunächst wieder etwas Schottenpiste an der Küste entlang bis Hålviken. Immer wieder genoss ich den schönen Ausblick auf das Meer. Nach drei Kilometern erreichte ich das Ende der Straße und der ersehnte Pfad führte mich in das Naturreservat Balesudden. Herrlich war es hier zu laufen, durch urwüchsige Natur, moosbehangene Felsen und umgestürzte Baumstämme befanden sich am Wegrand.

Nach einer Weile bot sich ein Abstecher auf den Täcksklippen an – den Berg mit Aussicht ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Und tatsächlich bereute ich den Anstieg nicht, schweifte mein Blick doch weit über die Landschaft. Auch das Ziel des Höga Küstenleden war bereits in Sichtweite: Örnsköldsvik. Nach einer kurzen Pause – der Wind wehte hier oben doch sehr kräftig und die Temperaturen waren noch recht frisch – lief ich auf dem markierten Pfad weiter und durch ein Steinfeld: ein weiterer Zeuge der ehemaligen Küstenlinie, die ein früheren Zeiten hier verlief. Der Weg leitete mich hinab in die Bucht Sör-Balesviken. Ein schöner Strand erwartete mich, dazu Picknicktische und auch geeignete Zeltplätze waren hier vorhanden. Zunächst stand eine weitere Pause an, befreit vom Rucksack kletterte ich die rötlichen Felsen entlang, die in der Sonne schön leuchteten.

Direkt am Strand bot sich ein Abstecher auf die nahe Halbinsel Balesudden an, den Trekking-Rucksack ließ ich an der Bucht zurück und folgte dem Pfad zum Balestjärnen, einem toll gelegenen, glasklaren See. Meinen Wasservorrat konnte ich hier auffüllen, auf den Filter verzichtete ich diesmal. Danach folgte ich dem Pfad weiter zur Spitze der Halbinsel, der rote Fels aus Nordingrå-Granit beeindruckte mich sehr. Abgestorbene Kiefern reckten ihre grau und weiß gewordenen Stämme in die Höhe, Mahnmale eines Waldbrands aus dem Jahr 2008. Der Wind blies hier sehr stark, Schaumkronen tanzten auf dem Meer. Und ich hatte einen herrlichen Blick auf die vorgelagerten Inseln und Schären.

Lange hielt ich es aber an der Spitze nicht aus, ich machte mich wieder auf den Rückweg. Erneut am Balestjärnen angelangt fand ich ein windgeschütztes Plätzchen und ließ die Umgebung auf mich wirken: Wasserläufer huschten über das Nass, die Sonne glitzerte im Gewässer und der Wind rauschte in den Bäumen. Die Reflexion der Sonne im Wasser spiegelte sich an den Ästen eines Baumes wieder und Windböen zogen ihre Spuren im See. Eine Libelle flog geschwind umher. Einige Zeit saß ich einfach nur da – was für ein herrlicher Ort.

Nach längerer Zeit riss ich mich los und lief hinab zur Bucht. Ich schulterte wieder meinen Rucksack – der Wegweiser zeigte mir noch 1,4 Kilometer bis zu meinem heutigen Etappenziel an. Ich passierte eine windgeschützte Bucht, ein letzter Anstieg und ich erreichte die Hütte am Bodviken; es gab auch einen kleinen Sandstrand. Ich beschloss, hier im Zelt zu übernachten und fand ein nettes Plätzchen. Am Nachmittag kamen weitere fünf Wanderer, unter Ihnen Sylvana und Luise, die ich bereits in Lappudden getroffen hatte und die die Hütte in Beschlag nahmen. Bei einem Lagerfeuer klang der Tag aus.

Länge: 13,2 km, Anstieg: 330 m, Abstieg: 340 m

12. Etappe: Von Bodviken zur Småtjärnsstugan

Gegen acht Uhr lief ich bei Sonnenschein los und merkte, dass das baldige Ende der Tour bevorstand: Der Rucksack war doch schon bedeutend leichter geworden. Zunächst leitete mich ein Pfad am Ufer entlang, es summte um mich herum und die Sonne glitzerte auf dem Wasser. Windstill war es, nur kleine Wellen plätscherten am Strand. Eine Entenfamilie nahm rauschend auf dem Wasser Reißaus, als sie mich wahrnahmen – dabei bin ich doch größtenteils harmlos.

Nach einer ¾ Stunde Gehzeit erreichte ich Sandlågan, eine seichte Bucht mit Unterstand und Toilettenhäuschen. Viele Felsen standen aus dem Wasser heraus und Enten schwammen umher. Wieder unterwegs fand ich am Wegrand viele Blaubeeren, ein Zwischenimbiss kam mir durchaus gelegen. Doch dann endete das Wanderparadies und viele Kilometer Schotterstraße durch einige Ortschaften standen an.

Ab Utby wurde der Schotterwegs durch Asphalt abgelöst und leitete mich am Utbysjön entlang, bevor es auf einer Anhöhe einen Grasweg entlang ging. Inzwischen hatte ich Probleme mit meinem Knöchel, immer wieder hatte ich Schmerzen oberhalb des Gelenks – dasselbe an dem mich zehn Tage vorher eine Wespe gestochen hatte. Ich machte daher nun langsam und versuchte so zu laufen, dass der Druck auf das Gelenk nicht zu stark wurde.

Ich scheuchte unbeabsichtigt drei Auerhühner auf, mit lautem Getöse flohen sie vor mir. Bald gelangte ich zum See Småtjärnarna. Vom Pfad aus sah ich bereits die Hütte, das heutige Etappenziel. Nach vier Stunden unterwegs erreichte ich schließlich die Småtjärnsstugan, eine kleine Hütte mit zwei Pritschen. Da später Sylvana und Luise in der Hütte übernachten wollten, stellte ich mein Zelt auf.

Ich setzte mich an die Hütte, genoss die Sonne und Wärme und las mein Buch. Enten plantschten im See. Am Nachmittag kamen auch die beiden Wanderinnen an.

Länge: 11,8 km, Anstieg: 290 m, Abstieg: 135 m

Wanderung zur Eisenzeitsiedlung Gene fornby

Ein kalter und strammer Nordwestwind wehte am Morgen, die Sonne stand aber wieder am Himmel. Nachdem Sylvana und Luise sich verabschiedet hatten, machte ich mich auf eine kleine Wanderung mit Tagesrucksack. Ziel war die einstige Eisenzeitsiedlung Gene fornby mit dem nahen Freilandmuseum an der Küste, etwa vier Kilometer entfernt, eine blaue Raute zeigte mir den Weg an. Zunächst passierte ich den See Hamptjärn, auf einem schönen Pfad lief ich an seinem Ufer entlang. Das Wasser glitzerte in der Morgensonne.

Auf dem weiteren Weg lockten mich immer wieder die Blaubeeren, durch Wald gelangte ich schließlich zu einem Schotterweg. Einige hundert Meter weiter erreichte ich das Nyänget Havsbad, ein breiter Sandstrand bietet im Hochsommer sicherlich ein herrliches Badevergnügen, mir war es aber doch etwas zu kalt für ein Bad. 600 Meter weiter gelangte ich zum experimentellen Freiluftmuseum. Mit Moos und Birkenrinde waren die Häuser bedeckt. Düster war es in den Gebäuden ohne Fenster.

Einige Minuten weiter entfernt befinden sich die Ausgrabungen des ehemaligen Dorfes aus der Eisenzeit. Kurze Betonstelen zeigen die damalige Position der Stützpfosten für die Häuser an.

Gene fornby

Im Jahre 1976 wurde die eisenzeitliche Siedlung Gene fornby bei Wegearbeiten entdeckt und in den Folgejahren ausgegraben. Sie war in den ersten sechs Jahrhunderten nach der Zeitenwende bewohnt, zu Beginn lag sie direkt am Meer; durch die Landhebung versandete die Meeresbucht. Heute liegt sie 400 Meter vom Meer entfernt. Es wurden 15 Häuser ausgegraben, darunter mehrere Langhäuser und eine Schmiede.

Die Siedlung wurde einige hundert Meter entfernt rekonstruiert und 1991 für Besucher geöffnet.

Wieder zurück am Badestrand genoss ich eine Weile die warmen Sonnenstrahlen, bevor ich mich auf den Rückweg machte. Ein Stück des Weges begleitete mich ein älterer Schwede, des Deutschen mächtig. Er erzählte mir, dass der Sommer der Trockenste seit mehr als 160 Jahren sei.

Im Wald lief ich dann eine Alternativroute zu einer Schutzhütte und mit eingeschränkter Aussicht aufs Meer. Der Rastplatz wurde von der Sonne beschienen und war windgeschützt, der Verlockung könnte ich erneut nicht widerstehen und legte eine weitere Pause ein.

Nachdem ich erneut den Hamptjärn passierte hatte, folgte ich einem unmarkierten Weg zur Isgrottan. Einst lag diese an der Küste, wie ein Feld mit abgerundeten Steinen zu ihren Füßen bezeugte. Immer wieder querte ich weitere Steinfelder und folgte schließlich dem Höga Kustenleden zurück zur Småtjärnsstugan. Nach einem Plausch mit drei Bayern, die hier auf dem Weg nach Örnsköldsvik gerade ihre Pause machten, setzte ich mich in die Sonne und vertiefte mich in meine Lektüre. Immer wieder ließen vereinzelte Wolken ein paar Tropfen zu Boden fallen.

Ich bin für die Nacht in die nun freie Hütte gewechselt.

Länge: 11,5 km, An-/Abstieg: 230 m

13. Etappe: Von der Småtjärnsstugan nach Örnsköldsvik

Sonnenschein und Windstille empfingen mich am frühen Morgen, als ich die Hütte verließ. Nun drang auch der Verkehrslärm der Straßen im Tal gedämpft an mein Ohr – am Tag zuvor war dieser vom Wind übertönt. Leichter Dunst hing über dem See, als ich gegen 6:30 Uhr die Hütte verließ. Für den späten Vormittag war Regen angekündigt, so dass ich zu diesem frühen Zeitpunkt aufbrach.

Entlang von einigen Feuchtgebieten führte mich der Höga Kustenleden in den Wald hinein. Bald öffnete er sich, ein Nebelschleier zog über den Veckefjärden. Ich wanderte hinab nach Svedjeholmen und an Hörnett entlang wieder in den Wald hinein. Bei einer Schneise erblickte ich das nahe Kraftwerk und auch die Verkehrsgeräusche drängen von zwei Seiten an mein Ohr – die Zivilisation hatte mich wieder. Es dauerte nicht mehr lange und ich erreichte den Hörnsjön, ein schön gelegener See mit Picknickplätzen.

Der Abstecher hinauf zum Valvsberget führte mich zunächst an einem weiteren Rastplatz vorbei, zwei Zelte standen hier. Nach einem teils steilen Anstieg – zwei Treppen erleichterten dies – stand ich auf dem Berg.  Hier befindet sich auch ein Portaltor, das den einstigen Beginn bzw. das Ende des Höga Kustenleden markierte, inzwischen liegt dieses aber in der Stadt selbst. Es gibt einige Aussichtspunkte, Skisprungschanzen und ein Restaurant, das allerdings noch geschlossen hatte.

Nach längerer Verweildauer – inzwischen hatte sich auch der Himmel zugezogen – machte ich mich auf den Rückweg zum See und wanderte hinab nach Örnsköldsvik. Der Weg unterquerte die Bahnstrecke. Zunächst lief ich zum Reisezentrum am Bahnhof, für 20 Kronen könnte ich am dortigen Kiosk meinen Rucksack einschließen lassen.

Mit dem kleinen Tagesrucksack lief ich nun den Höga Kustenleden weiter, der nicht weit entfernt im Stadtpark endet. Ich erkundete anschließend noch etwas die Stadt – sie ist nicht wirklich aufregend. Mit dem Nachtzug ging es schließlich zurück nach Stockholm, wo ich noch zwei weitere Nächte blieb.

Länge: 9,3 km, Anstieg: 140 m, Abstieg: 300 m

Fazit

Der Höga Kustenleden hat mich vor allem durch die Landschaft und seine Geologie begeistert. Immer wieder stellte ich mir vor, wie früher das Land aussah, vor 10.000 Jahren, als die letzten Gletscher verschwanden und sich in den folgenden Jahrtausenden das Land hob – ein Vorgang, der auch heute noch andauert. Vor allem die naturnahen Übernachtungsmöglichkeiten in Blockhütten, im Zelt (das Jedermannsrecht lässt grüßen) oder auch in den offenen Sheltern fand ich wunderschön. Viele Aussichtspunkte rundeten das Erlebnis ab.

Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass man nie weit weg von der Zivilisation ist: Es gibt eine Wegstücke, auf denen man kilometerweit auf Asphalt oder Schotter läuft, dafür kann man fast jederzeit im Notfall aussteigen und auch alle paar Tage ist eine Einkaufsmöglichkeit vorhanden, man muss also nicht so viel Essen im Rucksack mitnehmen. Es gibt aber auch Passagen, die anspruchsvoll sind: Pfade, die steil bergauf und über Felsen und Wurzeln führen. Mit dem Trekkingrucksack ist man dann nur noch bei 2-3 Kilometern in der Stunde unterwegs.

Manche Wanderer laufen den Weg in vier Tagen, die meisten, die ich traf, waren etwa eine Woche unterwegs. Ich hatte mich bewusst für eine längere Zeit entscheiden, um flexibel reagieren zu können und auch mal etwas länger an einem Ort bleiben zu können (oder auch mal einen Regentag überdauern zu können). So gibt noch andere Aktivitäten, in Lappudden und beim Friluftsbyn bei Doksta kann man z. B. Kajaks mieten und die Landschaft aus einem anderen Blickwinkel erleben.

Es war für mich auf ein günstiger Urlaub: Inklusive Anfahrt mit der Bahn kosteten mich die kompletten drei Wochen nicht mehr als 600 Euro.