Wasserfall am Wegrand

Saar-Hunsrück-Steig 20. Etappe: Von Kastellaun zur Schmausemühle

Burg Kastellaun, Zwillingsbaum und Frankweiler Bachtal

An einem Zwillingsbaum lässt sich das Ehepaar Molz zu ihrer goldenen Hochzeit kurz vor Rudi Molz' Tod fotografieren. Der Tod des Schabbacher Gastwirts trifft Hermann und Clarissa tief, denn das Paar war immer eine Art Leitstern der ewigen Liebe für die beiden. Das symbolhafte Foto kauft Hermann als Andenken in einem Fotogeschäft in Simmern. In Gedenken an seinen alten Lateinlehrer assoziiert Hermann beim Anblick des Bildes die Geschichte von Philemon und Baucis von Ovid. Das arme Greisenpaar Philemon und Baucis wird wegen seiner Gastlichkeit von den Götter belohnt. Auf die Bitte der beiden, ihr Leben gemeinsam beschließen zu dürfen, werden sie in eine Eiche und eine Linde verwandelt, deren Äste sich umschlingen.

Kurz darauf kommt Hermann genau an die Stelle, an der das Foto gemacht wurde. Am Fuße des magischen Baumes unweit von Schabbach liegt der erschöpfte Hermann und schläft ein. In einer endlosen Kette von Alpträumen erlebt er seine Rückkehr nach Schabbach, die ihm vor Augen führt, dass die Heimat für immer verloren ist.

(aus dem Film: Heimat 3, Abschied von Schabbach, 1999, Teil 6)

So langsam zählte ich auf dem Saar-Hunsrück-Steig die verbleibenden Teilstrecken, die 20. Etappe war auch gleichzeitig die viertletzte auf dem Wanderweg des Jahres 2017. Es stand wieder eine längere Strecke an, von Kastellaun ging es zur Schmausemühle im Baybachtal.

Der Morgen war wieder sehr neblig, gegen 9 Uhr startete ich mit der Wanderung, zu Beginn durchquerte ich die Stadt, an diesem Wochenende war Bürgerfest, am Straßenrand standen Flohmarktstände. Durch die Altstadt gelangte ich hinauf zur Burg Kastellaun. Die Mauern des Saalbaus ragten im Nebel empor. Nach einem Rundgang durch das Gelände mit den imposanten Mauern des Palas in der Oberburg verließ ich wieder die Anlage, der Saar-Hunsrück-Steig leitete mich durch einen Park und weiter in das Trimmbachtal.

Der Nebel wurde dichter, eine schöne Stimmung an diesem Morgen. Zwei Wanderinnen befanden sich vor mir und wurden bald vom Nebel verschluckt, genauso wie ein Schwarm Enten, die über mich hinwegflogen. Auf dem Uhler Kopf – normalerweise sicherlich ein schöner Aussichtspunkt – stand eine Liegebank, nass vom Tau, noch verzichtete ich daher auf die Benutzung.

In Uhler beobachtete ich einige Minuten ein paar Hühner in einem Freigehege. Das nächste Ziel war die Junkersmühle, die ich bald erreichte. Es war noch zu früh zum Einkehren, durch Feld und Flur wanderte ich weiter. Flugzeuge im Anflug auf den Flughafen Hahn zogen über mich hinweg. Am Wegrand befand sich eine Kurzumtriebsplantage, sagte mir eine Tafel. Was war denn das? Der Text enthüllte den Zweck, hier werden schnellwachsende Gehölze angebaut, die für ein nahegelegenes Biomasseheizwerk verwendet werden, nämlich Weiden und Pappeln.

Das Erlebnisfeld Mannebach war das nächste Ziel. Man wird hier eingeladen, eine Reise in die Welt unserer Sinne zu unternehmen. Eine Besonderheit gibt es hier auch: Ein Tipi. Dieses kann für Übernachtungen gebucht werden. Der Nebel hatte sich inzwischen gehoben und die Sonnenscheibe war zu sehen. Eine Liegebank stand dort, die ich auch gleich in Beschlag nahm. Eine längere Pause schloss sich an, in der ich die Ruhe und Einsamkeit an diesem Ort genoss.

Nach einer längeren Rast wanderte ich durch Mannebach und hinauf zum Hunsrück-Eifel-Aussichtspunkt. Dort sollte ich einen „fantastischen Blick über die Mittelgebirgslandschaften des Hunsrücks und der Eifel haben” und „in nordwestlicher Richtung gut die Gebirgskette des Siebengebirges erkennen” – so die dortige Infotafel. Pustekuchen, zuviel Wasser in der Luft. Ich erblickte einige Windräder und hinab nach Mannebach – das war's. Aber auch dies war reizvoll, lag doch eine schöne Stimmung in der Luft.

Nicht weit entfernt befand sich ein Zwillingsbaum. Eine Szene der Serie Heimat wurde hier gedreht, eine Tafel erinnert an den Film. Bei einer kleinen Rast genoss ich den Blick über die Höhe und die Idylle des Hunsrücks. Ein schöner Ort. Nun kam auch die bisher schüchterne Sonne richtig heraus und der blaue Himmel zeigte sich.

Wieder auf dem Wanderweg, wanderte ich an einem Windpark vorbei; es wechselten sich Landwirtschaftsflächen und Wald ab. Die Landschaft öffnete sich schließlich wieder, ich blickte auf Heyweiler, im Hintergrund war Gondershausen zu sehen. Der Saar-Hunsrück-Steig leitete mich um den Ort, Strohballen lagen auf den Feldern, die Insekten summten und einige Schmetterlinge flogen umher – herrlich.

Beim Einstieg zur Traumschleife Baybachklamm standen die Autos an diesem Sonntag dicht an dicht. Am ersten Aussichtspunkt schaute ich hinab auf das Ziel dieser Etappe, die Schmausemühle. Doch zuvor waren noch etwa 4,5 Kilometer zu laufen, zunächst gemütlich an der oberen Hangkante entlang und zur Barreterlei. Den Felsen hatte ich für mich alleine und konnte in die umliegenden Täler blicken. Die bunten Blätter leuchteten in der Herbstsonne, die sich nun endgültig durch den Nebel gekämpft hatte.

Doch es ging nochmals aufwärts und an Feldern vorbei, immer wieder begegnete ich hier Wanderern. Schließlich führte mich der Weg hinab ins Tal. Zu Beginn am Frankweiler Bach entlang erreichte bald ich das Baybachtal. Immer wieder begrenzten schroffe Schieferfelsen den Hang, einige Kletterpassagen standen an. mit dem Rucksack auf dem Rücken und dem feuchten Schiefer unter den Wanderschuhen war dies kein einfaches Unterfangen. Umgestürzte Bäume überspannten den Wasserlauf. Es herrschte eine angenehme Ruhe, das Rauschen des Baches begleitete mich auf dem Weg. Nicht mehr lange und ich erreichte die Schmausemühle, meine Heimstatt am Ende dieses Teilstücks auf dem Saar-Hunsrück-Steig. Der Biergarten war dicht besetzt, ich bezog mein schönes Zimmer, viel Naturholz umgab mich dort und ich hatte auch einen tollen Balkon. Ein leckeres Fischgericht beschloss den tollen Wandertag auf dem Saar-Hunsrück-Steig.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 19,1 km, Anstieg: 260 m, Abstieg: 465 m