Traum der Stare

Rheinterrassenweg 1. Etappe: Von Worms nach Osthofen

Schloss Herrnsheim und Skulpturenweg

Bedingt durch die kurzen Teilstrecken habe ich die ersten beiden Etappen auf dem Rheinterrassenweg an einem Tag erwandert. Dieser beginnt offiziell am Schloss in Herrnsheim, die ersten Kilometer sind als Zuweg vom Wormser Hauptbahnhof markiert.

An einem sonnigen Samstag Morgen im März begann ich die erste Etappe. Diese beginnt am Westausgang des Wormser Hauptbahnhofs. Hier befindet sich auch gleich der erste Wegweiser. Bis zum Schloss Herrnsheim zeigt das schwarze stilisierte R auf gelbem Grund den Weg an. Obwohl die Tour zu Beginn durch die Stadt führt, ist die Wegführung gelungen. Nach einigen hundert Metern an einer Straße biegt der Weg in die Pfrimmanlage ab und führt auf einem Fußweg an dem Fluss entlang. Bald geht es auf einer ehemaligen Bahntrasse nach Herrnsheim.

Bahnstrecke Worms-Gundheim

Die ehemaligen Bahntrasse führte von Worms über Herrnsheim und Abenheim nach Gundheim. Der Bau war am Anfang sehr umstritten, die Strecke sollte von Worms über Gundheim, Westhofen, Gau-Odernheim und Nieder-Olm nach Mainz führen. Dagegen wehrten sich jedoch einige Gemeinden, die sich dadurch vom Eisenbahnverkehr abgehängt fühlten. Die Strecke wurde schließlich 1903 über Herrnsheim mit Endbahnhof Gundheim in Betrieb genommen. Der bis heute schwerste Eisenbahnunfall in Rheinhessen ereignete sich 1954, als ein Zug und ein vollbesetzter Bus an einem unbeschrankten Bahnübergang zwischen Herrnsheim und Abenheim zusammenstießen und dabei 26 Menschen ihr Leben verloren. 1961 stellte man den Personenverkehr ein, sieben Jahre später auch den Güterverkehr. Die letzten Gleise wurden 1990 abgebaut.

Den ersten Höhepunkt erreichte ich nach etwa einer Stunde: das Schloss in Herrnsheim. Hier beginnt schließlich der Rheinterrassenweg, die Markierung ist nun ein stilisiertes grün-blaues R, das den Rhein und die Weinberge symbolisiert.

Schloss Herrnsheim

Der Vorgängerbau des heutigen Schlosses Herrnsheim wurde vermutlich 1460 als wehrhaftes Gebäude errichtet. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 wurde das Gebäude durch französische Truppen niedergebrannt und bald wieder aufgebaut. Während der Französischen Revolution wurde es stark beschädigt und ab 1808 umgebaut. Seit 1957 befindet sich das Anwesen im Besitz der Stadt Worms.

Der Weg führt nun durch den Schlossgarten, der als englischer Garten angelegt wurde. Leider befanden sich die Skulpturen von Vater Rhein und Amor noch in ihren Winterbehausungen, nur Siegfried zeigte sich unerschrocken. Dank der warmen Frühlingssonne zeigten sich bereits einige Blumen.

Nach der Besichtigung des Schlossparks führt der Weg an einem Steinkreuz aus dem 15./16. Jahrhundert vorbei. Es geht unterhalb der St. Anna-Kapelle entlang; hier beginnen nun auch das Weinanbaugebiet. Langsam beginnt die Landschaft auch hügelig zu werden.

In den Weinbergen herrschte teils geschäftiges Treiben, die Winzer machten die Reben fit für das Frühjahr. In einer Schleife geht es durch die Wingerte. Empfehlenswert ist ein Abstecher auf dem Abenheimer Skulpturenweg zu einigen Kunstwerken, die auf ehemaligen Hochständern entstanden sind.

Weiter auf dem Rheinterrassenweg führt die Tour am „Traum der Stare” vorbei nach Osten. Der Blick schweift über die Rheinebene zur Bergstraße mit dem markanten Melibokus. Nach einer Weile geht es auf einem Zuweg wenige hundert Meter zum „Weißen Häuschen” und dem „Tisch des Weines”. Die lange Tafel hatte ich für mich alleine – Zeit für eine Rast mit Aussicht auf Osthofen. Doch so langsam zog sich der Himmel zu und es wurde durch den Nordwind etwas frischer.

Am Friedhof bot sich ein Abstecher zum „Roten Häuschen” an, ebenfalls ein Weinbergsturm. Am Ortsrand von Osthofen steht die Bergkirche, die – laut Infotafel – auch als „größtes Weinberghäuschen von Osthofen” bezeichnet wird. In Osthofen endet auch die erste Etappe auf dem Rheinterrassenweg. Ich machte mich gleich weiter auf die zweite Etappe.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 14,3 km, Anstieg: 85 m, Abstieg: 90 m