Aussicht auf das Enztal mit Niefern und Eutingen

Schwarzwald-Nordrandweg 1. Etappe: Von Mühlacker nach Pforzheim

Löffelstelz, Eppinger Linien und Wartturm

Herrlich blauer Himmel empfing mich zu Beginn meiner Wanderung auf dem Schwarzwald-Nordrandweg in Mühlacker. Am Bahnhof begann die Dreitageswanderung, laut Hinweisschild beginnt der Wanderweg erst am Kelterplatz. Doch bereits auf dem Weg dorthin sah ich das Wegzeichen, ein geschwungenes kleines n in weißer Raute auf gelbem Grund. Die Markierung leitete mich durch den Ort, ein Stück in der Fußgängerzone entlang. Nach dem Kelterplatz, an dem sich auch das Rathaus der Stadt MÜhlacker befindet, überquerte ich die Bundesstraße 10 und lief bald auf dem schönen Löffelstelzweg oberhalb des Ortes entlang. Die Eppinger Linien verliefen einst hier: ein Verteidigungswall am Ende des 18. Jahrhunderts, wie mir eine Infotafel berichtete. Ich sah hier keine Spuren des Walls, doch das sollte sich im Verlauf des Tages noch ändern.

Auf einem Teerweg wanderte ich auf der Höhe entlang, von einem Aussichtspunkt blickte ich hinab auf die Enz. Es dauerte nicht mehr lange und ich erreichte die Ruine Löffelstelz – der Eingang war jedoch geschlossen, doch auch von außerhalb konnte ich einen Blick in die Anlage werfen. Mein Blick schweifte hinab auf den Mühlacker Ortsteil Dürrmenz auf der anderen Enzseite.

Burg Löffelstelz

Die Burg Löffelstelz (auch Vöstin Dürrmenz genannt) wurde vermutlich um das Jahr 1180 errichtet und 1220 erweitert. 1482 verkauften die Herren von Dürrmenz die Anlage an das Kloster Maulbronn. Zwischen 1902 und 1911 restaurierte der Verschönerungsverein Mühlacker die Reste der Burganlage. Zwischen 2004 und 2007 wurden Erhaltungsarbeiten und Ausgrabungen durchgeführt, dabei fand man bisher unbekannte Keller.

N 48° 56.494', E 8° 50.704'

Der Nordrandweg führte mich nun hinab und über die Enz. Von der Brücke konnte ich einen Blick auf die Ruine Löffelstelz werfen, die oberhalb einer steilen Muschelkalkwand thront. Ich lief nun an der Straße und des Flusses entlang und konnte dabei die schönen Fachwerkhäuser bewundern.

Schließlich verließ ich die Stadt, das Wegzeichen leitete mich an Feldern und Wiesen vorbei. Die Sonne brannte bereits herab. Ein Apfel- und ein Kirschbaum blühten am Wegrand. Bevor der Wanderweg in den Wald eintauchte konnte ich bei einem Blick zurück die Aussicht auf Mühlacker genießen. Doch nun war es vorbei mit der Gemütlichkeit, ich wanderte einen Forstweg stramm aufwärts. Der Verkehrslärm ließ nach und ich lauschte dem munteren Vogelgezwitscher. Mächtige Baumstämme lagen abholbereit am Wegrand.

Bald traf ich auch wieder auf die Eppinger Linien, eine Infotafel wies mich auf den nahen Landgraben hin. Der folgende Wegabschnitt kannte ich bereits vom Eppinger-Linien-Weg, den ich zwei Jahre zuvor gelaufen bin. Am Wald entlang laufend blickte ich auf die sanfte Hügellandschaft bei Öschelbronn. Die Felder waren bepflanzt und in der Ferne grasten Pferde auf einer Weide. Eine Bank kam gerade recht zur ersten Pause.

Eppinger Linien

Die Truppen des französischen Königs Louis XIV. drangen ab 1688 aufgrund unberechtigter Erbansprüche an die Pfalz jährlich in Baden, Württemberg und der Kurpfalz ein. Sie verwüsteten dabei viele Orte, wie Pforzheim, Durlach, Bretten, Heidelberg und Mannheim. Um den Franzosen Einhalt zu gebieten, ließ Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden eine 86 Kilometer lange Verteidigungslinie von Eppingen aus bis Weißenstein im Süden und Neckargemünd im Norden errichten – die Eppinger Linien. Sie bestanden aus Schanzgräben, zumeist mit Palisaden, Redouten und Chartaquen befestigt, umgeben von Wall und Graben, oft kombiniert mit einem breiten Streifen gefällter Bäume (Verhack).

Doch bald machte ich mich auf, die erste Etappe war mit 25 Kilometern nicht gerade kurz. Auf einem Feld begann zaghaft der Raps zu blühen, der charakteristische Duft lag zart in der Luft. Am Waldrand war der Wall der Eppinger Linien immer wieder zu erkennen. Ich tauchte wieder in den Wald ein, mich begeisterte der angenehm zu laufende Pfad. Das saftige Hellgrün der jungen Blätter an den Bäumen leuchteten im Licht, Buschwindröschen blühten am Wegrand.

Die einstige badisch-württembergische Grenze verlief direkt am Weg entlang, wie mir alte Grenzsteine mit den beiden Wappen erzählten. Längere Zeit wanderte ich am Schanzengraben entlang, beeindruckend auch heute noch die einstige Verteidigungslinie, die damals von Bauern aus der Umgebung als Fronarbeit mit einfachen Hilfsmitteln errichtet wurde.

Der Schwarzwald-Nordrandweg führte mich schließlich aus dem Wald heraus und in einer Schleife durch Obstwiesen. Ich blickte weit über die Landschaft mit dem Enztal, in der Ferne war der markante Wasserturm oberhalb von Pforzheim zu sehen – diesen sollte ich am Ende der Etappe passieren. Das war noch ein ganz schönes Stück entfernt. Durch eine offene Kulturlandschaft mit Kleingärten wanderte ich hinunter nach Öschelbronn. Längere Zeit lief ich durch den Ort, doch bald ging es wieder in den Wald hinein. Eine Hütte bot sich zur Rast an, gab es auf den letzten Kilometern leider keine Möglichkeit dazu. Hier hatte ich auch bereits die Hälfte der heutigen Teilstrecke geschafft.

Der Wanderweg zog eine Schleife durch den Wald und querte dabei den Kirnbach. Die Strecke war recht unspektakulär, dafür kam ich flott voran. Eine Hummel sammelte fleißig Nektar an einer Löwenzahn-Blüte, so etwas sehe ich immer gerne. Auf eine Anhöhe erreichte ich wieder die Eppingen Linie und folgte wieder einem Graben. Ein kleiner Abstecher brachte mich zu einer rekonstruierten Chartaque, wie die ehemaligen Wachtürme der Verteidigungsanlage genannte wurden. Von der Aussichtsplattform konnte ich über Niefern und das Enztal schauen, das Asphaltbahn der nahen Autobahn war leider nicht zu übersehen. Hier oben wehte ein frischer Wind, so dass ich nach einigen Minuten bereits wieder abstieg. Leider gab es keine Rastmöglichkeit, so dass ich mich auf den weiteren Weg machte.

Chartaque

Eine Chartaque (auch Tschartake geschrieben, persisch für „vier Baumstämme“) ist ein Wachturm als Bestandteil des Verteidigungssystems zur Zeit der Osmanen. Sie dienten der Beobachtung und Verteidigung und waren im unteren Abschnitt mit Palisaden versehen. An den Eppinger Linien waren sie Teil der Verteidigungsanlage, die Markgraf Ludwigs Wilhelm von Baden (auch Türkenlouis genannt) errichten ließ. Er wurde im Jahr 1893 vom Kaiser zum Oberbefehlshaber am Oberrhein ernannt, nachdem er erfolgreich die Türken abgewehrt hatte.

Eine Schafherde mit ihren Lämmern lag träge im Schatten von Bäumen. Ich querte die A8, die Geräuschkulisse der Autos begleitete mich einige Zeit auf dem Weg durch den Wald. Unterwegs zeigte mir ein Wegweiser noch 5,5 Kilometer bis zum Friedhof in Pforzheim, dem Ziel der ersten Etappe, an. Es dauerte geraume Zeit, bis ich eine weitere Rastmöglichkeit fand, eine Sitzbank kam mir sehr gelegen. Am Wegrand blühte der Waldmeister. Das Wegzeichen des Schwarzwald-Nordrandwegs leitete mich hinab in das Enztal nach Eutingen.

Dort querte ich den Fluss und passierte den S-Bahn-Haltepunkt. Ich lief noch einige Minuten durch den Ort, bevor mich ein Pfad auf den Wartberg brachte. In der prallen Sonne folgte ich einem Teerweg auf dem Bergrücken an Kleingärten vorbei zum Wartturm. Leider war der Turm nur über einen hinterlegten Schlüssel in einer nahen Gaststätte zugänglich – die zu dem Zeitpunkt jedoch noch geschlossen war. Schade. Aber auch so hatte ich eine schöne Aussicht auf Pforzheim.

Wartturm

Der Wartturm gehört zu den ältesten Bauwerken von Pforzheim, vermutlich wurde er im 16. Jahrhundert errichtet. Er war Bestandteil des Befestigungssystems der Stadt. In unruhigen Zeiten diente er als Beobachtungs- und Signalposten zum Schutz vor feindlichen Angriffen. Er war nur über Leitern zugänglich. Im jahre 1869 wurde der Turm restauriert und über Treppen zugänglich gemacht.

N 48° 54.287', E 8° 43.486'

Nach einer Rast wieder unterwegs, lief ich am Wasserturm vorbei, den ich bereits einige Stunden vorher bei Öschelbronn erblickt hatte. Der Weg nahm urbanen Charakter an, durch das Wohngebiet lief ich hinab zum Friedhof. Etwas unterhalb endete die erste Etappe auf dem Schwarzwald-Nordrandweg, ich folgte dem Zuweg mit der blauen Raute hinab zum Hauptbahnhof.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 24,4 km, Anstieg: 520 m, Abstieg: 425 m

Weitere Informationen

Eine Besichtigung der Burgruine Löffelstelz ist an Sonntagen zwischen 14 und 17 Uhr möglich.

Der Schlüssel für den Wartturm ist im Restaurant L'Osteria, etwa 150 Meter auf dem Wanderweg Richtung Pforzheim, zu folgenden Zeiten erhältlich: Dienstag-Freitag 12.00-14.00 / 17.30-23.00 Uhr, Samstag 17.30-23.00 Uhr und Sonntag 12.00-22.00 Uhr.

Vom Hauptfriedhof besteht an der Haltestelle „Wolfsberger Allee“ die Möglichkeit, mit der Buslinie 731 zum ZOB/Hauptbahnhof zu gelangen.