Burgruine Falkenstein

Unterwegs am Donnersberg

Magerrasen, Kuhschelle und Falkenstein

Der Donnersberg ist immer ein Besuch wert – es gibt viel auf und im Umfeld des höchsten Bergs der Pfalz zu erleben und entdecken. In einer kleinen Artikelserie stelle ich einige – auch eher unbekannte – Ziele am Donnersberg-Massiv vor, die einen Besuch lohnen. Auftakt der Reihe ist eine Wanderung bei Falkenstein. Die Burgruine Falkenstein ist ein beliebtes Ausflugsziel, eher unbekannt ist das in direkter Nähe befindliche Naturschutzgebiet Schelmenkopf.

Der Weg ist größtenteils unmarkiert, man kann sich aber praktisch nicht verlaufen. Wir starteten bei traumhaftem, sonnigen Wetter auf einem Parkplatz oberhalb von Falkenstein – auf der Tour begleitete mich Wanderreporterin Daniela. Zunächst ist die Straße zu überqueren, es geht am Falkensteiner Hof vorbei. Direkt nach der Gaststätte führt links ein Weg ab, ein Naturschutzgebiet-Schild zeigt an, dass das Areal geschützt ist und man auf den Wegen bleiben soll.

Naturschutzgebiet Schelmenkopf

Das Gebiet am Schelmenkopf wurde 1985 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und ist 63,5 Hektar groß. Die Besonderheit sind die Heiden und Magerrasen, neben der geschützten Kuhschelle kommen weitere bedrohte Pflanzenarten und seltene Tierarten vor, wie der Schwalbenschwanz.

N 49° 36.784', E 7° 52.294'

Es öffnet sich die Landschaft, an diesem April-Tag blühte bereits einiges: Die weißen Blüten der Kirschbäume waren bei Hummeln sehr begehrt, auf dem Magerrasen blühten die Kuhschellen, auch Küchenschellen genannt. Diese Art ist inzwischen recht selten bei uns geworden und steht unter Naturschutz – darf also nicht gepflückt oder anderweitig beschädigt werden.

Kuhschelle

Die Echte Kuhschelle (auch Küchenschelle genannt) gehört zu den Hahnenfußgewüchsen und blüht von März bis Mai. Sie wächst an kalkreichen und sonnigen Standorten. Alle Kuhschellen-Arten sind giftig: Das Gift Protoanemonin verursacht Schwellungen, Blasen und Entzündungen auf der Haut. Eingenommen bewirkt es Störungen des Nervensystems, Magen- und Darmstörungen, Erbrechen, Krämpfe und Entzündungen der Nieren. Sie findet allerdings Anwendung in der Homöopathie, z. B. bei Migräne, Depressionen oder Rheumatismus. Auch die alten Griechen nutzten die Pflanze bereits bei Augenleiden und Geschwüren. Durch Trocknen der Pflanzenteile verliert sie ihre Giftigkeit.

Der Name rührt von der Form der Blüte her, die an eine Kuhglocke erinnert. Als Verkleinerungsform wurde die „Kühchen-Schelle” verwendet, was sich im Laufe der Zeit zur „Küchenschelle” änderte.

Wir waren total verzückt bei dieser Landschaft und kamen kaum aus dem Fotografieren heraus. Auf der Anhöhe befindet sich der Rabenfels, ein Rhyolith-Brocken, der markant aufragt und von dem der Blick weit über die Umgebung und auch hinab zur Burgruine Falkenstein schweift. Im Felsen entdeckte Daniela auch ein eingeritztes Herz. Wir genossen sehr diese Schönheit der Natur, bevor wir langsam den Pfad weiter liefen. Um uns herum summte und zwischerte es, die Natur erwachte nach dem langen und kalten Winter. Wir konnten richtig schön die Seele baumeln lassen und genossen die Wärme.

Dem Pfad immer weiter abwärts folgend änderte sich die Vegetation, sie wurde dichter und die Bäume höher. Es ging in Kehren hinab nach Falkenstein, der tiefste Punkt der Runde war nun erreicht. Wir wendeten uns nach links auf die Straße, die Burg Falkenstein thronte steil auf einem Rhyolithfelsen über uns, ein toller Anblick. Auf dem weiteren Weg veränderte sich immer wieder die Perspektive zur Burgruine, unsere Kameras klickten ständig. Die erste Abzweigung scharf rechts führte uns hinauf zum Glockenturm.

Glockenturm

Der Glockenturm entstand aus dem Wunsch der Falkensteiner Protestanten heraus, mit eigenen Glocken zur Taufe, dem Gebet oder zur Beerdigung zu rufen. Ab 1884 nahmen die Pläne konkrete Formen an, die Konzeption lehnte sich an die am Ende des 19. Jahrhunderts in Bayern beliebten neuromanischen Stil an. Der Bau wurde durch Spenden finanziert, der Eisenindustrielle Carl von Gienanth stiftete 2000 Mark des auf insgesamt 2650 Mark projektierten Baus. Am 6. Juni 1886 fand die feierliche Einweihung des Glockenturms statt. Der Wunsch der Protestanten nach einer eigenen Kirche erfüllte sich bis heute nicht.

N 49° 36.379', E 7° 52.324'

Ein herrlicher Blick hinüber zur Burg und auf den Ort begeisterte uns weiter. Der rote Balken war nun unser Begleiter und leitete uns in den Wald hinein. Durch die Bäume hindurch nahmen wir die Ruine immer wieder mit anderen Blickwinkel wahr. Am Wegrand waren die für den Donnersberg typischen Flachwurzler zu sehen, durch das Gestein können die Bäume nicht tief wurzeln.

Doch bald gelangten wir wieder in den Ort hinein und liefen abwärts zur Burg Falkenstein. Vom Wirt der Burgstubb bekamen wir den Tipp, dass sich unterhalb des Geländers Kakteen befinden, die sonst nur in heißen Gebieten vorkommen. Und tatsächlich, wir konnte sie entdecken. An heißen Tagen im Sommer sollen sie gelb blühen – sicherlich ein toller Anblick.

Burg Falkenstein

Die Burg Falkenstein wurde erstmalig 1135 urkundlich erwähnt. Im Jahr 1647 wurde die Burg von den Franzosen belagert und gestürmt, die Außenmauern wurden ge­schleift. 1794 wurde sie erneut von den Franzosen zerstört und ist seitdem Ruine. Die Ruine Falkenstein wurde ab 1979 teilweise restauriert.

N 49° 36.532', E 7° 52.411'

Wir erkundeten längere Zeit die Anlage, ein toller Blick auf die Umgebung ergibt sich an den Fenstern des Ritterhauses, ein schönes Bild der Fassade erhielten wir nach dem Abgang zum Wachtturm.

„wie du wilt Melchior”

Am Eingang zur Burg Falkenstein befindet sich oberhalb eines Fensters ein Stein mit einer verwitterten Inschrift. Es rankt sich eine Sage um diesen Stein: Zwei Brüder, Konrad und Melchior, teilten sich einstmals den Besitz der Falkensteiner. Konrad nannte Burg und Land Falkenstein sein Eigentum, Melchior war im Rheingau zuhause. Die Brüder gerieten in Streit, Melchior zog daraufhin mit seinen Soldaten zur Burg und forderte Konrad zum Kampf auf. Doch dieser war sanften Gemüts und versuchte, seinen wütenden Bruder vom Fenster aus zu beruhigen. Doch seine Bemühungen waren umsonst und Melchior drohte, die Burg zu erstürmen. Doch Konrad sah, dass das Beschwichtigen nichts half und rief hinab: „wie du wilt Melchior”!. Er bereitete sich mit seinen Knechten zum Widerstand vor, Melchior aber war inzwischen durch die Worte besänftigt. Er bat im friedlichen Einlass in die Burg und bei einem feierlichen Mahl feierten die Brüder ihre Versöhnung. Zur Erinnerung wurden diese Worte in den Stein gemeißelt.

Da es nun auch Mittagszeit war und wir langsam etwas Hunger bekamen, wanderten wir wieder die Straße hinauf und zum Falkensteiner Hof. Vom dortigen Biergarten schweifte unser Blick über die Landschaft, ein toller Ausklang der empfehlenswerten Tour. 

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 3,1 km, An-/Abstieg: 110 m