Aussicht vom Steinmäuerle

Murgleiter 5. Etappe: Von Baiersbronn auf den Schliffkopf

Rinkenturm, Murg-Brunnen und Schliffkopf

Die Wanderung auf der Murgleiter neigte sich dem Ende zu: Zunächst ging es hinauf zum Rinkenturm mit einer tollen Aussicht auf Baiersbronn und das obere Murgtal entlang. Schließlich trennte sich die Murg in Rotmurg und Rechtmurg auf, am Murg-Brunnen war schließlich die „offizielle“ Quelle der Murg erreicht. Nun stand nur noch ein kleiner Anstieg an, und am höchsten Punkt der ganzen Strecke, auf dem Schliffkopf, endete die Tour.

Früh konnte ich die letzte Etappe auf der Murgleiter angehen – im Vergleich zu den vorherigen Tagen. Von meiner Unterkunft folgte ich dem Zuweg zum Murgleiter-Portal am Rinkenberg. Stramm ging es nun bergan auf den Gipfel und zum Rinkenturm. Ein herrlicher Blick auf Baiersbronn und die Umgebung erwartete mich von der Aussichtsplattform.

Rinkenturm

Der Württembergische Schwarzwaldverein errichtete den Rinkenturm im Jahre 1914 aus Buntsandstein auf dem Rinkenkopf. Benannt wurde er nach dem damaligen Württembergischen König Wilhelm II. Die Gemeinde Baiersbronn erwarb den Turm 1982.

Rinkenmauer

Der Bergrücken des Rinkenkopfs ist auf einer Länge von 115 Meter und einer Breite von 30 bis 40 Metern von einer umlaufenden Mauer befestigt, vermutlich war sie einmal etwa 2,50 Meter hoch. Ein schmaler Einlass von etwa 1,50 Meter gewährte Zugang zur Anlage. Teils befinden sich bis zu zwei Meter lange Steinblöcke mit mehreren Tonnen Gewicht in der Mauer, teils auch kleinere Steinblöcke. Für den Hausbau im Tal wurden in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Steine aus der Mauer gebrochen.

Über die Herkunft der Rinkenmauer wurde bereits viel spekuliert: Ist es ein spätkeltisches Oppidum, ein Rückzugsort der Germanen während der römischen Herrschaft, eine mittelalterliche Fliehburg oder ein altgermanischer Opferplatz? Die Gestalt, Größe und Bauart der Mauer sind typisch für das Hochmittelalter (10./11. Jahrhundert). Die Anlage befindet sich auf strategisch günstig, befindet sich das heutige Baiersbronn doch in einer günstigen Lage in einer weiten Talspinne.

Die Murgleiter leitete mich ein Stück entlang der Rinkenmauer und weiter auf dem Bergrücken zur Sattelei, die wunderschön im Wald gelegen ist. Zur Einkehr war es mir allerdings noch zu früh. Ich wanderte im Wald langsam hinunter und entlang eines Panoramawegs mit Blick auf die einzelnen Parzellen von Mitteltal.

Ich kam an einem Damwildgehege vorbei, Rehe lagen im Schatten und auch ein Kitz war dabei. Das Wegzeichen führte mich wieder in den Wald und auf einen angenehm zu laufenden Pfad. Wenige Vögel waren zu hören, dafür summte es um mich herum. Schotterwege und Pfade wechselten sich ab. Ich wanderte oberhalb von Obertal entlang und erreichte nach einer Weile den Kohlplatz. Der Bach rauschte auf seinem Weg den Hang hinab, eine Hütte stand hier und auch ein Brunnen, bei dem ich Wasser auffüllen konnte.

Ich verließ nun den Wald und schaute auf Obertal und Buhlbach. Es folgte ein munteres Auf und Ab zu einem herrlich gelegenen Rastplatz am Petersbächle. Etwas weiter am Öchslebrunnen war eine Alternativroute ausgeschildert, ich entschied mich für die Standardstrecke, die mich auf einem Grasweg an der Rechtmurg entlang leitete. Am Forellenhof zeigte mir der Wegweiser noch sechs Kilometer bis zum Schliffkopf, dem Ende der Murgleiter, an. Kühe mit Kälbern standen auf der Weide.

Stetig wanderte ich nun bergan, zunächst am Bach entlang, später auf einem Ziehweg am Hang hinauf. Ab der Köpflesbauerndurchlasshütte (diese heißt wirklich so!) schloss sich ein toller Trail durch den Wald an. Doch auch dieser Abschnitt endete, die Murgleiter führte mich auf einen Teerweg. Bald erreichte ich eine Infotafel zum Murgtal-Wanderweg, in der Nähe befand sich der Murg-Brunnen, der als Ursprung und somit als eine Quelle der Murg gilt. Durch die lange Dürreperiode war dieser jedoch trocken gefallen.

Einige Höhenmeter fehlten noch und diese standen jetzt an. Zunächst folgte ich einem herrlichen Pfad bergan, dann einem Asphaltweg. Die Schwarzwaldhochstraße war bereits deutlich zu vernehmen. Es dauerte nun nicht mehr lange und ich querte die Bundesstraße. Ein kleiner Abstecher brachte mich zum Aussichtspunkte Steinmäuerle, an dem sich leider gerade eine Busladung Rentner aufhielt. Doch nach etwas Warten verzogen sie sich wieder und ich konnte die Aussicht in aller Ruhe genießen: Auf die hohen Berge folgten tief eingeschnittene Täler. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit waren die Vogesen leider nur schemenhaft zu erkennen. Die letzten Meter standen nun noch an, die Murgleiter endete schließlich auf dem höchsten Punkt des Schliffkopfs, 1055 Meter über Normalnull. Eine Infotafel zeigte die Alpenberge an, doch dafür war es zu dunstig.

Grinden auf dem Schliffkopf

Am Ende der Eiszeit vor 10.000 Jahren vermoorten die Böden auf dem Schliffkopf. Durch die geringe Jahresdurchschnittstemperatur von unter 5 °C und hohe Niederschläge kann sich nur eine stark angepasste Flora und Fauna auf den kargen Sandsteinböden behaupten. Seit dem 14. Jahrhundert wurden die flachen Hochebenen im nördlichen Schwarzwald mit Rindern und Ziegen beweidet – baumfreie Heiden, die sogenannten Grinden, entstanden. Das Wort leitet sich vom schwäbischen „Grind“ ab, was kahler Kopf bedeutet. Es bezieht sich vor allem auf die in der Vergangenheit baumfreien Baumkuppen. Im 19. Jahrhundert ging die Beweidung mit Einführung der Stallhaltung zurück, Teile der Hochflächen bewaldeten sich wieder oder wurden aufgeforstet. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wurden nach und nach große Flächen vom Gehölz befreit, um den Lebensraum der Bergheide mit seinen seltenen Tieren und Pflanzen zu erhalten.

Zum Glück hatte ich am Vortag am Bahnhof in Baiersbronn die Busfahrpläne angeschaut und festgestellt: Aufgrund einer Baustelle fuhr der Bus zurück nach Baiersbronn nicht (und sowohl in der Online-Fahrplanauskunft als auch an der Haltstelle am Schliffkopf stand kein Hinweis dazu). So nahm ich zunächst den Bus nach Freudenstadt und fuhr mit der S-Bahn zurück zum Ausgangspunkt.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 21,1 km, Anstieg: 815 m, Abstieg: 400 m