Aussicht vom unteren Latschigfelsen

Murgleiter 2. Etappe: Von Gernsbach nach Forbach

Schloss Eberstein, Elsbethhütte und Latschigfelsen

Mehrere Felsen standen am zweiten Tag auf der Murgleiter auf dem Programm: Zunächst blickte ich von der Elsbethhütte weit in das untere Murgtal, dann stand eine kleine Klettereinlage auf dem Dachsfelsen an, der Blick richtete sich nun das Tal hinauf und am Ende erlebte ich das absolute Highlight: Die Aussicht von den Latschigfelsen hinab in das inzwischen enger gewordene Murgtal nach Forbach.

Von der S-Bahn-Haltestelle Gernsbach-Mitte überquerte ich zunächste die Murg und traf kurz darauf wieder auf die Markierung der Murgleiter, die mich in wenigen Minuten hinauf zum Kriegerdenkmal führte. Von hier schweifte mein Blick über Gernsbach.

Kriegerdenkmal Gernsbach

Das Denkmal wurde 1936 eingeweiht und erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenden deutschen Soldaten aus Gernsbach. Aufgrund der Bauweise ist der Errichtung während der Nazidiktatur gut zu erkennen: In der Mitte des Bauwerks befindet sich ein übergroßer Stahlhelm auf einem altarähnlichen Steinblock, eine typische Darstellung für NS-Bauten. Auf der Bergseite war früher unterhalb des Reichsadlers ein Hakenkreuz vorhanden, heute befindet sich an der Stelle ein leerer Kreis.

N 48° 45.62', E 8° 20.25'

Ein herrlicher Pfad mit moosbehangenen Felsen am Wegrand leitete mich am Hang entlang. Leider drang auch der Verkehrslärm aus dem Tal zu mir herauf, vor allem die Motorräder taten sich hervor. An der Luisenruhe vorbei erreichte ich das Schloss Eberstein. Ein toller Blick in das Murgtal auf Obertsrot und Hilpertsau erwartete mich, ich ließ die Aussicht einige Zeit auf mich wirken.

Schloss Eberstein

Das heutige Schloss Eberstein wurde erstmals im Jahre 1272 als Novum Castrum Eberstein erwähnt und war neben der Burg Alt-Eberstein Sitz der Grafen von Eberstein. Im 16. Jahrhundert erfolgte eine umfangreiche Erweiterung der Anlage, ebenso zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Tod des letzten Ebersteiners fiel die Burg Neu-Eberstein teils an die Markgrafschaft Baden, teils an Württemberg-Neuenstadt. Im Jahr 1691 wurde ein Teil der Burg bei einem Feuer stark beschädigt. Nachdem auch die restlichen Anteile an Baden fielen wurde die Anlage ab dem Jahr 1802 zum Schloss umgebaut.

N 48° 44.969', E 8° 20.586'

Aussicht von der Elsbethhütte

Schließlich wanderte ich hinab in den Ort, von der Murgbrücke blickte ich über den Fluss hinauf zum Schloss. Ich tauchte wieder in den Wald ein, auf dem Wanderweg lief ich aufwärts. Sobald Wind aufkam, warfen die Eichen ihre Eicheln ab. Stetig führte mich die Murgleiter bergan. Von der wunderschön gelegenen Elsbethhütte blickte ich erneut weit über das untere Murgtal und über die Rheinebene bis zu den Vogesen, eine Aussicht, die ich bereits von der Gernsbacher Runde her kannte.

Idyllischer Dachsstein

Nun stand ein toller Felsenpfad an, ich passierte viele moosbewachsene Felsen und einige Aussichtspunkte, bevor ich auf einem Schotterweg den Dachsstein erreichte. Von den Felsen konnte ich weiter über das Tal blicken und sah auch den Hohlohturm in der Ferne. Hier ließ es sich aushalten, knapp 600 Höhenmeter hatte ich bereits hinter mir.

Pause an der Fatimakapelle

Doch nach dem Aufstieg ist vor dem Abstieg, und so lief ich auf nun bergab zur Fatimakapelle, die Bänke im angenehmen Schatten luden mich geradezu zu einer weiteren Pause ein. Nun war auch die Hälfte der heutigen Strecke geschafft.

Die Häuser von Reichental waren nun nicht mehr weit. Der folgende Anstieg nach dem Ort war schweißtreibend, die Sonne brannte vom Himmel herab. Unter einem Baum machte ich eine kleine Rast und schaute den dortigen Ziegen zu. Wieder unterwegs passierte ich eine Anhöhe und blickte erneut weit über die Landschaft: Merkur, Rheinebene und Vogesen waren zu sehen. Ich tauchte nun in den kühlen Wald ein. Ich passierte moosige Felsen, die durcheinander am Hang zwischen den Bäumen lagen, ein Bach rauschte am Wegrand. Immer wieder blieb ich stehen und genoss die Natur um mich herum. Nach einem kräftigen Anstieg gelangte ich zur Wetzsteinbrunnenhütte. Viele Bucheckern lagen auf dem Boden, ein willkommener Zwischenimbiss.

Fantastischer Ausblick vom Latschigfelsen

Ein letzter kleiner Anstieg musste ich nun noch absolvieren, dann war es geschafft und die Murgleiter führte mich leicht abwärts. Der Wald öffnete sich – ich war inzwischen weit oben und das Murgtal lag tief unter mir. Ich wanderte nun längere Zeit bergab, so schön kann Wandern sein. Doch ich hatte ich zu früh gefreut, auf einem tollen, aber anstrengenden Pfad leitete mich die Murgleiter wieder kurze Zeit bergan. Der Latschigfelsen war nun nicht mehr weit – doch Forstarbeiten warteten noch auf mich, quer über den Weg lagen Baumstämme, mit Klettereinlagen absolvierte ich auch diese Herausforderung mit Bravour. Der Weg war jedoch nur von der anderen Seite abgesperrt – nun, so hatte ich auch nochmal etwas Spaß. Ein letzter Aufstieg und der Latschigfelsen mit Hütte war erreicht. Der Merkur und das Schloss Eberstein waren gut in der Ferne zu erkennen.

Hier war nun einiges los. Ein kleiner Abstecher brachte mich zum unteren Aussichtspunkt, neben einem Kreuz hatte ich eine herrliche Aussicht auf Forbach, dem heutigen Etappenziel. Ein Wanderer machte sich für eine Übernachtung in der Nähe bereit, er spannte sein Tarp auf. Nun musste ich nur noch längere Zeit ins Tal abwärts laufen. Am Ende wanderte ich auf dem Panoramaweg oberhalb von Gausbach entlang und erreichte nach sieben Stunden den Bahnhof in Forbach.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 23,9 km, Anstieg: 1.120 m, Abstieg: 995 m