Slåttdalsskrevan

Höga Kustenleden IV: Skuleberget nach Köpmanholmens Havsbad

Durch den Nationalpark Skuleskogen

Unterwegs auf dem Höga Kustenleden besuchte ich den Nationalpark Skuleskogen, durch den der Wanderweg einige Kilometer führt. Doch der Nationalpark ist viel zu schön, um einfach durchzulaufen, und so beschloss ich, nur kurze Etappen auf dem Höga Kustenleden zu absolvieren und am Nachmittag die Umgebung näher zu erkunden. Ich wurde nicht enttäuscht, die Natur und die Ausblicke auf das Meer und die Landschaft waren einfach traumhaft.

8. Etappe vom Friluftsbyn nach Kälaviken

Früh am Morgen, bereits um 7:15 Uhr, ging es vom Campingplatz los, Ziel war heute der Nationalpark Skuleskogen. Auf Asphalt und Schotter erreichte ich das Naturum, irgendwo müsste ich eine Abzweigung verpasst haben, hier traf ich wieder auf die Markierung. Die interessante Ausstellung im Naturum hatte ich ja bereits am Vortag besucht.

Weiter ging es auf Schotter, dazu begleitete mich die Geräuschkulisse der nahen E4. Ein Pfad brachte mich schließlich zur Schnellstraße, die ich nun ein letztes Mal überqueren musste. Bald ließ ich den Verkehrslärm hinter mir und Ruhe umfing mich wieder. Ein gluckernder Bach kreuzte meinen Weg und durch das folgende Feuchtgebiet waren Stege gelegt. Allerdings war es durch die anhaltende Trockenheit nicht wirklich nass. Nach einer Weile auf einem herrlichen Pfad erreichte ich einen Rastplatz mit Meeresblick und Gästebuch. Für eine Pause war der Platz genau richtig. Hier traf ich wieder auf eine Eintragung von Sylvana, die ich bereits in Lappudden getroffen hatte, sie war mir nun drei Tage voraus.

Auf Schotter gelangte ich zu einer Abzweigung, es bestand die Möglichkeit, einen Abstecher von zwei Kilometern zum Wasserfall Dalsjöfjallet zu unternehmen, durch die andauernde Trockenheit verzichtete ich allerdings darauf. Nach einem Pfad führte mich der Höga Kustenleden auf einer Schotterstraße durch den Ort Käl. Hier nahm ich die Gelegenheit wahr, meine Wasservorräte wieder aufzufüllen, auch wenn es wie ein Brunnen aussah, befand sich dort doch ganz profan ein Wasserhahn. Weitere zwei Kilometer Schotterpiste standen an, bevor ich auf einem Pfad den Eingang Süd des Nationalparks Skuleskogen erreichte. Von dort war es nicht mehr weit zum Ufer des Kälaviken, in direkter Nähe eines schönen Sandstrands baute ich mein Zelt auf.

Länge: 13,8 km, Anstieg: 240 m, Abstieg: 265 m

Wanderung auf den Slåttdalsberget und zum Skrattabborrtjärnen

Gegen halb eins am Nachmittag stand das Zelt, nun war eine Runde im Nationalpark mit Tagesrucksack geplant. Über Stock und Stein lief ich zunächst aufwärts und traf wieder auf den Höga Kustenleden. Auf Holzstegen folgte ich ihm ein Stück, bevor ich an einer Abzweigung den Slåttdalsberget erklomm. Ein toller Weg auf den bereits bekannten roten Felsen führte mich Meter um Meter höher. Unterwegs genoss ich immer wieder das beeindruckende Panorama auf das Meer, auch der Skuleberget war gut zu erkennen, Besucher picknickten auf den Steinen. Auf dem Gipfel angekommen erwartete mich eine fantastische Aussicht, der Wind hier oben war allerdings auch sehr kräftig. Die grünen Flechten auf den Steinen leuchteten, als die Sonne darauf schien.

Slåttdalsberget

Der Slåttdalsberget besteht aus dem geologisch alten Gestein Nordingrå-Granit, der vor ungefähr 1,6 Milliarden Jahren entstanden ist. Dieser Granit bekommt häufig Sprünge in einem würfelförmigen Muster und zersetzt sich zu Blöcken, die durch Verwitterung und Erosion abgetragen werden können. Auf dem 270 Meter hohen Berg wächst nur wenig, da er nach dem Ende der Eiszeit unter Wasser lag. Bei der folgenden Landhebung wurde die Erde von den Meereswellen weggespült.

N 63° 6.301', E 18° 30.109'

Der folgende Abstieg war steil, teils war Klettern angesagt. Nicht weit entfernt war auch der Beginn der Slåttdalsskrevan, einem beeindruckenden tiefen Felseinschnitt. Ich schaut hinab in die Schlucht, die Durchquerung war am Folgetag angesagt.

Anschließend folgte ich dem Höga Kustenleden ein Stück nach Süden, bevor ich eine Abzweigung nahm. Nach einem kräftigen Anstieg kühlte mich auf der Anhöhe wieder der Wind, mein Blick fiel auf den Lillråtjärnen.

Unterwegs begegnete ich Naomi und Helen, die beiden Engländerinnen, die ich einige Tage zuvor bereits auf der Äskjastugan getroffen habe. Längere Zeit ging es nun durch Wald und auf Felsen entlang. Ein Abstecher brachte mich zum Skrattabborrtjärnen, einem schön gelegenen See. Die etwas oberhalb gelegene Hütte ist allerdings abgebrannt.

Nationalpark Skuleskogen

Der Nationalpark Skuleskogen wurde 1984 eingerichtet und ist heute einer von 30 Nationalparks in Schweden. Seine 23,6 km² große Fläche wird geprägt von felsigen Bergkuppen, stillen Bergseen, Fichten- und Kiefernwälder. Rehe, Elche, Luchse, Bären, Dachse und Füchse können im Park beobachtet werden. Eine Besonderheit ist das Vorkommen der seltenen Langbartflechte, die langsam wächst und in Gemeinschaft mit der Fichte vorkommt.

Nun wanderte ich langsam im Wald abwärts. Durch die Trockenheit hatte das Moos eine gelbliche Farbe angenommen. Schließlich wurde es heller, der Wald lichtete sich. Ich gelangte wieder auf den Höga Kustenleden. Massen von Blaubeeren wuchsen am Wegrand, diese Pracht ist mir am Vormittag doch glatt entgangen. Sie lieferten einen willkommenen Zwischenimbiss, meine Fingerkuppen nahmen eine rötliche Farbe an. Bald erreichte ich wieder den Parkplatz am Eingang zum Nationalpark und den Kälaviken.

Am Abend beobachtete ich dann die Möwen, wie sie auf Fischfang gehen: Sie sitzen auf dem Wasser, fliegen kurz auf und stoßen dann in dasselbige hinein. Mit etwas Glück haben sie dann einen Fisch im Schnabel. Die Bewölkung lockerte auf und die dünne Mondsichel kam zum Vorschein.

Länge: 11,4 km, An-/Abstieg: 390 m

9. Etappe vom Kälaviken nach Tärnättholmarna

Strahlender Sonnenschein begrüßte mich am Morgen, dazu ein kräftiger Wind. Nach dem Frühstück am Strand und dem Abbauen des Zeltes lief ich gegen acht Uhr los. Beim Anstieg knarrten die Bäume im Wind. Ich passierte ein Steinfeld, die abgerundeten Steine lagen einst an der Küste und wurden von den Wellen geformt. Der Weg führte an einem Feuchtgebiet entlang, sicherlich einst eine schöne Meeresbucht. Ich stellte mir die Landschaft bildlich vor und wie sich das Land hob.

Langsam wanderte ich hinauf, die verwitterten Felsen der Bergkuppen leuchteten rötlich in der Morgensonne. Bald ragte die Felswand des Slåttdalsberget steil vor mir auf. Das Gelände wurde anspruchsvoller. Durch ein Felsentor und über Felsblöcke gelangte ich zum oberen Einstieg in die Slåttdalsskrevan.

Doch bevor ich in die imposante Spalte hinab stieg, machte ich einen Abstecher zum nahe gelegenen Aussichtspunkt. Von dort blickte ich hinab auf die Tärnättvattnen und weiter auf die Ostsee. Ich genoss die Aussicht, bevor es zurück und in Schlucht hinab ging. 40 Meter hohe senkrechte Felswände ragten empor, die Spalte selbst ist nur einige Meter breit. Meine Stimme hallte zwischen den Wänden.

Slåttdalsskrevan

Die Slåttdalsskrevan gibt es schon seit vielen Millionen Jahren, sie entstand lange vor der letzten Eiszeit. Die Spalte begann mit einem Riss im Fels. Wind, Wasser, Sonne und Frost trugen dazu bei, das Gestein zu erodieren und die Spalte zu bilden. Ursprünglich bestand sie aus einem riesigen Stück Diabas, das abgetragen worden war. Übrig geblieben sind die Wände aus Nordingrå-Granit.

N 63° 6.492', E 18° 30.072'

Nach der Durchquerung und dem folgenden Abstieg erreichte ich den oberen See der Tärnättvattnen. An der dortigen Hütte stand eine Rast an, inzwischen war ich für vier Kilometer bereits zwei Stunden unterwegs. Ein herrliches Plätzchen, allerdings gab es auch Schaumkronen am Ufer, das Wasser war zur Entnahme also nicht geeignet. Den Grund dafür sah ich dann auch bei einer Bucht, der See war wohl ein beliebter Badeplatz.

Auf dem Weg zum unteren See könnte ich wieder Blaubeeren naschen. Am See angekommen füllte ich meine Wasservorräte auf, zum ersten Mal setzte ich dabei auch den Wasserfilter ein. Anschließend ging es über Stock und Stein den Berg hinab. Am Skravelbäcken erwartete mich ein kleiner Wasserfall. Mit einem letzten steilen Abstieg gelangte ich wieder an das Meer. Hier verließ ich den Höga Kustenleden und folgte dem Pfad an der Küste entlang nach Tärnättholmarna. Einst waren es zwei Inseln, doch durch die Landhebung sind diese vor nicht allzu langer Zeit zusammengewachsen. Nach vier Stunden erreichte ich die heutige Halbinsel und stellte mein Zelt an einer windgeschützten Stelle an einer Bucht, nicht weit von der mittleren Hütte, auf.

Länge: 7,0 km, An-/Abstieg: 260 m

Wanderung zur Tärnättgrottan und nach Näskebodarna

Der Tag war noch jung und so begann ich zur Mittagszeit eine kleine Wanderung. Ich lief über die Landbrücke zurück und den mit einem blauen Punkt markierten Weg hinauf. Sogleich begrüßten mich mächtige verwitterte Steinblöcke. Der folgende Pfad war zunächst moderat ansteigend, dann ging es über Felsen und eine Felsspalte steil über Geröll hinauf. Ich war froh, dass ich von den Tärnättvattnen nicht den direkten Weg mit dem Trekking-Rucksack genommen hatte. Auf der Höhe gab es einen Abstecher zur Tärnättgrottan, das letzte Stück müsste ich über große Felsblöcke hinabklettern, doch es lohnte sich.

Wieder zurück auf dem Weg erreichte ich einen herrlichen Aussichtspunkt auf den Näskefjärden und die vorgelagerten Schären. Die Landschaft machte Lust darauf, die Inselchen mit dem Kajak zu erkunden – vielleicht ein andermal. Wieder unterwegs sah ich den oberen See der Tärnättvattnen. Von einem Aussichtspunkt blickte ich über das Wasser, im Gegensatz zum Vormittag war hier nun einiges los. Kinder badeten und Familien picknickten.

Beim folgenden Abstieg durch lichten Wald gelangte ich wieder zu einem Steinfeld, Zeuge einer einstigen Küstenlinie. Bald erreichte ich Näskebodarna, eine Ansammlung von größtenteils privaten Hütten, doch auch eine Hütte des Nationalparks für die Allgemeinheit befindet sich in der Nähe. Das Meer war aufgewühlt durch den Wind, die Wellen prasselte auf den feinen Sandstrand.

Auf den Weg zu den Tärnättholmarna kamen mir immer wieder Leute entgegen, es war Wochenende und die Strecke anscheinend beliebt. Durch den Wald mit vielen umgestürzten Bäumen erreichte ich schließlich wieder die Halbinsel. Ein anschließendes Bad im Meer war doch recht erfrischend – aber auch Körperwäsche musste mal sein. Am Abend schaute ich dann den Wasservögeln zu und ließ den Tag so ausklingen.

Länge: 6,1 km, An-/Abstieg: 215 m

10. Etappe von den Tärnättholmarna zum Köpmanholmens Havsbad

Erneut erwartete mich die Sonne am Morgen. Die Wasservögel waren gut zu hören und es war windstill und warm. Gegen acht Uhr war alles verstaut und ich machte mich auf den Weg. Nachdem ich am Vortag den Pfad direkt an der Küste genommen hatte, stand heute auf dem Rückweg der Parallelweg weiter oberhalb im Wald entlang an. Als die beiden Wege sich am Ufer wieder trafen, begrüßte mich das Rauschen der Wellen und die Sonne spiegelte sich tausendfach im Meer wieder.

Ich passierte den wunderschön gelegene Salsviken mit einem feinen Sandstrand. Wanderer hatten hier in einem Zelt übernachtet. Etwas oberhalb befindet sich ein See, der erst vor kürzerer Zeit vom Meer abgeschnitten wurde. An zwei Biberdämmen vorbei gelangte ich zum Nordeingang des Nationalparks. Das Portal war schön gestaltet und auf Informationstafeln konnte man sich gut auf den Park einstimmen (sofern man dort beginnt).

Eine Schotterstraße führte mich nach Näske, unterwegs fand ich einige Geocaches, so war die Strecke nicht ganz so eintönig. Im Hafen machte ich dann die erste große Pause, der Wind hatte inzwischen wieder aufgefrischt und wehte um meine Nase.

Der Höga Kustenleden führte mich nun längere Zeit an der Straße nach Köpmanholmen entlang. Im Ort nahm ich die Gelegenheit wahr, meine Vorräte in einem Supermarkt aufzufrischen. Ich verließ den Wanderweg und erreichte auf einem Zubringer den Hafen, in der dortigen Jugendherberge wollte ich eigentlich zwei Nächte unterkommen und mir einen Pausentag auf der Insel Ulvön gönnen. Doch leider war an diesem Wochenende alles belegt. So machte ich mich wieder auf den Weg, an einem Kiosk konnte ich noch Wasser auffüllen.

Nach einem Stück durch den Ort und erneuter Schotterpiste erreichte ich bei der Marke 100 Kilometer des Höga Kustenleden das Havsbad von Köpmanholmen. Zwei Unterstände reizten mich hier, einer in luftiger Höhe. Leider kam ich mit dem Rucksack nicht durch die senkrechten Holzstreben. Beide waren zur Windseite hin geöffnet und am Abend sollte es regnen. So baute ich mein Zelt auf und lauschte am Abend beim Einschlafen dem Trommeln des Regens auf die Zeltplane. Dazu rauschten laut die Wellen an den nahen Strand.

Länge: 14,2 km, Anstieg: 200 m, Abstieg: 180 m