Aussicht vom Merkur-Turm auf Baden-Baden

Gernsbacher Runde

Idyllisches Steintal, Lautenfelsen und Merkur

Der Name des Wanderwegs – Gernsbacher Runde – klingt jetzt gegenüber anderen Premiumwegen nicht gerade spannend. So enden viele zertifizierte Wege doch auf „-steig” oder haben auch das Wort „Panorama” im Namen. Trotzdem ist er mit 42 km und über 1300 Höhenmetern nicht zu unterschätzen. Die Gernsbacher Runde wurde bereits 2007 zum ersten Mal vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert. Die Tour beginnt in Gernsbach und führt auf die Berge im unteren Murgtal. Der Weg ist mit einer rote Blüte markiert.

Im April ging es für zwei Tage in das schöne Schwarzwaldtal mit Übernachtung etwa in der Mitte der Tour, in Weisenbach. Die Runde beginnt nicht direkt am Bahnhof in Gernsbach, sondern etwa 1,5 km entfernt am Parkplatz Laufbachtal, dem sogenannten „Portal Gernsbacher Runde”. Am Bahnhof selbst zeigt ein Wegweiser über die Gleise, den Weg zum Einstiegspunkt habe ich nur über den Track auf meinem GPS-Gerät gefunden, eine Zuwege-Markierung habe ich doch etwas vermisst.

Laufbachwasserfälle in Loffenau

Der Himmel zeigte sich am ersten Tag leider von seiner bedeckten Seite, dafür war die Fernsicht recht gut. Zu Beginn führte die Markierung vom Portal aus das Laufbachtal entlang des gleichnamigen Bachs hinauf nach Loffenau. Kurz vor dem Ort führte ein (nicht markierter) Pfad zu einer Brücke, von der ich die Laufbachfälle erblickt.

In Kaskaden fällt das Wasser die Rinne hinab, zu früheren Zeiten stand nahe der Brücke eine Ölmühle, die das Gefälle nutzte. Nach dem Verlassen des Ortes geht es auf einem Landwirtschaftsweg zur Illertkapelle. Auf dem Weg dorthin schweift der Blick bei guter Sicht über die Rheinebene bis zu den französischen Vogesen.

Durch das idyllische Steintal

Im Jahre 1869 beschloss die Gemeinde Lautenbach den Bau dieser Kapelle, die 1960 renoviert und erweitert wurde. Hier blickt man über das Örtchen Lautenbach im Tal, bevor es auf einen schönen kleinen Pfad geht. Leider ist er viel zu kurz, gelangt man doch wieder auf einen Asphaltweg. Doch dann kommt man zu einer der schönsten Passagen der ersten Etappe, wie ich finde: dem idyllischen Steintal. Der kräftige Anstieg auf dem naturnahen Weg führt entlang des rauschenden Lautenbachs, die Hänge sind gesäumt von stark moosbewachsenen Felsen.

Ausblicke vom Lautenfelsen

An Ahornwiese ist der Anstieg geschafft, eine Bank lädt zur Rast ein. Doch die nächsten Höhepunkte lassen nicht lange auf sich warten, der Lochfelsen und vor allem der Lautenfelsen: Auf einem kleinen Felsenpfad gelangt man zu dem Aussichtspunkt, von dem man über das untere Murgtal mit Gernsbach und Gaggenau und in die Rheinebene hineinblickt.

Leider hatte ich nur wenige Minuten zur Verfügung, die Sicht in Ruhe zu genießen, den nun kam eine größere Damenwandertruppe vorbei, die auf der kleinen Kanzel ihre Mittagspause absolvierte.

Der weitere Verlauf des Wanderwegs führte nun eine längere Strecke auf breiten Forstwegen entlang. Unterhalb des Rockertkopfs leitete mich ein schöner Pfad zur Elsbethhütte, auch hier nahm ich mir die Zeit, den Ausblick auf die Umgebung zu genießen und eine kurze Rast zu machen.

Kunstweg am Reichenbach

Ab Reichental führt die Gernsbacher Runde nun auf dem Kunstweg am Reichenbach entlang. Einzelne Kunstobjekte stehen am Wegrand, einige auch innerhalb von ehemaligen Heuhütten, ein Blick hinein lohnt sich.

Ich erreichte schließlich Hilpertsau. Dort überquerte ich die Murg und wanderte auf einem kleinen Pfad wieder aufwärts. Kurz darauf verließ ich den Wanderweg und lief nach Weisenbach zum Grünen Baum, wo meine erste Etappe nach knapp acht Stunden endete.

Innehalten an der Antoniuskapelle

Der zweite Tag war wettermäßig konträr zum ersten Tag, strahlend blauer Himmel begrüßte mich am Morgen. Zu Beginn führte der Wanderweg auf einem schönen Pfad oberhalb von Hilpertsau entlang nach Obertsrot. Ich blickte auch gleich auf das Schloss Eberstein, das ich später besuchte. Es ging in ein stilles Seitental hinein zur Antoniuskapelle. Es lohnte sich innezuhalten und den Vögeln und dem Rauschen des Wassers zu lauschen.

Nach einem Abstecher zum Schloss Eberstein ging es auf einem Waldpfad zu einer ehemaligen Erzgrube, in dem einige Figuren standen. Hier führt auch der Gernsbacher Sagenweg vorbei und erzählte die Geschichte des ehemaligen Bergwerks.

Aufstieg und Ausblicke auf dem Merkur

Ich wanderte nun immer bergan, nach einer Weile blickte ich hinab ins Murgtal und hinauf zum Merkurgipfel, bevor ich den Pass am Müllenbild (Nachtigall) erreichte. Dort befinden sich Gaststätten und an diesem schönen Sonntag war hier einiges los. Im weiteren Verlauf des Weges ging es steiler aufwärts. Aus dem Wald herauskomment schaute ich auf den Merkur mit seinem Aussichtsturm.

Vorher gelangte ich zum Binsenwasen, einige Bänke boten sich zur Rast und Stärkung an, bevor es an den steilen Aufstieg auf den Merkur ging. Ob angekommen erwartete mich viel Trubel, erreicht man doch auch mit einer Bergbahn ebenfalls auf den Gipfel. Im Aussichtsturm befindet sich sogar ein Aufzug, mit dem man zur Plattform gelangt.

Mir persönlich war hier zu viel Trubel, also lief ich nach einer kurzen Pause auch gleich weiter. Ab nun gehorchte ich der Schwerkraft, denn die Wegmarkierung führte auf einem angenehmen Serpentinenpfad bergab. Nach dem Überqueren einer Straße ging es leider wieder auf einen breiten Teerweg, der oberhalb von Staufenberg entlang führte. Unterwegs gab es einige schöne Aussichtspunkte auf den Ort. Ab dem Lieblingsfelsen (den ich leider nicht entdecken konnte) führte der Wanderweg noch über eine Schleife durch Streuobstwiesen mit herrlichen Blicken auf Gernsbach.

Ab dem Rehazentrum leitete mich die Markierung durch Gernsbach zum Bahnhof, an dem nach etwa sieben Stunden meine zweite Etappe endete.

Karte, Höhenprofil und GPS-Track

Länge: 43,0 km, An-/Abstieg: 1.435 m