Der Saar-Hunsrück-Steig führt über den Keltenwall

Saar-Hunsrück-Steig 8. Etappe: Von Otzenhausen nach Börfink

Keltenwall, Dollberge und Tirolerstein

Man schreibt den 19. Januar des Jahres 1741. Thomas, ein fahrender Händler aus Tirol und im ganzen Hochwald bekannt, macht sich an diesem schneereichen Tag auf, um von Abentheuer die Märkte in Züsch und Malborn zu besuchen. Seine Ankunft wird fest erwartet, er trifft dort jedoch nicht ein. Man befürchtet das Schlimmste, die Gerichtsschöffen des Amts Birkenfeld, Pauli und Faber, erhalten zusammen mit dem Polizeiwachtmeister die Order, den Wald zu durchsuchen. Der Suchtrupp sieht den Kramkasten des Händlers aus dem Schnee herausragen. Als sie näher kommen, erblicken sie auch den toten Thomas in einer Blutlache. In seinen Kleidern finden sie nur noch persönliche Gegenstände, sein Geld ist verschwunden.

Besuch im Keltendorf

Bei meinem Aufbruch am Morgen in Otzenhausen war es sehr neblig. Mein Weg führte mich zunächst hinauf zum Einstiegspunkt am Parkplatz unterhalb des Keltenwalls, hier traf ich wieder auf den Saar-Hunsrück-Steig. Ich kam allerdings nur einige Meter weit, denn das rekonstruierte Keltendorf lag am Wegrand. Dieses wurde im Frühjahr 2016 eröffnet, nachdem in den Vorjahren fleißig an den Wohn- und Handwerkshäusern gebaut wurde. Es zeigte, wie ein Keltendorf vor 2000 Jahren ausgesehen haben könnte.

Ich war kurz nach 10 Uhr dort und der erste Besucher. Durch den Nebel erschien​ die hölzerne Palisade mit den ersten Häuser, ich wurde in eine frühere Zeit versetzt. Angenehme Stille lag über dem Dorf, als ich meinen Rundgang durch die Gebäude machte. Leider waren noch nicht alle Gebäude eingerichtet, das soll erst in den nächsten Jahren geschehen. Teilweise eingerichtet waren die Schmiede und das Backhaus.

Imposanter Keltenwall

Nach der Besichtigung wanderte ich in den Nationalpark hinein. Zunächst hatte ich an diesem Sonntag Morgen den Wald für mich alleine. Der Nebel tropfte von den Blättern, neben meinen Schritten war das das einzige Geräusch. Bald schon passierte ich die ersten Relikte des ehemaligen Keltenwalls. Schemenhaft ragten auf meinem Weg die Bäume aus dem Nebel.

Auf dem Plateau störte leider kurzzeitig eine Schreihals-Familie die Ruhe. Nach einer kleinen Rast kam der absolute Höhepunkt: Die steinerne Treppe am Nordwall. Eine Infotafel zeigte, wie der Wall ursprünglich aussah, eine grandiose Leistung in der damaligen Zeit. Der Keltenwall war nämlich eine 25 Meter hohe Mauer, die vor Angriffen schützen sollte. In ihm befand sich die geschützte keltische Siedlung.

Immer noch herrschte dichter Nebel, das gab dem Wall einen mystischen Anstrich. Der Saar-Hunsrück-Steig führte nun über die steinerne Treppe in den Wald hinauf. Diese wurde 1849 geschaffen, als der preußische Prinz Wilhelm die Anlage besuchte.

Entlang der Dollberge

Bald zeigten Steine die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland an. Auf den Dollberg, die höchste Erhebung des Saarlands, wies ein Schild hin. Weiter ging es auf dem Kamm der Dollberge weiter. Überall lagen vermodernde Baumstämme umher.

Einmal begegneten mir zwei Wanderinnen, dann hatte ich den Wald wieder für mich alleine. Unterwegs passierte ich immer wieder Fichtenmonokulturen, hier wird es noch eine lange Zeit dauern, bis der Urwald von morgen entsteht.

Bei einer Liegebank hätte man sicherlich eine schöne Aussicht – doch die Wolken hingen immer noch recht tief und so wurde es nichts mit dem Blick auf die Umgebung. Das tat meinem Wanderspaß jedoch keinen Abbruch, immer wieder hielt ich an und genoss die Ruhe. Nur gedämpft drangen die Geräusche aus dem Tal zu mir herauf.

Drama um einen Händler

Das nächste Ziel war auch bald erreicht: Der Tirolerstein. Das Kreuz erinnert an den Raubmord an den Händler Thomas. Der Täter wurde nie gefasst. Der Rastplatz neben der Gedenkstätte war mir willkommen, eine Pause tat gut.

Wieder auf dem Weg überholte mich ein E-Mountainbike, das Surren hörte ich bereits, als er sich noch hinter mir befand. Ein Stückchen weiter saß eine Kröte unbeweglich auf dem Weg und kurz darauf querten auch noch zwei Rehe den Weg. Der Saar-Hunsrück-Steig leitete mich nun langsam abwärts, ein Wegweiser zeigte mir nur noch 2,5 Kilometer bis zum Etappenziel Börfink an. Inzwischen hatte sich auch die Sonne durch den Nebel gekämpft.

Längere Zeit wanderte ich nun auf einem breiten Schotterweg, die Sonne zauberte einen Doppelgänger vor mir auf den Boden, der mit mir Schritt hielt. Der Wind rauschte durch die Bäume, Schäfchenwolken zogen am Himmel – erstaunlich, wie sich das Wetter ändert, wenn man das Tal wechselt. Schließlich zweigte der Wanderweg ab und auf Trittsteinen querte ich den schmalen Hengstbach. Ein schönes Wiesental öffnete sich, ein Pfad führte aufwärts. Auf der Anhöhe befand sich ein schöner Rastplatz, leider war er belegt. Doch als ich mich näherte, brachen sie auch schon auf. So hatte ich eine schöne sonnige Pause mit Blick in das Tal und auf den Forellenhof.

Ich betrachtete die Wolken, wie sie über die Landschaft hinweg zogen und stellte mir Tiere vor, die sie darstellten: ein Flughase, ein Schweinedrache und auch ein Elefant waren darunter.

Weiter auf dem Wiesenweg erreichte ich bald den Zuweg nach Börfink zur Alten Mühle, ein gemütliches Gasthaus mit leckeren Hunsrücker Gerichten, das für zwei Nächte mein Zuhause war. Am nächsten Tag stand ein Pausentag an, an dem ich die Traumschleife Trauntal-Höhenweg erwanderte. Ich bekam bei meiner Ankunft den Tipp, doch nachts das Fenster offen zu lassen, es seien die nächtlichen Brunftschreie der Hirsche zu hören. Und tatsächlich, in der Nacht röhrte ein Hirsch laut im Wald herum. Mit der Zeit kann das aber eine heftige Ruhestörung sein.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 14,6 km, Anstieg: 315 m, Abstieg: 245 m