Baumgeist in der Steckeschlääferklamm

Baumgeister-Tour

Steckeschlääferklamm, Villa Rustica und Burg Rheinstein

Eine Wanderung, auf der man Baumgeistern begegnet – das klingt doch schon mal sehr spannend. Die Baumgeister-Tour am oberen Mittelrhein bot mir genau das an, also nicht's wie hin.

Ich begann die Tour jedoch nicht am Forsthaus Jägerhaus, dem „offiziellen“ Startpunkt, sondern am Bahnhof in Trechtingshausen, die Runde verlängerte sich dadurch um etwa zwei Kilometer. Dort folgte ich dem Zuweg zum RheinBurgenWeg entlang der Durchgangsstraße und in das Morgenbachtal hinein. Nach einem kleinen Aufstieg gelangte ich zum Einstieg der Prädikats-Rundtour, der Wegweiser zeigte mir mit dem weißen stilisierten R auf rotem Grund den Weg Richtung „Villa Rustica“ an. Zu Beginn wanderte ich am rauschenden Morgenbach entlang.

Durch das Morgenbachtal

Der Weg führte langsam hinauf, der Bach blieb im Tal zurück. Bald darauf kam ich aus dem Wald heraus und wanderte durch Wiesen zum Gerhardshof. Pferde auf den Koppeln schauten mich neugierig an. Im Folgenden ging es wieder in den Wald, kein Mensch begegnete mir bisher an diesem Samstag, ich war mit meinen Gedanken alleine und hörte dem Gezwitscher der Vögel und dem Summen der Bienen zu.

Im weiteren Verlauf lief mir ein Fuchs über den Weg, der jedoch keine Notiz von mir nahm. Es ging nun ohne Steigungen durch den Wald, bis mich das Wegzeichen wieder hinab führte. Unterwegs traf ich wieder auf den Morgenbach und gelangte zum Forsthaus Jägerhaus, bei dem ich erstmals auf andere Menschen traf.

Der Pfad führte mich nun hinunter in die Steckeschlääferklamm. Bereits an der Brücke über den Bach entdeckte ich die ersten Baumgeister: Geschnitzte Gesichter, die an und in den Bäumen verborgen sind.

Steckeschlääferklamm

Der Name der Klamm kommt von den Wanderern, die ihre „Stecke“ (Stöcke) über den Boden „schlääfe“ (schleifen). Sie wurde 1971 ausgebaut und begehbar gemacht. Dabei schmückte man die Steckeschlääferklamm mit 46 Schnitzereien aus. Da diese im Laufe der Zeit eingewachsen waren, wurden vor wenigen Jahren neue Masken erstellt und an den Bäumen angebracht.

N 49° 58.873', E 7° 49.655'

Nach der Durchquerung des etwa 400 Meter langen Einschnitts folgte ich weiter der Rundtour. Bald darauf führte der Weg aus dem Wald heraus und nach dem Überqueren der Straße erblickte ich im Süden den Donnersberg, den höchsten Berg der Pfalz. Kurz darauf luden mich zwei Liegebänke zur Rast ein.

Die nächste Sehenswürdigkeit ließ nicht lange auf sich warten: Die Villa Rustica, ein ehemaliger römischer Gutshof.

Villa Rustica

In den Jahrhunderten nach dem Weggang der Römer im 5. Jahrhundert wurde der Gutshof (Villa Rustica) als Steinbruch benutzt. Seit etwa 200 Jahren grub man immer wieder an der Ruine: Im 18. Jahrhundert vermutete man an dieser Stelle fälschlicherweise ein römisches Kastell. Im Jahr 1910 wurde die erste Planskizze des Anlage angefertigt. Als 1912 die Drahtseilbahn zum Bergwerk Amalienhöhe in Betrieb genommen wurde, wurden wahrscheinlich Gebäudeteile eingeebnet oder sogar zerstört. Große Mengen an Steinen wurden beim Bau einer Straße verwendet, ein Bürger erreichte aber einen Stopp der Abbrucharbeiten. In der Folgezeit gab es mehrere Grabungen, seit 1999 wird die Villa rustica systematisch ausgegraben.

N 49° 58.135', E 7° 50.29'

Nach der Besichtigung der Anlage führte mich das Wegzeichen der Baumgeister-Tour zu einer Hängebrücke, die über den Einschnitt des Kreuzbachs führt. Im weiteren Verlauf passierte ich das Forsthaus Heiligkreuz und nach etwa einem Kilometer führte mich ein Abstecher zum Aussichtspunkt auf dem Damianskopf. Mein Blick schweifte über das Mittelrheintal von Bingen bis Assmannshausen.

Ich wanderte nun am Hang entlang, der Verkehrslärm aus dem Tal drang nach oben. Am Schweizerhaus begann der Eselspfad, ein kleiner gewundener Weg, der am Hang entlangläuft. So gelangte ich zu einem weiteren gemauerten Aussichtspunkt, von dem man einen wunderschönen Blick auf die nahegelegene Burg Rheinstein hat.

Wenige Minuten später war auch die Burg erreicht, ein Abstecher führte mich zum Eingang. Der Besuch der Anlage ist kostenpflichtig, aber lohnenswert.

Burg Rheinstein

Die Burg wurde im frühen 14. Jahrhundert als Fautsburg (auch Vaitzburg) errichtet. Sie diente zunächst der Überwachung des Wiederaufbauverbots der Burg Reichenstein, die von Raubrittern bewohnt war und zwischenzeitlich zerstört wurde. Der Verfall der Anlage begann Ende des 16. Jahrhunderts, als der letzte Eigentümer die wirtschaftlichen Mittel zum Erhalt nicht mehr aufbringen konnte. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs Ende des 17. Jahrhunderts verzichteten die Franzosen auf eine Sprengung, da die Burg wohl schon sehr baufällig war.

Nach dem Wiener Kongress fiel 1816 dem preußischen Baumeister Schinkel die Anlage ins Auge, der Pläne für einen Wiederaufbau entwarf. 1827 war es schließlich soweit, mit dem Abschluss der Arbeiten zwei Jahre später bekam die Burg auch ihren heutigen Namen Rheinstein. 1975 erwarb der Opernsänger Hermann Hecher die Anlage und setzte sie mit Unterstützung eines Fördervereins und des Landes Rheinland-Pfalz im Laufe der Jahre wieder instand.

N 49° 59.612', E 7° 51.503'

Der markierte Weg führt oberhalb der Festung ein letztes Mal bergan. Nach einer Weile erreichte ich dann den letzten Ausblick, der Blick geht hinab zur Burg Reichenstein oberhalb von Trechtingshausen. Nun ging es hinunter ins Morgenbachtal und zurück in den Ort zum Bahnhof.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 15,5 km, An-/Abstieg: 440 m

Fazit

Insgesamt war ich auf der etwa 18 km langen Strecke mit vielen Pausen und Fotostops ca. acht Stunden unterwegs. Ich genoss dabei vor allem den Weg durch die Klamm und die Aussichtspunkte oberhalb des Mittelrheintals und kann diese Wanderung wärmstens empfehlen.