Blick vom Merkur-Turm auf Baden-Baden

Murgleiter 1. Etappe: Von Bad Rotenfels nach Gernsbach

Ruine Alt-Eberstein und Merkurgipfel

Der erste Tag auf der Murgleiter hatte es gleich in sich: 23 Kilometer Strecke und auch in die Höhe ging es: Das absolute Highlight war für mich der Blick vom Merkurgipfel auf die umliegende Landschaft, traumhaft der Blick auf Baden-Baden.

Die erste Etappe auf der Murgleiter begann am Unimog-Museum in Bad Rotenfels. Von meinem „Basislager“ in Baiersbronn fuhr ich in einer Stunde mit der S-Bahn zur Haltestelle Bad Rotenfels-Schloss. Von dort waren es nur Minuten zum Einstiegspunkt am Murgleiter-Portal, einer Skultur, die ein Tor andeutet.

Strahlender Sonnenschein erwartete mich am ersten Tag der Tour. Nach kurzer Zeit erreichte ich bereits das Schloss Rotenfels.

Schloss Rotenfels

Das Schloss Rotenfels hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich: Im Jahre 1807 wurde es von Friedrich Weinbrenner als Fabrikationsgebäude für Steingeschirr erbaut. Bereits zehn Jahre später erfolgte der Umbau zu einem Landschloss. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde das Anwesen durch die Stadt Gaggenau grundlegend saniert und beheimatet heute die Landesakademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater.

N 48° 48.953', E 8° 17.884'

Ich tauchte in den Wald ein, Schotterwege und Pfade wechselten sich ab. Ich gelangte schließlich zur Schweinelachhütte, die Sitzbank wurde angenehm von der Sonne beschienen, eine kleine Pause stand nun an. Hier wurde auch gerade eine Hochzeit vorbereitet.

Das blühende indische Springkraut säumte den folgenden Pfad, überall summte es und ein leichter Wind wehte die bunten Blätter von den Bäumen herab. Die Murgleiter leitete mich am Waldschwimmbad vorbei und weiter aufwärts. Am schön angelegten Friedrich-Luise-Brunnen boten mir zwei Froschkönige vom kühlen Nass – wie konnte ich da Nein sagen? Ich griff zu, bevor ich mich an den Anstieg zur Ruine Alt-Eberstein machte. Vom hohen Bergfried der Burganlage schweifte mein Blick weit über die Rheinebene zum Pfälzerwald und den Vogesen, hinab in das Murgtal und zum nächsten Ziel, dem Merkur.

Burg Alt-Eberstein

Es ist nicht genau bekannt, wann die Burg Alt-Eberstein (die heute auch Ebersteinburg genannt wird) errichtet wurde. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1197 als „Castrum Eberstein“. Als Erbauer gelten die Grafen von Eberstein aus Schwaben. Sie wechselten in der zweiten Häfte des 13. Jahrhunderts auf das nahe neue Schloss Eberstein, im Jahre 1283 wurde die Burganlage erstmals mit dem Zusatz „Alt“ genannt.

N 48° 47.033', E 8° 16.225'

Doch zunächst leitete mich die Murgleiter auf einer Schleife zum Verbrannten Fels, eine Hütte thront auf dem Stein, auf dem dortigen Felsen steht ein Kreuz. Ich schaute hinab auf Gaggenau im Murgtal. Abwärts ging's nun und durch die idyllische Wolfsschlucht.

Wolfsschlucht

Um die Wolfsschlucht rankt sich eine Sage:

„Ein Geiger aus dem Murgtal hatte drüben in Neuweier die halbe Nacht hindurch bei einer Hochzeit zum Tanze aufgespielt und dafür manche Groschen in seine Tasche wandern lassen. Aber Geigen macht durstig, und so hatte er auch etliche Becher des guten Neuweierer Weines geleert. Es war schon lange nach Mitternacht, als er heimwärts schwankte. Kurz nach der Teufelskanzel kam er etwas von der Straße ab. Plötzlich verliert er den Boden unter den Füßen und stürzt kopfüber in die Tiefe, fällt aber auf etwas Weiches, das allsogleich unter ihm wegspringt. Das Geigerlein wird nüchtern. Es tastet sich umher und merkt, dass es in einer Grube liegt. Ihm gegenüber aber funkeln zwei grünliche Lichter, und ein drohendes Knurren verrät ihm, dass ein Wolf sein Kamerad ist. In seiner Angst nimmt der Fiedler seine Geige und spielt alle Weisen, die er in der Nacht in Neuweiter gespielt hat. Und siehe, der Wolf setzte sich vor ihm hin wie ein Hund, hört ihm zu und jault wie zum Vergnügen gegen den dämmrigen Morgenhimmel hinauf. So oft aber der Geiger absetzt, um zu verschnaufen, zeigt ihm das Raubtier drohend die Zähne. So spielt und spielt er und fühlt, wie ihn die Kräfte verlassen.

Zum guten Glück kommt gegen Morgen der herrschaftliche Oberjäger und Wirt und erkennt den Geiger, mit dem er schon manchen Schoppen in Selbach getrunken hat. Schnell zielt er mit seiner Armbrust und jagt dem Wolf den eisernen Bolzen zwischen die Lichter. Der Geiger aber eilte nach Hause. Er soll seinem Weibe hoch und heilig gelobt haben, keinen Schluck mehr über den Durch zu trinken, sie hat's ihm aber nicht geglaubt.“

N 48° 46.608', E 8° 16.651'

Nach dem Queren einer Straße bot sich ein Abstecher zur Teufelskanzel mit Blick auf Baden-Baden an. Auch befindet sich hier ein Denkmal, das an den Besuch Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1886 erinnert.

Doch einige Höhenmeter fehlten noch für den Merkurgipfel und diese standen jetzt an. Stetig und stramm ging es bergan, unterwegs verfehlte ich eine Abzweigung, doch danke Karte und GPS-Gerät gelangte ich wieder auf den markierten Wanderweg, der mich auf den Gipfel des Merkurs führte. Zwei Jahre zuvor war ich bereits einmal hier oben, im Rahmen meiner Wanderung auf der Gernsbacher Runde.

Merkur

Ursprünglich hieß der Gipfel „Großer Staufenberg“, eine Anspielung auf die Form eines umgedrehten Trinkbechers, der auch Stauf genannt wird. Auf der Bergkuppe wurde jedoch im 17. Jahrhundert ein römischer Votivstein gefunden, der dem römischen Gott des Handels und Gewerbes, Mercurius, gewidmet ist. Seitdem wird der Baden-Badener Hausberg Merkur genannt.

N 48° 45.866', E 8° 16.832'

Damals wie heute säumten viele Paraglider den Hang und erhoben sich nacheinander in die Lüfte. Zunächst begab ich mich zum Turm, ein Aufzug brachte mich auf die Aussichtsplattform, wo mich ein Panoramablick erwartete: Baden-Baden, Rheinebene, Vogesen, Schwarzwald-Höhen und Murgtal – herrlich. Wieder auf dem Boden angekommen schaute ich noch eine Weile den Paraglidern bei den Startvorbereitungen zu, immer wieder glitt ein Schatten über mich hinweg.

Schießlich machte ich mich an den Abstieg, größtenteils auf Schotterwegen leitete mich das Wegzeichen der Murgleiter hinunter in das Murgtal. In Gernsbach, Haltestelle Mitte, endete die schöne erste Etappe auf der Murgleiter, wo ich in die S-Bahn einstieg und zurück zur Unterkunft fuhr.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 23,0 km, Anstieg: 795 m, Abstieg: 750 m