Im Ebersberger Felsenmeer

Mittlerer Odenwald

Himbächel-Viadukt, Ebersberger Felsenmeer und Königsbrunnen

    Auf dieser Wanderung gibt es große und kleine Sehenswürdigkeiten am Wegrand zu entdecken: Gleich zu Beginn befindet sich ein Bauwerk von herausragender Ingenieurskunst, das Himbächel-Viadukt. Auf dem Bergplateau liegt das Ebersberger Felsenmeer, eine Halde von Buntsandsteinfelsen. Auf dem teils unmarkierten Rückweg passiert man den beeindruckenden Königsbrunnen und im Tal die Hasenhöhe mit einem schönen Blick in das Mümlingtal.

    Start der Wanderung ist am Bahnhof in Oberzent-Hetzbach, der bequem mit der Odenwaldbahn erreicht werden kann. Zunächst folgte ich dem Zuweg zum Nibelungensteig, dem grünen N, die Straße hinab. Es war frostig, die Landschaft war in Raureif gehüllt, vereinzelt lagen noch Schneereste. Bereits nach einigen Minuten schälte sich das Himbächel-Viadukt aus der Landschaft heraus, die Pfeiler waren sonnenbeschienen. Auf dem beeindruckenden Bauwerk überquert die Odenwaldbahn das tiefe Tal.

    Himbächel-Viadukt

    Das Himbächel-Viadukt bei Oberzent-Hetzbach wurde zwischen Mai 1880 und November 1881 errichtet. Es ist 250 Meter lang und besteht aus zehn Bögen mit jeweils 20 Meter Spannweite. Die maxi­male Höhe beträgt 43 Meter über der Talsohle – damit ist das Bauwerk die höchste Eisenbahnbrücke in Hessen.

    Das Viadukt ist Bestandteil der 90 Kilometer langen Strecke durch den Odenwald, die von der Hessischen Ludwigsbahn erbaut wurde und die wirtschaftlich benachteiligte Region erschließen sollte. Es gilt als technisch herausragende Leistung der Ingenieurskunst.

    Die Steine des Bauwerks wurden in unmittelbarer Nähe gebrochen. Das Himbächel-Viadukt kostete seinerzeit 343.615 Goldmark, was heutzutage in etwa dem zehnfachen Wert in Euro entspricht. Für den Bau wurden Bäume auf einer Fläche von 40 Hektar Wald gefällt und 16.400 Kubikmeter Steine verbaut.

    Am 10. September 2010 wurde das Himbächel-Viadukt als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.

    N 49° 36.197', E 8° 59.576'

    Am Himbächel-Viadukt traf ich auf den Nibelungensteig, der Weg leitete mich unterhalb des imposanten Bauwerks hindurch und in das Himbachtal hinein. Die Sonne stand noch tief an diesem Morgen und stieg gerade über den Hügel. Ein Schotterweg führte mich langsam bergan, zu Beginn begleitete mich noch das Rauschen des Baches. Der Nibelungensteig zweigte in ein Seitental ab, es war recht still, nur einige Spechte klopften in der Nähe ihre Höhlen – zu Gesicht bekam ich leider keine der Genossen.

    Schließlich führte mich der Nibelungensteig auf eine Anhöhe, die Sonne beschien den Wald, Schnee wie Puderzucker lag auf dem Boden und die Vögel zwitscherten munter. Ein Aussichtspunkt lag am Wegrand, eine Bank bot sich zur Rast an, dafür war es mir dann allerdings doch etwas zu frisch. Dafür genoss ich den Blick auf die umliegenden Hügel und hinab in das Mümlingtal nach Ebersberg. Frisch umgewälzte Blätter am Wegrand zeugten davon, dass Wildschweine hier nach Nahrung suchten.

    Bald verließ ich den Forstweg und der Nibelungensteig leitete mich auf einem Pfad aufwärts. Der gefrorene und schneebedeckte Boden knirschte unter meinen Schuhen. Weitere Forstwege wechselten sich mit Pfaden ab, die Sonnenstrahlen warfen lange Schatten in den Wald. Es dauerte nun nicht mehr lange und die ersten Sandsteinfindlinge lagen im Wald. Kurz darauf bog der Nibelungensteig wieder auf einen Pfad ein, das Ebersberger Felsenmeer lag vor mir. Sandsteinblöcke liegen kreuz und quer umher, der Weg führt mitten durch die Blockhalde hindurch. Eiszapfen hingen an einigen der Felsen herab. Ich verweilte etwas und ließ die Umgebung auf mich wirken.

    Ebersberger Felsenmeer

    Das Ebersberger Felsenmeer ist ein Naturdenkmal und liegt zwischen Ebersberg, Hetzbach und Bullau im mittleren Odenwald. Die quaderförmigen Felsen bestehen aus Sandstein, die durch Kieselsäure verfestigt sind. Im nahe gelegenen Bullau wurden die Steine in früheren Zeiten zum Bau von Häusern und Ställen benutzt. Die Quader sind teilweise ineinander verkeilt und häufig mit Moos überwachsen.

    Vor etwa 250 Millionen Jahren herrschte ein trockenes Klima im Gebiet des heutigen Odenwalds, große Flusssysteme führten das Wasser durch die Region und transportierten dabei Sand, Schluff und Ton. Immer wieder fielen die Flüsse trocken. Ein Sedimentationsbecken entstand und Sand lagerte sich ab. Im Laufe der Zeit verdichtete sich dieser zu Sandstein und verkittete. In den folgenden Jahrmillionen lagerten sich weitere Gesteinsschichten ab. Mit der Bildung des Oberrheingrabens und der Anhebung des Gebiets wurden die oberen Gesteinsschichten durch Erosion abgetragen und der Buntsandstein kam wieder zum Vorschein.

    Der Buntsandstein bestand aus einzelnen Ebenen mit verhältnismäßig geringer Widerstandsfähigkeit, Klüfte kreuzten die Ebenen im rechten Winkel. Als Tauwasser in die Klüfte einsickerte und dort wieder gefror, wurden Blöcke aus dem Sandstein gesprengt. Während der letzten Eiszeit taute die obere Bodenschicht auf und durch die entstehenden Schlammschichten rutschten die Gesteine talwärts, wobei sie sich manchmal auch auftürmten.

    N 49° 36.396', E 9° 1.506'

    Ich machte mich schließlich auf den weiteren Weg, ein kleiner gefrorener „See“, Zeuge der Niederschläge der vorherigen Woche, lag am Wegrand und züngelte in den Weg hinein. Fast hätte es mich gelegt. Der Wanderweg leitete mich auf dem Hochplateau entlang und auf einem Teerweg zur Gebhardshütte. Hier verließ ich den Nibelungensteig und richtete mich nun nach dem roten Andreaskreuz, das mich an der Siedlung entlangführte. Die Sonnenstrahlen wärmten mein Gesicht und der Schnee glitzerte in der Sonne.

    Fratze am Königsbrunnen

    Doch es ging wieder in den Wald hinein und ein Stück an einer Straße entlang. In einer Kurve lotste mich das Wegzeichen auf einen Pfad und zu einer Kreuzung. Ich entschloss mich dazu, hier dem Asphaltweg Richtung Hetzbach abwärts zu folgen und erreichte einige Minuten später den Königsbrunnen. Viele Stufen führten hinauf zum Brunnen, eine Fratze war in ihn eingemeiselt und auch eine Tasse zur Erfrischung hing bereit. Das Trinkwasser plätscherte munter aus dem Rohr, ich machte eine kleine Pause.

    Hier verließ ich die Straße und folgte dem unmarkierten Schotterweg am Hang entlang. Bei der folgenden Verzweigung hielt ich mich links und traf schließlich auf die Rundwegmarkierung 2, der ich geradeaus folgte. Es ging nochmal ein Stückchen aufwärts, ein Vogel ließ seinen Ruf erschallen.

    Bei einer Wegspinne hatte ich den höchsten Punkt des Abschnitts erreicht, mit der Markierung 2 wanderte ich hinab zum Parkplatz Hasenhöhe. Mein Blick schweifte erneut über das Mümlingtal nach Hetzbach. Das Wegzeichen Hz4 führte mich langsam auf einem Forstweg abwärts. Ein leichter Wind kam auf und die Sonnenstrahlen kitzelten mein Gesicht. Bald öffnete sich wieder die Landschaft und es war nicht mehr weit nach Hetzbach und zum Bahnhof.

    Karte, Höhenprofil und GPS-Track

    Länge: 14,7 km, An-/Abstieg: 365 m

    Weitere Informationen

    Die Odenwaldbahn fährt von Frankfurt/Darmstadt über Erbach-Michelstadt nach Eberbach mit Halt in Hetzbach. Die Busline 50 verkehrt zwischen Eberbach und Beerfelden mit Halt am Bahnhof in Hetzbach. Bei Anreise mit dem Auto bestehen Parkmöglichkeiten direkt am Bahnhof und am Himbächel-Viadukt. Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeit.