Ruine Grimburg

Saar-Hunsrück-Steig 6. Etappe: Von Grimburgerhof nach Reinsfeld

Grimburg und Frau Holle

Der Wind braust auf, als ich den Schieferfelsen erreichte. Schauen mich die Augen aus dem Gestein etwa direkt an? Ach was, das ist doch nur toter Fels. Da führt ein kleiner Pfad hinauf, also flugs den Rucksack abgesetzt, eine kleine Klettereinlage wäre jetzt genau das richtige. Warum? Weil ich es kann und Lust darauf verspüre. Also hoch, mit einem Ruck klettere ich eine einen Vorsprung hinauf. Autsch. Mist, meine Stirn ist eindeutig weicher als Schiefergestein. Jetzt hat mich doch glatt Frau Holle geküsst. Ich fühle nach, nun, sieht nach ein paar blutigen Schrammen aus. Ich lasse von meinem Vorhaben ab, Frau Holle auf den Kopf zu steigen. Und die Kratzer zieren mich wohl für einige Tage.

Erkunden der Grimburg

Diese Etappe war mit elf Kilometern recht kurz, so dass ich erst nach neun Uhr unterwegs war – es gab im Grimburgerhof allerdings auch erst ab 8:30 Uhr Frühstück. Der Himmel war bedeckt, als ich den Aufstieg zur Ruine der mittelalterlichen Grimburg anging. Wie ein übergroßer Phallus ragte der Bergfried vor mir auf, doch das hinderte mich nicht daran, den Turm über die vielen Holzstufen zu besteigen. Von oben blickte ich hinab auf die restaurierten Grundmauern der Burganlage und die umliegenden Täler.

Durch das Wadrilltal

Nach einer ausgiebigen Besichtigung der Burg führte mich der Saar-Hunsrück-Steig hinab ins Wadrilltal, laut Wanderführer ist dieser Abschnitt „Entspannung pur. Der Weg führt uns durch das einsame, ruhige und naturnahe Tal der Wadrill.”

Der erste Abschnitt im Tal führte mich größtenteils auf Schotterwegen entlang. Nach dem Queren einer Straße lief ich durch den eindeutig schöneren Teil: Auf einem Graspfad wanderte ich zwischen Wald und Wiesen entlang. Ich war aufgrund der vorherigen Etappen mit den herrlich ursprünglichen Bachtälern doch recht anspruchsvoll geworden und das Wadrilltal könnte da leider nicht mithalten.

Am Keller Steg war der weitere Verlauf des Saar-Hunsrück-Steigs gesperrt, da ein Biber mit seinem Bau den Weg unter Wasser gesetzt hatte. Die hervorragend ausgeschilderte Umleitungsstrecke leitete mich auf der anderen Talseite entlang. Am Wegrand befanden sich nun Schieferfelsen, eine Abwechslung gegenüber den Quarzitfelsen der letzten Tage. Der Hunsrück gehört geologisch zum Rheinischen Schiefergebirge, nun tritt das Gestein auch erstmalig auf der Tour zutage.

Ein Vorteil hatte die Umleitung: Ich kam am Aussichtspunkt Kändelchen vorbei, die überdachte Hütte bot sich für eine schöne Rast an. Mein Blick ging hinab in das Wiesental.

Besuch bei Frau Holle

Nach dem Abstieg von der Hütte traf ich wieder auf den Saar-Hunsrück-Steig. Wiesen bestimmten weiterhin das Tal, durch das sich der Bach schlängelte. Nun dauerte es nicht mehr lange und ich verließ den Steig, auf der Zuwegung gelangte ich zunächst zu Frau Holle, einem imposanten Felsen. Nach einem mittelalterlichen Volksglauben sollten hier die Augen von der Märchenfigur zu sehen sein – und mit etwas Fantasie konnte ich diese auch erkennen.

Eine Besonderheit des Felsens ist, dass zwei der im Hunsrück am häufigsten vorkommenden Gesteine nebeneinander zu sehen sind: Quarzit und Tonschiefer. Auf Quarzit (eigentlich ja ein Mineral) stieß ich immer wieder auf den letzten Etappen, nun kam der Schiefer hinzu.

Nach dem Zwischenfall mit der missglückten Kletteraktion wanderte ich weiter auf der Zuwegung. Kurz vor Reinsfeld passierte ich das Bibertal, dort befindet sich ein See, der durch einen Biberdamm aufgestaut wurde.

In Reinsfeld endete schließlich nach nur fünf Stunden diese Etappe. An der Straße stand noch eine Lok der einstigen Hochwaldbahn, deren Trasse früher hier verlief und inzwischen zu einem Radweg umgebaut wurde. Die Hochwaldbahn verlief von Trier über Hermeskeil nach Türkismühle. Direkt gegenüber befand sich auch meine Unterkunft, der Jägerhof.

Die frühe Ankunft nutzte ich, um mich um die Unterkünfte in der Folgewoche zu kümmern.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 10,8 km, Anstieg: 200 m, Abstieg: 90 m