Huzenbacher See

Murgleiter 4. Etappe: Von Schönmünzach nach Baiersbronn

Mähderbrunnen und Huzenbacher See

Vierter Tag auf der Murgleiter: Nach der kürzeren Etappe am Vortag standen nun über 25 Kilometer inklusive Zuweg nach Baiersbronn an. Am Mähderbrunnen genoss ich eine Weinprobe, Flaschen standen bereit und auch an Gläser war gedacht. Besonders beeindruckte mich der Huzenbacher See, ein Karsee, der während der letzten Eiszeit entstand. Steil fielen die Bergflanken von drei Seiten ab, dazwischen der See, der von ein Moräne aufgestaut wurde. Mit tolle Aussichten auf Tonbach und Baiersbronn begeisterte mich der letzte Abschnitt auf dieser Teiletappe.

Frisch war es am Morgen, doch beim Aufstieg wurde es mir schnell warm. In der Ferne waren Motorsägen zu hören, ich hoffte, dass keine Forstarbeiten auf meinem Weg lagen. Ich passierte das Panoramastüble – schön gelegen zur Einkehr, doch es war noch zu früh – und tauchte in den Wald ein. Bald folgte ich der Murgleiter auf einem herrlichen Pfad, ein Bach murmelte vor sich hin, auf dem weiteren Weg wurde es stiller, die Geräuschkulisse des Tals ließ ich hinter mir. Leider war die schöne Wegpassage bald wieder zu Ende, auf einem Schotterweg führte mich die Murgleiter bergan. Ich wurde mit herrlichen Aussichten belohnt.

Weinprobe am Mähderbrunnen

Die erste Rast ließ nicht mehr lange auf sich warten: Am Mähderbrunnen standen Weinflaschen im kühlen Nass und auch an Gläser war gedacht. Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit nicht entgehen, für einen kleinen Obulus vom guten Wein zu kosten.

Der Weg leitete mich nach der Pause hinab nach Schwarzenberg, ein Stück durch den Ort und über die Murg. Ein längerer Anstieg stand mir nun bevor, größtenteils auf Pfaden zu einem Kneippbecken. Auf Schotterwegen passierte ich die Grenze zum Nationalpark und erreichte den Huzenbacher See. Heidekraut und Heidelbeeren wuchsen hier, Bienen summten und Libellen flogen umher – ein herrlicher Ort zum Verweilen und so blieb ich hier längere Zeit und genoss die Natur um mich herum auf einer der vielen Bänke.

Huzenbacher See

Der Huzenbacher See ist während der letzten Eiszeit vor 30.000 bis 25.000 Jahren entstanden. Im Talschluss vereisten die Quellen zu kleinen Gletschern, große Schneemassen häuften sich im Sonnen- und Windschatten an, die im kurzen und kühlen Sommer nicht mehr abschmolzen und sich zu Eis und Firn verdichteten. Durch das Gewicht des bis zu 60 Metern dicken Eises wurde durch sein langsames Fließen ins Tal der Untergrund wannenartig abgehobelt und schuf so das Rund eines Gletscherkars. Die mitgeführten Gesteine und der Sand blieben in der Abschmelzzone der Zunge liegen und bildeten über die Jahrhunderte eine Schuttmoräne, die das Tal verriegelte und einen Karsee aufstaute.

N 48° 34.484', E 8° 20.908'

Aussicht vom Huzenbacher Seeblick

Einer der schönsten Streckenabschnitte der gesamten Tour folgte nun: Ein stein- und wurzeldurchzogener Pfad geleitete mich weiter bergan und zu einer Hütte am Huzenbacher Seeblick. Und der Name ist Programm: Unter mir sah ich den Karsee und dahinter die Berge des Schwarzwalds. Ich befand mich nun bereits über 900 Meter hoch. Eine Liegebank lud erneut zur Rast ein – da konnte ich doch nicht ablehnen.

Nach der Pause führte mich die Murgleiter am Feuchtgebiet Kleemiss und dem Hirschstein vorbei auf der Höhe langsam abwärts. Mit der Zeit verlor ich immer mehr an Höhe, nach einem Schotterweg folgte wieder ein herrlicher Pfad, Teppiche aus Moos bedeckten den Waldboden. Auf einmal stand ein Ofen im Wald, ein sogenannter Salbeofen – so etwas war mir bisher noch unbekannt. Doch eine Infotafel erleuchtete mich.

Salbeofen

Mitte des 18. Jahrhunderts siedelte Johannes Wein und seine Familie im hinteren Tonbachtal. Er war Köhler von Beruf und versuchte aus minderwertigem Holz Kohle zu gewinnen. Er wusste, dass beim Inkohlungsprozess Nebenprodukte entstehen und aufgefangen werden können (sogenannte trockene Destillation). Die dabei gewonnenen Stoffe konnten zu verschiedenen Produkten weiterverarbeitet werden, wie z.B. Lampenöl, Gleitmitteln oder Dichtungsmittel. Der Destillationsofen (Salbeofen) diente primär der Holzkohleproduktion.

N 48° 33.512', E 8° 20.009'

Auf dem weiteren Weg kam ich an einem Rotwildgehege vorbei, einige Zeit schaute ich den Tieren zu, ein Rehbock mit seinen Mädels lag im Gras. Am Tonbach entlang erreichte ich den gleichnamigen Ort, ein weiteren Kneippbecken befand sich hier. Ich zögerte nicht, Wanderschuhe aus und ab ins kühle Nass mit den Füßen. Einige Liegen standen umher, die Sonne schien, Zeit zur Pause, so macht Wandern noch mehr Spaß.

Schließlich machte ich mich auf die letzten Kilometer, es ging wieder ein Stück aufwärts, bevor die Murgleiter auf einem tollen Trail am Hang entlang führte. Am Rinkenberg genoss ich den Blick auf Baiersbronn, das Murgtal hatte sich inzwischen wieder weit geöffnet. Am Murgleiter-Portal verließ ich den Wanderweg und folgte der blauen Raute hinab in den Ort und zum Bahnhof, von dem es nicht mehr weit zu meinem „Basislager“ war.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 23,5 km, Anstieg: 875 m, Abstieg: 725 m