Aussichtsturm der Wildenburg

Saar-Hunsrück-Steig 10. Etappe: Von Morbach zur Wildenburg

Geopark, Rosselhalde und Wildenburg

Immer wieder schaue ich nach oben, über mir biegen sich die Baumwipfel im starken Wind. Ein Ast streift meinen Arm, eine Buchecker fällt auf meinen Kopf - autsch. In der Ferne höre ich ein Krachen, da hielt wohl ein Baum dem Sturm nicht stand. Einerseits bin ich fasziniert von der Naturgewalt, andererseits möchte ich schnell auf die windabgewandte Seite des Berges. Als ich diese erreiche, ist es ungewohnt still, das Brausen ist verstummt.

Am Vortag hatte ich mir aufgrund der Wetterlage überlegt, ob ich nicht besser einen Pausentag einlegen sollte. Immerhin war ein Sturmtief mit dem Namen Sebastian angekündigt. Ein Blick auf die Wettervorhersage beruhigte mich etwas, „nur” Warnstufe 1 war für den Hunsrück angesagt und der Regen sollte sich tagsüber in Grenzen halten. Also lief ich am Morgen kurz vor 8 Uhr los.

Bereits beim Start an der Unterkunft gab es einige Windböen, zunächst leitete mich die Zuwegung wieder hinauf zum Ortelsbruch. Der Holzsteg, der über das Moorgebiet führte, war vom Regen rutschig, dank der Trekkingstöcke kam ich gut durch und wanderte in den Wald hinein.

An einem Naturlehrpfad standen mir die Infotafeln auf beiden Seiten Spalier. Auf dem Saar-Hunsrück-Steig wanderte ich bergan, der Wind rauschte kräftig durch die Baumkronen. Zwischendurch konnte ich an einem Aussichtspunkt auf die Umgebung schauen – zumindest theoretisch, denn vor lauter Nieselregen sah ich diese nur schemenhaft. Immer wieder hielt ich an und schaute nach oben: Die Baumwipfel wurden vom Wind geschüttelt.

Schließlich gelangte ich zum höchsten Punkt der Etappe, langsam absteigend wanderte ich einen breiten Forstweg entlang. Ein Wegweiser zeigte noch 13,9 Kilometer bis zum Ziel an der Wildenburg an und es war erst 9:15 Uhr. Der Wind war hier erträglich. Der Wanderweg zweigte auf einen Pfad ab, hier befand sich ein schön gelegener Rastplatz an einem Teich, Zeit für die erste Pause.

Am Waldrand blühte das Heidekraut, schön war der Anblick des Tals nicht, wuchs doch auf der gegenüberliegenden Seite eine Fichtenmonokultur. Doch bald wanderte ich auf einem tollen Waldpfad am Hang entlang, der weiche Boden war gut zu laufen, mich blinzelte sogar ganz kurz die Sonne an.

Kurz vor Langweiler befand sich eine Umleitung wegen Forstarbeiten, die Absperrung jedoch beseitigt – bei dem Wetter wollte wohl niemand arbeiten. Also lief ich den ausgeschilderten Pfad, musste aber über einige gefällte Bäume steigen.

Die Steinbachtalsperre war vom Ortsrand aus durch den Nieselregen zu erkennen. Der Wind blies mir kräftig ins Gesicht, als ich auf der Anhöhe entlang wanderte. Eine Liegebank lud mich zur Rast ein, doch diesmal schlug ich die Einladung aus.

Im Tal angelangt bot mir ein Wald Schutz und es dauerte nicht lange und ich erreichte den Geopark Krahloch und die Fledermaushöhle. Ein Lichtschalter erhellte das Innere der Höhle, in früheren Zeiten wurde hier Schiefer abgebaut. Am Fischweiher versuchte ein Angler sein Glück, ich absolvierte noch einen Abstecher durch den Geopark.

Der Idarbach begleitete mich eine kleines Stück. Aber der Saar-Hunsrück-Steig wäre kein Steig, wenn es nicht wieder aufwärts ginge. Mir wurde beim Anstieg wieder richtig warm, der Wind brauste wieder stärker durch die Baumkronen, abgebrochene kleine Äste lagen auf dem Weg. Heil kam ich an der Kirschweiler Festung an, einem ausgedehnten Felsengebiet. Inzwischen zeigte sich auch ab und zu die Sonne.

Nach einer kleinen Rast am Aussichtspunkt mit Blick in das Steinbachtal führte mich der Saar-Hunsrück-Steig einen herrlichen Pfad hinab. Ich war nun auf der windabgewandten Seite. An einem weiteren Aussichtspunkt blickte ich hinab ins Idarbachtal mit der Rosselhalde. Bis auf den Verkehr im Tal war es still, kein Windbrausen, ungewohnt nach den letzten Stunden.

Am Bärloch gab es eine kleine Höhle im Quarzit, ich genoss den Blick über die Landschaft. Im Tal gelangte ich zum tiefsten Punkt der Etappe, nun hieß es ein letztes Mal: Aufwärts geht's ...

Auf Zickzackkurs querte ich mehrmals die imposante Rosselhalde, der Wind nahm wieder zu. Bald wurde es steiler. Klack, klack, klack – meine Stöcke auf dem Schotterweg gaben den Takt vor. Noch ein ebener Fahrweg und ein steiler Pfad, dann trat ich aus dem Wald und erblickte nach knapp sieben Stunden auf Tour den Aussichtsturm auf der Wildenburg

Natürlich machte ich auch gleich einen Abstecher hinauf zur Anlage, doch es gab von der ehemaligen Burganlage nicht viel zu sehen. Oben auf dem Aussichtsturm war der Wind sehr stark, nur kurz nahm ich einige Bilder auf und flüchtete dann wieder nach unten.

Zum ersten Mal nutzte ich einen Transfer zu meiner Unterkunft, dem Hotel Steuer in Allenbach. Doch als ich anrufen wollte, kam keine Verbindung zustande – Stromausfall durch Sturmschaden, wie ich später erfuhr. Doch die netten Mitarbeiter im nahen Nationalparkzentrum halfen mir weiter und erreichten einen Mitarbeiter auf seinem Handy – so kam ich doch noch zu meiner ersehnten heißen Dusche. Ein aufregender und ereignisreicher Tag endete mit einem leckeren Spießbraten zum Abendessen.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 19,1 km, Anstieg: 680 m, Abstieg: 520 m