Burgruine Stahlberg

Stahlberg-Schleife

Stahl-Burgen und Schieferhöhlen

Bacharach, der Ausgangspunkt dieser Wanderung, liegt mitten im Welterbe Oberes Mittelrheintal. Schon länger wollte ich hier wandern gehen, nun hat es schließlich geklappt. Mit dem Zug ging es bequem durch das Rheintal zum Ausgangspunkt. Die Wanderung, die ich absolvieren wollte, ist die Stahlberg-Schleife – ein Premiumwanderweg, der Ende Mai 2015 eröffnet wurde – und eine Rundtour zum RheinBurgenWeg.

Am Bahnhof in Bacharach richtete mich nach nach dem Wegweiser zur historischen Altstadt. Dort ging es vor der St. Peters-Kirche die Stufen hinauf. Kurz darauf traf ich auf die Markierung der Stahlberg-Schleife, ein stilisiertes weißes R auf rotem Grund. Nur wenige Minuten später gelangte ich zur Ruine der Wernerkapelle.

Wernerkapelle

Die Chronik berichtet von einem Bürger aus Oberwesel, dem 16-jährigen Werner. Angeblich soll er 1287 eine Hostie entwendet haben. Um ihn an dem Schlucken derselben zu hindern, wurde er an den Füßen aufgehängt und anschließend in den Rhein geworfen. Bei Bacharach wurde sein Leichnam angeschwemmt und in der Kunibertskapelle begraben. Dorthin entwickelte sich in der Folgezeit eine Wallfahrt. Mit den Beiträgen der Wallfahrer errichtet man an Stelle der bisherigen Kapelle die Wernerkapelle.

Angeblich soll er von Juden ermordet worden sein, daraufhin erschütterte eine Progromwelle die Umgebung. Nach neueren Forschungen fiel Werner wahrscheinlich einem Sexualverbrechen zum Opfer. Dies sollte durch die falschen Anschuldigungen vertuscht werden. Erst im Jahre 1963 wurde der Namen Werners aus dem Heiligenverzeichnis gestrichen. Eine Gedenktafel mit dem Gebet Papst Johannes XXIII. wurde eingefügt.

N 50° 3.575', E 7° 46.031'

Nach einem weiteren Anstieg erreichte ich die Burg Stahleck, von deren Aussichtsterrasse mein Blick über das Obere Mittelrheintal schweifte.

Burg Stahleck

Burg Stahleck wurde vermutlich am Ende des 11. oder zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) wurde die Burg von unterschiedlichen Parteien achtmal belagert und erobert. Sie wurde 1689 durch Sprengungen stark beschädigt und in der Folgezeit Eigentum von Frankreich, das die Burg Stahleck 1815 an das Königreich Preußen abtreten musste. Im Jahre 1909 erwarb der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz das Areal und ließ die Burg 1925 als Jugendherberge wieder aufbauen.

N 50° 3.504', E 7° 45.958'

Nach dem Überqueren der Straße ging es den Pfad hinauf und auf einen Grasweg. Nach einer Weile gelangte ich hinab nach Steeg. Am Parkplatz befinden sich die Außenmauern eines Wartturms aus dem 14. Jahrhundert. Dieser war Bestandteil der ehemaligen Ortsbefestigung.

Doch das Wegzeichen der Stahlberg-Schleife leitete mich nun wieder aufwärts. Nach einer Weile bot sich an einen Aussichtspunkt der Blick hinüber zur Burgruine Stahlberg auf der anderen Seite des Tals. Im weiteren Verlauf passierte ich zwei Fledermaushöhlen und eine große Schieferhöhle.

Schieferhöhle

Der bei Bacharach befindliche Schiefer ist Bestandteil des Kauber Zugs, einem Schieferzug innerhalb des Rheinischen Schiefergebirges, das innerhalb des Devon (vor 420 bis 360 Mio. Jahren) entstand. Dieser zieht sich vom Idarwald über Bacharach bis nach Usingen. Bei Kaub, etwas nördlich von Bacharach, befinden sich die größen Ausdehnungen der Lagerstätten. Die erste Erwähnung einer Schiefergrube bei Bacharach datiert auf das 14. Jahrhundert. Auch heutzutage wird noch Schiefer in der Gegend abgebaut, der z.B. für Kamine oder Wände verwendet wird.

N 50° 3.529', E 7° 43.516'

Nach einem langgezogenen Anstieg erreichte ich die Burgruine Stahlberg.

Burg Stahlberg

Die Burg Stahlberg wurde wahrscheinlich Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet und im 14. Jahrhundert erweitert. Es wird vermutet, dass die Burg von den Erzbischöfen von Köln in Auftrag gegeben wurde, um ihren hier befindlichen Grundbesitz zu sichern. Auch die Burg Stahlberg wurde im Dreißigjährigen Krieg beschädigt und 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört.

N 50° 3.433', E 7° 44.315'

Nach Besichtigung der Anlage ging es weiter auf der Markierung der Stahlberg-Schleife. Nach einem Anstieg begleitete mich die Aussicht auf die Ruine Stahlburg ein Stück. Auf einer Anhöhe genoss ich den Rundumblick über die Umgebung und hinab in das Mittelrheintal. Der Weg führte mich nun durch Felder und Wiesen, unterwegs boten sich immer wieder Rastplätze zur Pause an. Der nächste Höhepunkt war der Heinrich-Heine-Blick oberhalb des Rheinhangs, von dem der Blick über Bacharach und das Rheintal schweifte.

Heinrich-Heine-Blick

Der Aussichtspunkt wurde am 9. November 2011 eingeweiht. Das Datum wurde bewusst ausgewählt: Die Nationalsozialisten errichteten 1933 ein 10 Meter hohes Hakenkreuz an dieser Stelle. Der Schriftsteller Heinrich Heine war selbst jüdischer Herkunft. Es ist gut vorstellbar, dass er hier seinen Roman „Der Rabbi von Bacharach“ schrieb.

N 50° 3.737', E 7° 45.959'

Ich wanderte nun durch ehemalige Weinberge abwärts und an der ehemaligen Stadtmauer entlang hinab zum Postenturm und weiter zum Steeger Tor.

Nach dem Überqueren der Straße und des Parkplatzes durchquerte ich die Stadtmauer. Dort verließ ich das Wegzeichen der Stahlberg-Schleife und lief geradeaus am Bach entlang zur Ortsmitte. Ein Bummel durch die mittelalterliche Altstadt beendet diese schöne Wanderung nach knapp 14 Kilometern, für die ich insgesamt knapp sechs Stunden benötigte.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 12,9 km, An-/Abstieg: 400 m