Blick von der Bergstation auf Vianden und das Schloss

Nat'Our Route 5

Ourtal und Schloss Vianden

Im Juni standen mir einige freie Tage zur Verfügung, als Ziel wählte ich Luxemburg aus. Nach drei Tagen auf dem Escapardenne Lee Trail und der Wanderung zu den Noumerleeën hatte ich noch einen weiteren Tag zur Verfügung und entschloss mich für die Nat'Our-Route 5, die in Vianden im Herzen des Deutsch-Luxemburgischen Naturparks beginnt. Da mein Zelt auf dem Campingplatz in Ettelbruck stand, fuhr ich mit dem Bus nach Vianden. 

Start der Wanderung war am Parkplatz an der Straße Ale Maart in Vianden, die gleichnamige Bushaltestelle war in direkter Nähe. Eine Infotafel mit Karte zur Tour stimmte mich auf den kommenden Weg ein. Doch, oh Schreck, der Weg unterhalb der Burg Falkenstein war gesperrt. „Bleib mal locker“, dachte ich mir, falls es wirklich so ist, gibt es bestimmt eine Alternative. Also nichts wie los, das Wegzeichen leitete mich zunächst am Friedhof vorbei. Auf der Staumauer überquerte ich die Our. Von hier hatte ich einen schönen Blick auf das imposante Schloss oberhalb der Stadt.

Zwischen Stausee und Straße führte mich die Markierung der Nat'Our-Route entlang, auf der Straße waren Oldtimer-Cabrios auf einer Ausfahrt unterwegs. Auf der gegenüberliegenden Seite des Stausees konnte ich die Bildchen-Kapelle erblicken, ein Ziel für den späteren Rückweg. Bald sah ich am westlichen Ufer ein Pumpspeicherkraftwerk, eines der größten seiner Art in Europa.

Auf dem Grenzsteig

Nun wanderte ich fort von der Straße und der schönste Streckenabschnitt der Wanderung folgte. Auf einer pittoresken Holzbrücke querte ich einen Bach, steil ging es durch niedrigen Eichenwald auf dem Grenzsteig aufwärts. In den Schieferfelsen waren teils Stufen eingehauen, das erleichtete den Anstieg.

Eine Hornisse kreuzte meinen Weg, ich schaute neugierig hinterher. Auf einem Grat wanderte ich auf der deutsch-luxemburgischen Grenze, ich genoss den Wegabschnitt doch sehr. Immer weiter schraubte sich der Pfad bergan. Der Ort Bivels im Tal kam in Sicht. Auf einer Anhöhe endete leider schon wieder das traumhafte Wegstück, ein ebener Forstweg leitete mich unterhalb von Bauler entlang. Ruhe umgab mich, die Geräusche aus dem Our-Tal drangen nur gedämpft herauf, dafür summten die Bienen und die Vögel zwitscherten, Schmetterlinge flatterten umher. Meine Kamera klickte häufig, als ich die Szenerie einfing.

An einer Kreuzung blickte ich über die sanfte Hügellandschaft der Umgebung, ein Grasweg führte mich an einer Wiese vorbei, Margariten und Mohnblumen blühten. Eine Kuhherde folgte mir an der Weide entlang und beobachtete mich – ich blickte zurück. Eine kurze Pause an einer Bank stand an, inklusive Aussicht in das Tal. Ich war nun doch schon ziemlich weit oben. 

Das Wegzeichen leitete mich im Wald am Hang entlang, die Pflanzenwelt drängte in den Pfad. Unterwegs ließ ich mir auch die ersten Walderdbeeren in diesem Jahr schmecken – schön süß. Ich verließ den Wald, zwei Rehe sprangen in ein Feld, als sie mich wahrnahmen, nur die Ohren waren im Kornfeld noch zu sehen. Bald erhaschte ich einen Blick auf die Burg Falkenstein, das nächste Ziel der Tour. Rote Fingerhüte neigten sich auf den Pfad. Es war nun nicht mehr weit zur Burg. Leider war die Anlage, die sich in Privatbesitz befindet, nicht zugänglich – schade.

Burg Falkenstein

Es wird vermutet, dass die Burg Falkenstein auf den Überresten eines römischen Kastells errichtet wurde. Nachweisbar ist jedoch, dass sich hier eine Gründung des Templerordens aus dem Jahre 1118 befand. Die Burg wurde im 12. Jahrhundert Sitz der Falkensteiner, die aus der Familie der Grafen von Vianden stammten. Im 14. Jahrhundert hatte die Grafschaft Falkenstein ihre größte Ausdehnung, sie reichte bis an die Mosel heran. Truppen von König Ludwig XIV zerstörten im Holländischen Krieg 1679 die Burg. Heute ist das Areal in Privatbesitz, Teile der Anlage sind nur noch Ruinen, andere wurden restauriert, wie das Wohnhaus, der Wehrturm und die Kapelle.

Also machte ich mich an den Abstieg, zunächst auf einem angenehm zu laufenden Grasweg mit gelegentlicher Schiefereinlage. Auf dem folgenden Wegstück floss während der Unwetter der vorangegangenen Wochen wohl ein Bach, denn der Schiefer war nun freigelegt, teils gab es tiefe Rinnen. Ah, das war der gesperrte Wegabschnitt. Nun, vor Ort war keine Absperrung, also lief ich weiter. Ein umgestürzter Baum samt Wurzel lag auf dem Weg. Nun hatte ich auch noch ein kleines Abenteuer, prima. Zwischendurch fehlte ein Stück des Weges, der Bach hatte ihn weggespült.

Ich gelangte trotz der kleinen Hindernisse hinab in das Tal, der Wanderweg leitete mich ein Stück am Stausee entlang und auf dem Bivelser Steg über die Our. Nun war ich wieder in Luxemburg, ein Schild wies mich auf die Grenzüberquerung hin. Auf der Ourpromenade wanderte ich durch Bivels, Tafeln am Wegrand informierten mich über die Region: Für den Bau des Stausees Anfang der 1960er Jahre mussten fast ein Dutzend Häuser, die Kirche und ein Friedhof weichen, die Bewohner wurden bergauf umgesiedelt. 

Das Wegzeichen führte mich zwischen Stausee, Straße und Felsenhang entlang – ein langweiliger Abschnitt, wie ich fand. Nach dem Passieren des Campingplatzes tauchte der Weg wieder in den Wald ein. Die Motorräder auf der Straße jaulten und das nahe Pumpspeicherkraftwerk brummte vor sich hin. Eine Blindschleiche kroch über den Weg. Der herrliche Trail brachte mich in Kehren bergan und vorbei an moosbehangenen Baumstämmen zur Kapelle Bildchen, die erneut eine schöne Rastmöglichkeit bot.

Bildchen-Kapelle

Seit 1848 feiern die Viandener jeden Sommer die Bildchenwoche mit Rochusprozession. Das Gnadenbild der Kapelle (auch Veianer Bildchen genannt) wird durch den geschmückten Ort in die Trinitarierkirche überführt, in der es eine Woche bleibt. Um das Marienbild ranken sich einige Legenden. Die Glaubwürdigste berichtet, dass die geschnitzte Figur ein Mitbringsel von einem Kreuzzug wäre und dass Yolanda, die 1231 als Tochter des Grafen von Vianden geboren wurde, das kleine Marienbild an einem geheimen Ort zur Verehrung aufgestellt hatte. Seit dem 17. Jahrhundert konnte man das Bildchen, das in einer Felsnische stand, über einen schmalen Pfad erreichen, bis im Jahre 1848 der Grundstein der Kapelle gelegt wurde.

Weiter ging es den Berg hinauf, auf einer Anhöhe erwartete mich eine Rasthütte. Mein Blick schweifte über das Ourtal bis zur Burg Falkenstein. Der folgende Abschnitt leitete mich ohne nennenswerte Steigungen am Berg entlang bis zu einer Einkehrmöglichkeit. Doch auch ein Sessellift führte hier herauf, so war es vorbei mit der Ruhe: Es war Sonntag Nachmittag und das Wetter war schön. Ich machte einen kurzen Abstecher zum Aussichtspunkt mit Blick auf das Schloss Vianden, jemand holte seine Fotodrohne heraus, sie summte wie ein ganzer Bienenschwarm.

Lange hielt ich es bei dem Trubel nicht aus, ein Abstecher brachte mich zum Schloss Vianden. Der Zugang zur Anlage kostete Eintritt, war aber lohnenswert. Im Museum innerhalb des Schlosses konnte ich einiges über die Geschichte der Burg und der Region erfahren.

Schloss Vianden

Das Schloss Vianden zählt zu den größten und schönsten feudalen Residenzen der romanischen und gotischen Zeit in Europa. Es wurde auf den Fundamenten eines römischen Kastells und eines karolingischen Refugiums errichtet. Seine Blüte erlebte die Anlage im 15. Jahrhundert, als dort die Grafen von Vianden als Herren zwischen Rhein, Maas und Mosel herrschten. Vor rund 200 Jahren wurde es versteigert. Der damalige Bürgermeister Winzeslas Coster erhielt den Zuschlag. Nun wurde alles verscherbelt, was nicht niet- und nagelfest war: Vertäfelungen, Bleiverglasungen, Kupferdächer. Das Schloss wurde zur Ruine. Als die Burg 1977 in Staatsbesitz überging wurde sie aufwändig restauriert und erstrahlt heute wieder in vollem Glanz.

Nach der Besichtigung brachte mich das Wegzeichen in wenigen Minuten hinab zum Ausgangspunkt, bei dem ich die Wanderung knapp sieben Stunden vorher begonnen hatte.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 12,1 km, An-/Abstieg: 440 m

Fazit

Die Nat'Our-Route 5 faszinierte mich vor allem durch die vielen Aussichtspunkte, von denen man in das Our-Tal hinabschauen konnte. Beeindruckt war ich auch von den wunderschönen Trails, wie dem Grenzsteig auf dem Lätgesberg und den Weg zwischen Bildchen-Kapelle und Schloss Vianden. Auf vielen Tafeln entlang des Weges konnte ich viel Wissenswertes über die Sehenswürdigkeiten und die Region erfahren. Leider gab es auch einige – in meinen Augen – eher langweiligen Wegabschnitte am Stausee, die direkt an der Straße entlang führten. Trotzdem hatte diese Wanderung ihren Charme.