Blick vom Kurgarten auf die Klosterkirche

Baiersbronner Himmelsweg: Mönch-Tour

Kloster Reichenbach, Genussplatz und Gallenbrunnen

Auf den fünf Etappen auf der Murgleiter im September hatte ich noch einen Reservetag eingeplant. Da ich diesen nicht nutzte, konnte ich nach Abschluss der Mehrtageswanderung noch eine Tour bei Baiersbronn absolvieren. Ausgesucht hatte ich mir nach den langen Etappen der Vortage eine kürzere Strecke, nämlich die Mönch-Tour, die in Klosterreichenbach beginnt und 12 Kilometer aufweist.

Mit der S-Bahn dauerte es nur wenige Minuten von Baiersbronn zur S-Bahn-Haltestelle in Klosterreichenbach. Ein Wegweiser „Start Wanderwege” zeigte mir die Richtung zum Einstieg der Tour an, die am Neuen Kurgarten beginnt. Ich entschied mich dafür, den Weg im Uhrzeigersinn zu laufen, so hatte ich einen langsamen Anstieg. Gleich zu Beginn besuchte ich das ehemalige Kloster, einige Gebäude und die Klosterkirche sind heute noch vorhanden.

Kloster Reichenbach

Das Kloster Reichenbach wurde 1082 von den Benediktinern an der Mündung des Reichenbachs in die Murg gegründet und geht auf eine Schenkung an das Kloster Hirsau zurück. Drei Jahre später wurde die Klosterkirche zu Ehren des Heiligen Gregors eingeweiht. Es entstanden auch weitere Gebäude um die Klosterkirche. Im 16. Jahrhundert führte man die letzten Baumaßnahmen durch.

Im Jahre 1603 wurde mit der Reformation des Klosters Reichenbach ein protestantischer Pfarrer eingesetzt. Ein Rekatholisierung erfolgte während des Dreißigjährigen Kriegs, die Mönche aus der Benediktinerabtei St. Martin mussten allerdings nach dem Westfälischen Frieden 1648 wieder abziehen.

Im 19. Jahrhundert wurde das Kloster nach den damaligen Vorstellungen renoviert, nachdem man es als Baudenkmal wiederentdeckte. In den 1960er Jahren wurde die Klosterkirche nach dem ursprünglichen romanischen Baustil einer Mönchskirche wiederhergestellt.

Zunächst leitete mich das Wegzeichen, ein stilisierter grüner Mönch, durch den Kurpark und ein kleines Stück eine Straße entlang. Am Waldrand teilte sich die Markierung, ich entschied mich dafür, den Wanderweg im Uhrzeigersinn zu laufen. Zunächst folgte ich daher dem Verlauf des Reichenbachs durch den Talgrund, Tau glitzerte im Gras der Wiesen. Dort, wo die Sonne die feuchten Gehölze erreichte, dampfte es leicht. Ein kleiner Abstecher auf einem Holzsteg brachte mich zur Klosterquelle, das Wasser strömte klar aus dem Untergrund.

Klosterquelle

Eine wichtige Voraussetzung bei der Ansiedlung eines Klosters war die Trinkwasserversorgung, dazu bot sich die ergiebig sprudelnde Quelle an. Dazu wurde die Quelle zunächst gefasst und mittels eines kleinen Holzkähner (Wasserbrücke) zum gegenüberliegenden Hang geleitet. Usprünglich floss es von dort in einem offenen Graben ins Kloster, später wurde der Wasserlauf in Holzrohre geführt, um das kostbare Nass vor Verunreinigung zu schützen. Das gemauerte Gewölbe bildet die sogenannte Brunnenstube, die Quellfassung der Klosterquelle.

N 48° 31.298', E 8° 24.746'

Rast am Genussplatz

Langsam leitete mich der Weg aufwärts, Kühe standen auf einer Wiese und der Bach murmelte leise im Tal. Am Märtesweiher vorbei gelangte ich zum Genussplatz am Simonsbrunnen. Genuss? Nun, eine hölzerne Plattform stand hier bereit, dem Wanderer eine Pause zu gönnen. Das nahm ich an diesem herrlichen Ort natürlich gerne an. Die Sonne schien durch das Blätterdach der Bäume, Ruhe umgab mich, Insekten summten um mich herum, einige Vögel zwitscherten. Der Brunnen selbst war aufgrund der niederschlagsarmen Monate trockengefallen.

Nach einiger Zeit des Müßiggangs machte ich mich wieder auf den Weg. Die herbstlichen Blätter taumelten golden angeschienen und durch den Wind bewegt auf den Boden. An der Stoffelshütte vorbei führte mich ein schöner Pfad bergan, der auf einem Schotterweg endete. Es dauerte nicht lange bis zum nächsten Höhepunkt der Wanderung, dem Gallenbrunnen (Historischer Glasbrunnen). Eine Infotafel erzählte mir von seiner Vergangenheit.

Gallenbrunnen

Um das Jahr 1200 wurden im Schwarzwald vermehrt Glashütten mitten im Wald errichtet, um näher an den Holzvorkommen zu sein – im Gegensatz zur römischen Zeit, als diese bei den Städten standen. Die Glaserzeugung war dabei eng an die Klöster gebunden. Die Jahresproduktion belief sich auf etwa 5000-7000 Kilogramm Glas. Aber bereits im 16. Jahrhundert ging in der Region die Waldglasherstellung wieder zurück.

Auch an dieser Stelle befand sich einst eine Glashütte mit einem Brunnen. Er war etwa 2,5 Meter tief. Im Jahre 2011 wurde er mit einem Schutzdach versehen, der Brunnenrand aufgemauert und auf eine Tiefe von ca. sechs Meter ausgeräumt. Am Gallenbrunnen kreuzten sich einst wichtige Wege, auch ein alter Mönchsweg vom Kloster Reichenbach zum Kloster Alpirsbach führte hier vorbei.

N 48° 29.953', E 8° 24.046'

Am Friedensbaum

Einen schönen Rastplatz erreichte ich einige Minuten später: Bänke um den 1872 gepfanzten Friedensbaum, einem imposanten Mammutbaum, luden mich erneut zur Pause ein. Schattig war es auch, ich genoss die Ruhe um mich herum. Wieder unterwegs brachte mich eine Liegebank erneut in Versuchung, die Aussicht war schön: So konnte ich den Schliffkopf erkennen, das Ziel der letzten Etappe auf der Murgleiter, den ich am Vortag besucht hatte. Ich hatte Zeit und machte eine längere Rast, genoss die Sonne und ließ mir den leichten Wind um die Nase wehen.

Die Mönch-Tour leitete mich zunächst auf einem Schotterweg wieder abwärts und schließlich auf einen tollen Trail, Farne standen Spalier. Zwei prachvolle Fliegenpilze hatten sich frisch durchs Moos gebrochen. Es ging in den Wald hinein und auf dem weichen Boden am Berghang entlang. Fichtenzapfen lagen im Massen umher und Buntsandsteinfelsen säumten die Umgebung. Der Pfad brachte mich weiter hinab, die Geräuschkulisse des Ortes war nun wieder deutlich zu vernehmen. Als die Sonnenstrahlen auf den dichten Moosteppich beiderseits des Weges fielen, leuchtete er in einem saftigen Grün.

An einem Aussichtspunkt ließ ich meinen Blick auf Klosterreichenbach hinab- und in das Murgtal hineinschweifen. Nun war es nicht mehr weit bis in den Ort, das Schwimmbad lockte angesichts der warmen Temperaturen, doch es war bereits geschlossen. Am Kurpark endete die Wanderung schließlich wieder, von dort war es nicht mehr weit zur S-Bahn-Haltestelle.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 12,0 km, An-/Abstieg: 335 m

Weitere Informationen

Mit der S-Bahn gelangt man bequem von Freudenstatt oder Rastatt nach Klosterreichenbach, von der S-Bahn-Haltstelle sind es 250 Meter zum Einstiegspunkt am Kurpark. Bei Anfahrt mit dem Auto besteht eine Parkmöglichkeit direkt am Einstieg zur Mönch-Tour am Kurpark.