Schwarzwald-Nordrandweg 2. Etappe: Von Pforzheim nach Langensteinbach

Wallberg, Alte Kelter und Ausblicke

Am Hauptbahnhof in Pforzheim begann meine zweite Etappe auf dem Schwarzwald-Nordrandweg. Die blaue Raute leitete mich hinauf zum Einstiegspunkt. Ich ließ ihn jedoch links liegen und ging hinauf zum Osteingang des Hauptfriedhofs. Der Weg schien mir lohnenswerter zu sein. Mit seinen alten Bäumen und historischen Gräbern war dies eine gute Entscheidung.

Am Westausgang traf ich wieder auf den Wanderweg, der mich zum Hachelturm brachte. Doch auch hier hatte ich wie am Vortag beim Wartturm Pech, Zugang in den Turm gab es nur mit einem hinterlegten Schlüssel. Zwar hatte die Gärtnerei zu diesem Zeitpunkt offen, dazu müsste ich aber wieder zurück zum Friedhof um den Schlüssel zu holen und wieder zurückzubringen. So beließ ich es dabei und konnte das Gemäuer von außen betrachten.

Hachelturm

Der aus Kalkstein bestehende Hachelturm wurde 1903/04 im Auftrag des Pforzheimer Verschönerungsvereins errichtet. 2002 wurde der Turm restauriert.

N 48° 53.93', E 8° 41.208'

Entlang der Hachelallee und durch die Stadt erreichte ich den Wallberg. Ein Abstecher brachte mich hinauf auf den Gipfel, wo mich ein 360°-Panorama auf die Umgebung erwartete. Fünf Stelen erinnerten an die Vergangenheit, genauer den 23. Februar 1942, als die Stadt von britischen Bombern in Schutt und Asche gelegt wurde.

Wallberg

Der Wallberg wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit Schutt der Stadt aufgestockt. Insgesamt 1,65 Mio m³ Schutt wurden hier abgelagert. Der Gipfel wurde 2005/06 zum Mahnmal ausgebaut, fünf Stelen wurden dabei auf der Plattform angebracht.

N 48° 53.756', E 8° 39.92'

Nach einer längeren Pause führte mich der Nordrandweg am Berg entlang hinab und ein Stück an einer Straße durch Wald. Hier verlief auch in alten Zeiten eine Römerstraße. An einem Parkplatz befindet sich eine steinerne Pyramide. Bald passierte ich eine Kleingartenanlage und lief an Obstwiesen vorbei. Die Apfelbäume blühten und die Bienen folgen zwischen den Blüten umher. An einem Steinbruch, in dem Muschelkalk für Schotter gebrochen wird, wanderte ich hinauf und erblickte beim folgenden Abstieg die Berge des Nordschwarzwalds. Eine Bank bot mit am Waldrand einen Platz für eine Rast an, ich blickte über die Landschaft. Immer wieder fuhren Radfahrer vorbei und ein Zitronenfalter flatterte umher.

Auf der Höhe wanderte ich entlang, Wiesen, Felder und kleine Waldpassagen wechselten sich ab. Ein Greifvogel schwebte mit der Thermik in die Höhe und suchte sein Mittagessen. Vor lauter Schauen hatte ich glatt eine Abzweigung verpasst.

Der Wanderweg verlief oberhalb von Dietlingen durch einen Wingert. Auf einem öffnete sich der Blick auf einen weiteren Weinberg. Immer wieder faszinierten mich die Ausblicke – das Blau des Himmels kontrastierte schön mit dem Grün der Landschaft und dem Rot der Dächer. Immer wieder klickte die Kamera. Ich folgte der Hochstraße auf der ehemaligen Römerstraße, die einst von Pforzheim nach Straßburg führte. Viele Bänke standen am Wegrand und lockten mich, eine kleine Rast und herrliche Aussicht – wer kann da schon Nein sagen. Ich ließ mich von der Landschaft verzaubern und blickte auf die kommenden Wegabschnitte.

Schließlich nahm ich den Abstieg nach Ellendingen in Angriff, sehenswert ist hier die Alte Kelter mit alten Weinfässern auf dem Dachboden, hier befinden sich auch das Heimatmuseum.

Ich lief durch den Ort und leicht aufwärts – ein angenehmer Wind machte die warmen Temperaturen erträglich. Eine liebliche Landschaft durchquerte ich, im Gegensatz zur Etappe am Vortag waren reichlich Pausenmöglichkeiten in Form von Sitzbänken vorhanden. Doch der „Höhenrausch“ dauerte nicht lange an: Auf einem erdigen Weg lieg ich kräftig bergab ins Pfinztal und an der Dietenhauser Mühle vorbei nach Dietenhausen.

Das Dorf war rasch durchquert, Flieder- und Rhododendron-Büsche säumten den Weg hinauf. Der Nordrandweg leitet mich am Waldrand mit herrlichen Aussichten entlang – ein Auf und Ab. Ellmendingen mit seinen Weinbergen war auf der gegenüberliegenden Talseite gut zu erkennen.

An einer Straße angekommen war der weitere Wegverlauf unklar, ein Blick auf das GPS-Gerät löste jedoch das Problem. Ich genoss den aussichtsreichen Weg, immer wieder blieb ich stehen und ließ da Panorama auf mich wirken. Ein letztes Blick in das Pfinztal und ich tauchte in den Wald ein. Es folgte ein letzter strammer Aufstieg, der Wind rauschte in den Baumwipfeln und manchmal raschelte es im Unterholz – Maus oder Vogel? Baby-Buchen mit ihren Keimblättern schlugen Wurzeln am Wegrand. Schmetterlinge umflatterten sich.

Ich erreiche das Auerbachtal und passierte einen alten Grenzstein von 1787 mit badischem Wappen. Es dauerte nicht mehr lange und ich verließ den Wald. Auf einem Teerweg erreiche ich an Feldern und Wiesen vorbei Langensteinbach, das heutige Etappenziel. Am Rathaus endet die Teilstrecke. Ich hatte noch etwas Zeit bis die S-Bahn fuhr, so gönnte ich mir ein Eis zum Abschluss.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 19,8 km, Anstieg: 335 m, Abstieg: 415 m

Weitere Informationen

Vom ZOB/Hauptbahnhof in Pforzheim besteht die Möglichkeit, mit der Buslinie 731 zur Haltestelle „Wolfsberger Allee“ direkt am Hauptfriedhof zu fahren, um in die zweite Etappe des Schwarzwald-Nordrandwegs einzusteigen.

Der Schlüssel für den Hachelturm ist bei Blumen Schäfer, Hachelallee 3 (Kreisverkehr, Hauptfriedhof) erhältlich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8.00-18.30 Uhr, Samstag von 8.00-16.00 Uhr und Sonntag von 10.00-12.00 Uhr.

Das Heimatmuseum an der Alten Kelter in Ellmendingen ist von April bis November am ersten Sonntag im Monat von 14:00-17:00 Uhr geöffnet.