Eingangsgebäude der Villa Borg

Saar-Hunsrück-Steig 1. Etappe: Von Perl nach Hellendorf

Hammelsberg und Villa Borg

Der Hausherr begrüßte seine Gäste einzeln am Portal des Herrenhauses und führte sie in die Empfangshalle seiner Villa rustica. Der prächtige Mosaikfußboden und das marmorverkleidete achteckige Wasserbecken in der Mitte der Halle zogen die Blicke der Neuankömmlinge sofort auf sich. An den Wänden zeugten Gemälde vom Reichtum und Geschmack des Eigentümers. Türen führten zu den einzelnen Räumen des Gebäudes. Auf Tischen war mit Speis und Trank auch für das leibliche Wohlbefinden gesorgt.

Nachdem ich in den vorherigen beiden Tagen bereits die Landschaft an der oberen Mosel auf den Traumschleifen Schengen grenzenlos und Wein- und Naturpfad Ahn sowie dem Seitensprung Wehrer Rosenberg erkundet habe, begann nun das Wanderabenteuer auf dem Saar-Hunsrück-Steig. Der Morgen erwartete mich mit dichtem Nebel. Zunächst führte mich der Wanderweg von meiner Unterkunft am Bahnhof hinauf, die Bäume waren teils nur schemenhaft zu erkennen. Im Ort selbst passierte ich die Quirinuskapelle und begab mich in den Park von Nell. Die Blumen bildeten einen schönen Farbkontrast zu dem grauen Morgen, die Spinnennetze bildeten durch den Besatz von Tautropfen einen weißen Schleier auf den Pflanzen.

Nach dem Verlassen des Ortes wanderte ich den Hammelsberg hinauf, zusammen mit dem Moselsteig ging es einen schönen Pfad entlang, Ruhe umgab mich, nur gedämpft drängten die Geräusche des Tals zu mir hinauf. Nach einer Weile erreichte ich eine Hütte, an klaren Tagen hat man bestimmt einen tollen Blick ins Tal, doch das viele Wasser in der Luft verhinderte die Aussicht.

Auf einem Pfad lief ich entlang der deutsch-französischen Grenze, wie mir Grenzsteine anzeigten. Zwischendurch passierte ich einen Aussichtspunkt, immerhin waren einige Häuser von Apach zu erahnen. Den Weg hatte ich nun nicht mehr für mich alleine, ich begegnete weiteren Wanderern und Spaziergängern. Nach einem Abstieg erreichte ich den Dreiländerblick, zwei Länder konnte ich sehen, Luxemburg jedoch nicht.

Auf dem Hammelsberg

Bald lief ich am Hammelsberg und den bekannten Orchideenwiesen vorbei. Nach dem Anstieg auf vielen Treppenstufen, führte mich der Saar-Hunsrück-Steig an der Hangkante entlang. Der Nebel hatte sich etwas gelichtet, mein Blick schweifte über Apach bis zum Stromberg auf der gegenüberliegenden Moselseite. Die Sonne kämpfte sich bereits durch den Nebel. Ein herrliches Fleckchen, an dem ich einige Zeit verbrachte.

Ich wanderte nun auf dem Plateau des Bergs entlang. Bald traf ich wieder auf den Moselsteig, gemeinsam ging es am Barfußpfad vorbei, Weisheiten standen auf Baumscheiben geschrieben. Inzwischen hatte sich auch die Sonne durch das Nebelmeer gekämpft, ich lief auf einem schönen Pfad durch den Wald. Eine Besonderheit war, dass bei jedem Kilometer ein Schild hängt, auf dem die bereits gelaufenen Strecke steht – so hatte ich das bisher noch nicht erlebt.

Auf einer offenen Fläche sah ich Windräder, die sich im Wind drehten, knorrige alte Obstbäume standen am Wegrand. Bald vernahm ich den Verkehr auf der Bundesstraße, die ich vorsichtig querte. Hier ist nun die Hälfte der ersten Teilstrecke geschafft, ich war bereits 3½ Stunden unterwegs. Durch unspektakulären Wald leitete mich der Wanderweg im Wald und unter der Autobahn hindurch. Nun öffnete sich die Landschaft, ich lief an Feldern vorbei, Windräder ragten links und rechts des Weges empor, hinter mir rauschte der Verkehr der A8.

Bald bot sich eine Rast in Form einer Liegebank an – diese Einladung nahm ich doch gerne an. Die Sonne schien auf mich herab, der Wind rauschte in den einzelnen Bäumen und trieb das vor mir befindliche Windrad an. So schön kann Urlaub sein. Nach der längeren Rast machte ich mich aber wieder auf den Weg, bei einem Blick zurück blickte ich in das Moseltal hinab, das ich auf der Höhe hinter mir ließ. Hier befindet sich auch die Wasserscheide zwischen Mosel und Saar.

Römische Villa Borg

Der Saar-Hunsrück-Steig führte mich auf einem Grasweg durch Felder, die bereits abgeerntet und umgepflügt waren. Dafür standen vollbehangene Apfelbäume am Wegrand – das war doch sehr verlockend und so pflückte ich mir einen Apfel. Nach einer weiteren Pause mit Blick auf Borg wanderte ich im ebenen Gelände auf einen schönen Trail, der durch den Wald und am Waldrand entlangführte. So gelangte ich schließlich zur römischen Villa Borg. Interessant fand ich die Bäder, die Römer wussten schon, wie man das Leben genoss. Lehrreich war das Kräuterzimmer oberhalb der Küche, in dem verschiedene Gewürze standen, die bereits die Römer nutzten und die man probieren konnte. Vielleicht spielte sich das Leben so ähnlich ab, wie in der Einführung beschrieben?

Nach einer längeren Rast mit Einkehr in der Taverne wanderte ich noch eine halbe Stunde bis zur Abzweigung nach Hellendorf, wo sich meine Unterkunft, der Sonnenhof, befand und den ich nach insgesamt acht Stunden erreichte.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 17,5 km, Anstieg: 440 m, Abstieg: 220 m