Sonnenaufgang

Höga Kustenleden III: Lappudden zum Skuleberget

Fäberget und Skuleberget

Bereits um fünf Uhr würde ich von dem Wecker meiner darüberwohnenden Nachbarn geweckt. Ich blieb noch etwas liegen, beschloss dann aber doch aufzustehen. Den Rucksack hatte ich bereits am Vortag größtenteils gepackt, nun musste ich nur noch den Raum etwas fegen.

5. Etappe: Von Lappudden zur Äskjastugan

Gegen 6:45 Uhr lief ich los, zu Beginn auf Schotterwegen, bis mich die Markierung des Höga Kustenleden auf einem Pfad bergan führte. Schnell wurde es mir wieder warm. Auf der Anhöhe bot sich ein Abstecher zum Aussichtspunkt auf dem Körningsberget an. Der Blick am frühen Morgen war fantastisch, der Vågsfjärden mit Lappudden lag unter mir. Allerdings blies hier oben ein kräftig ein kalter Nordwind. Es befand sich auch ein Baumwürfel auf dem Gipfel, eine etwas andere Art zu Übernachten, nämlich in einem Baumhaus.

Wieder zurück an der Abzweigung führte mich der Weg durch den Wald, Blaubeeren säumten den Weg, leider ohne die leckeren Beeren. Ich gelangte zu einem See, der Pfad leitete mich längere Zeit am Gewässer entlang. Der Wind rauschte in den Blättern der Bäume. Zwei schön gelegene Zeltmöglichkeiten passierte ich unterwegs.

Doch dann wanderte ich wieder ein längeres Stück auf Asphalt. Endlich bog der Wanderweg wieder in die Natur ein. Am Svartsjön standen zwei Bänke, ideal zur Rast. Inzwischen war ich bereits 2½ Stunden unterwegs, sieben Kilometer lagen hinter mir. Robin Hood achtete hier darauf, dass man keinen Müll hinterließ (so zumindest das Schild).

Wieder auf Wanderschaft traf ich auf einen Einheimischen. Er erzählte mir, dass man in den frühen Morgenstunden Elche in der Umgebung sehr könnte. Nun, dafür war ich nun doch etwas spät dran. In Schatten des Berges lief ich größtenteils windgeschützt langsam den tollen Trail hinauf. Und dann kam ich endlich zu meinen ersehnten Blaubeeren, die Büsche waren voll mit der süßen Leckerei.

Auf der Höhe erreichte ich auf einem kleinen Abstecher die Hütte Erikskojan, zwei Pritschen boten sich zur Nachtruhe an, die Gästebücher gingen bis in die 1980er Jahre zurück. Vier Stunden hatte ich nun bereits schon auf dem Buckel. Nach einer kleinen Pause machte ich mich auf den weiteren Weg, der Wegweiser zeigte noch 4,7 Kilometer bis Ullånger an. Kurz darauf passierte ich eine Wasserstelle, die jedoch trocken gefallen war. Bei dem folgenden langsamen Abstieg schweifte mein Blick zu Beginn weit über die Landschaft. Nach einer Weile drang leiser Verkehrslärm an mein Ohr, die Zivilisation war nicht mehr weit entfernt. Auf einer Straße erreichte ich schließlich Ullånger. Es bestand die Möglichkeit zum Einkauf, der Weg führte mich direkt am Supermarkt vorbei. Zum Essen für die nächsten Tage hatte ich noch genug, doch einige Äpfel und eine Tafel Schokolade packte ich ein.

Ich lief längere Zeit durch den Ort. Inzwischen hatte sich auch die Bewölkung wieder aufgelockert und die Sonne kam heraus. Üllånger ist nicht sonderlich attraktiv, ich war froh, wieder in den Wald einzutauchen. Ein schöner Pfad über Stock und Stein brachte mich steil bergan. Einige Bäume lagen quer über dem Weg. Durch den Aufstieg wurde es mir schnell warm, in den Pausen naschte ich von den Blaubeeren am Wegrand.

Bald erreichte ich das heutige Etappenziel, die Äskjastugan auf dem Gårdberget. Ich war begeistert: Die Hütte war schön eingerichtet, ein großer Aufenthaltsraum, eine Küche mit Herd und eine tolle Sonnenterrasse mit Blick auf den Ullångerfjärden. Auch zwei gefüllte Regentonnen standen hier. Ich packte meinen E-Book-Reader aus und setzte mich auf die Terrasse. Zwischendurch kamen zwei Engländerinnen vorbei, Naomi und Helen. Sie fragten mich, ob man Blaubeeren essen könne. Zum ersten Mal auf der Tour konnte ich am Abend meinen Benzinkocher verwenden, das strikte Feuerverbot wurde inzwischen gelockert.

Länge: 18,1 km, Anstieg: 545 m, Abstieg: 385 m

6. Etappe: Von Äskjastugan auf den Fäberget

Nach dem Verlassen der Äskjahütte am Morgen erreichte ich bereits zehn Minuten später das Hüttendorf am Mäjasjön. Eine Hütte ist für die Allgemeinheit geöffnet – die Entscheidung, auf der Berghütte zu übernachten, war eindeutig die bessere Wahl. Die offene Hütte gleicht eher einem Aufenthaltsraum. Es bestand die Möglichkeit, Wasser aufzufüllen, das Angebot nahm ich gerne an.

Nun ging es vier Kilometer auf Schotter und Asphalt entlang – das war dann doch etwas unspannend. Bei Kilometer 64 hatte ich dann die Hälfte des Höga Kustenleden bereits geschafft, ein schöner Pfad begann nun. Doch vorher wollte ich noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt machen, der in der Wegbeschreibung auf hogakusten.com genannt wurde. Zuerst suchte ich den Einstieg, ich fand ihn dank der Wanderkarte, doch dann sollte ich an einer Abzweigung einen zugewachsen Pfad nehmen. Ich kämpfte mich zu Beginn durch die Botanik – ein Weg war ansatzweise zu erkennen – gab dann aber auf.

Wieder auf dem Höga Kustenleden wanderte ich längere Zeit durch Wald. Unterwegs hing bei einer Abzweigung an einem Baum ein Wegweiser zu einer Autowerkstatt – anscheinend lohnt sich das. Es war angenehm ruhig hier, ein Insekt summte vorbei und einige Vögel sangen ihre Lieder. Ein Stück weiter hatte jemand einen Hocker an einem Baum gezimmert, dankbar nahm ich das Angebot an und legte für einige Minuten den Rucksack ab. Die E4 war bereits deutlich zu hören.

Bald erreichte ich die Schnellstraße auch, ich musste ihr ein Stück folgen. Zum Glück war hier eine Baustelle, so dass ich auf der abgesperrten Spur laufen konnte. Nicht lange und ich erreichte den Campingplatz von Skoved, doch mein Ziel lag noch etwa zwei Kilometer auf einer Landzunge. Zunächst wanderte ich auf einem Schotterweg und dann auf einem Pfad, leider wurden die Bäume hier von kurzem abgeholzt. Schließlich erreichte ich wieder den Wald, ein anspruchsvoller Pfad – sowohl von der Steigung als auch vom Untergrund her, brachte mich auf den Fäberget. Hier war bereits ein Niederländer, der seine Mittagsrast an der Schutzhütte verbrachte. Er lief den Wanderweg innerhalb einer Woche in umgekehrter Richtung.

Die Aussicht auf den Ullångerfjärden und den Dockstafjärden war traumhaft, ich genoss es sehr. Im Laufe des Nachmittags kamen immer wieder Besucher vorbei, am Abend hatte ich dann den Berggipfel für mich alleine. Neben den Schreien der Möwen hörte ich aber leider auch den Verkehrslärm der E4. Ich beschloss, in der offenen Hütte zu übernachten, Zelten wäre ebenfalls eine Option gewesen.

Länge: 10,0 km, Anstieg: 265 m, Abstieg: 240 m

7. Etappe: Von Fäberget zum Friluftsbyn am Skuleberget

In der Nacht wurde ich wach, als Regentropfen auf das Dach der Hütte fielen. Ich schaute kurz über die Fjärde und schlief weiter. Am frühen Morgen dann wachte ich erneut auf. Mein Blick fiel direkt auf das Meer und ich konnte diese Farbenpracht erst nicht glauben: Der Himmel leuchtete über lila zu orange, die Farben spiegelten sich im Wasser wieder. Der Sonnenaufgang stand kurz bevor und über dem Meer regnete es leicht. Schnell sprang ich auf, griff meine Kamera und lief die Felsen zum Aussichtspunkt hinab. Es sah schon beinahe mystisch aus. Ein paar Minuten später war das Schauspiel bereits wieder vorbei.

Ich legte mich noch eine Stunde hin und packte dann meine Sachen zusammen. Es fing erneut an zu regnen, in der Hütte wartete ich den Schauer ab. Kurz nach sieben Uhr war es dann soweit und ich konnte mich auf den Weg machen. Diesmal nahm ich einen anderen Pfad als am Vortag, dieser war zwar nicht auf der Karte verzeichnet, allerdings gut markiert. Bald sah ich Docksta und im Hintergrund den imposanten Skuleberget auftragen. Dieser war heute mein Ziel. Der Boden auf dem Pfad war so weich, dass meine Schritte federten.

Auf einem Schotterweg erreichte ich schließlich wieder die E4, im Gegensatz zum Vortag stand diesmal nur eine Querung an. 3,5 Kilometer zeigte mir der Wegweiser bis Docksta an, eine kurze Etappe stand mir bevor. Inzwischen lockerte der Himmel etwas auf und die Sonne zeigte sich zaghaft. Der Weg führte mich aufwärts, bei einem Blick zurück war der Fäberget gut zu erkennen. Auf eine Anhöhe bot sich ein Abstecher zum Ögonblick an. Von der dortigen Schutzhütte Perolsbo blickte ich weit über den Dockstafjärden. Eine schwedische Fahne wehte im Wind und auch ein Thermometer hing dort: 12° zeigte dieses an und ich stand im T-Shirt herum, man gewöhnt sich eben an die Temperaturen.

Wieder auf den Höga Kustenleden lief ich durch herrlichen Wald, Farne wuchsen am Wegrand. An Feldern und Wiesen vorbei erreichte ich schließlich Docksta. Die alte Kirche war leider verschlossen, ich hätte gerne einen Blick hineingeworfen. Im Ort gab es einen Supermarkt, die Gelegenheit nutzte ich, um meine Vorräte aufzufrischen. Einige Minuten später verließ ich dann den Wanderweg, vor mir ragte der Skuleberget mit seiner felsigen Flanke sonnenbeschienen auf. Nach insgesamt 2½ Stunden unterwegs erreichte ich bereits mein heutiges Ziel, das Friluftsbyn unterhalb des Skuleberget.

Länge: 7,9 km, Anstieg: 100 m, Abstieg: 260 m

Wanderung auf den Skuleberget

Nach der frühen Ankunft und dem Aufbau des Zeltes hatte ich nun den restlichen Tag Zeit, ohne Trekking-Rucksack den Skuleberget zu erkunden. „Schwedens schönster Wanderweg” (so eine Tafel am Friluftsbyn), der Höga Kustenstigen, sollte mich auf den Gipfel des Berges bringen. Der Einstieg war direkt am Zeltplatz, eine großes Schild samt Portal wies unmissverständlich darauf hin. Beim Aufstieg im Wald passierte ich auch gleich eine „Waldwiege”, die zum Rasten, Ruhen und dem Schutz dienen soll.

Buchstäblich über Stock und Stein führte mich der mit dem blauen Punkt markierte Pfad. Zwischendurch wurde es fast eben, doch dann machte der Pfad seinen Namen alle Ehre: Über Felsen und Felsstufen gewann ich schnell an Höhe. Immer wieder hielt ich an und genoss die Aussicht über Dockstafjärden und Norrfjärden. Schließlich war der erste Anstieg geschafft, auf einem Plateau am Litoberget ging es im Wald entlang. Laute Vogelrufe ertönte in der Ferne. Bald sah ich die bewirtschaftete Berghütte, ein letzter kleiner Anstieg und ich war auf dem Gipfel. Das Panorama war fantastisch, weit über die beiden Fjärde und zum Südzipfel der Insel Ulvön reichte mein Blick.

Skuleberget

Das höchstgelegene Meeresspiegelniveau der Welt nach der letzten Eiszeit befindet sich nahe des Gipfels des Skuleberget: 286 Meter über dem Meer. Das Inlandeis hinterließ Moränenschutt, der oberhalb dieses Niveaus unbeeinflusst liegt, während es unterhalb der höchsten Küstenlinie von Meereswellen bearbeitet wurde.

Das Niveau entspricht der Landhebung, die nach dem Schmelzen des Eises vor etwa 9600 Jahren geschehen ist. Archäologen fanden 2001 Quartzscherben auf einem Niveau von 165 Metern über dem Meer. Sie wurden als abgeschlagene Reste bei der Werkzeugherstellungen vor etwa 8000 Jahren interpretiert. Die Altersbestimmung wurde aus der Meereshöhe im Verhältnis zur Landhebung errechnet.

Nach einer längeren Pause ging ich den Kalottstigen an, der auf dem Berg entlangführt. Auf einem barrierefreien Steg erreichte ich einen Aussichtspunkt mit Blick auf den Skuleskogan. Hier lernte ich auch, was es mit dem Namen des Weges auf sich hat. Markiert war auch die einstige Küstenlinie nach dem Verschwinden der Gletscher, heute auf 286 Metern Höhe.

Kalottberge

Das Weltnaturerbe Höga Kusten zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass Kalottberge und die höchste Küstenlinie nahe dem heutigen Meer so deutlich sichtbar sind. Definiert wird die höchste Küstenlinie als die höchste vorzeitliche Uferlinie einer Küste. In verschiedenen Teilen Schwedens liegt sie auf unterschiedlichem Niveau: Das Land war unterschiedlich stark mit Eis belastet, damit hob sich die Erdkruste nach dem Abschmelzen des Eises ungleich an.

Eine Kalotte bezeichnet ein nicht von Wellen ausgewaschener Berggipfel mit einer „Erdkappe” oberhalb der höchsten Küstenlinie. In der Höga-Kusten-Region können Berge, die höher als 280 Meter sind, Kalottberge sein. Eine Kalotte erkennt man daran, dass sie mit Fichtenwald bestanden ist. Unterhalb des Waldes befindet sich häufig ein kahler Bergabschnitt, an dem die Erde komplett von den Wellen weggewaschen wurde.

In der Höga-Kusten-Region gibt es zehn Kalottberge, die meisten befinden sich im oder unmittelbar am Nationalpark Skuleskogen.

Und tatsächlich konnte ich von dem Aussichtspunkt den einen oder anderen Kalottberg gut erkennen.

Ein Pfad führte mich weiter, nach dem Trubel bei der Hütte war es nun angenehm ruhig. Eine kleine Schlange kreuzte meinen Weg, sie brachte sich hektisch in einer Spalte in Sicherheit. Habe ich sie beim Sonnenbad gestört?

An einem Unterstand lachte mich eine Bank an, längere Zeit saß ich einfach nur da und ließ die Szenerie auf mich wirken. Das Meer glitzerte in der Sonne, ein Vogel hüpfte auf dem Felsen neben mir. Nach einer Weile riss ich mich los, ein Feuchtgebiet mit Wollgras lag am Wegrand. Es dauerte nun nicht mehr lange und ich gelangte wieder zur Berghütte.

Der Abstieg stand nun bevor. Ich entschied mich für den Grottanstig. Steil ging es bergab, teils fast senkrecht, auf Leitern und Stiegen. Auf einem kleinen Abstecher erreichte ich die Kungsgrottan, die Königsgrotte.

Kungsgrottan

Die Kungsgrottan, auch Rövargrottan (Räuberhöhle) genannt, ist eine Grundgebirgshöhle, die vermutlich durch Frostsprengung in Gesteinsfugen und durch die abtragende Wirkung der Brandung entstanden ist. Als vor 8500 Jahren das Meer an diese Bergwand schäumte, hab es die Höhle in der heutigen Form wahrscheinlich noch nicht. Inzwischen befindet sie sich auf einer Höhe von 185 Meter über dem Meeresspiegel.

Wieder am Fuße des Berges angekommen besuchte ich die interessante Ausstellung im Naturum, erläutert wird die Geschichte der letzten 10000 Jahre, als sich das Land nach der Eiszeit erhob. Danach wanderte ich zurück zum Friluftsbyn, das ich nach 5½ Stunden erreichte.

Länge: 5,6 km, An-/Abstieg: 310 m