Plüschiges Lama

Spessart

Lamafarm und Rodfeldturm

    Auf Einladung von Alex von Wandern Hessen, Taunus, Spessart, Odenwald fuhr ich in den Spessart, um dieses Mittelgebirge einmal näher zu erwandern. Dies war auch das erste Mal für mich, dass ich mit dem IC zu einer Tageswanderung fuhr. In Langenselbold wurde ich abgeholt, zusammen führen wir nach Freigericht-Neuses.

    Zunächst führte uns der Weg durch den Ort und schließlich in die „Wildnis” auf einem schönen Graspfad an drei Seen im Park „Horbach-Stutz/Sandkaute” vorbei. Wir erzählten viel und als wir im Wald einmal still waren, könnten wir dem Rauschen des Windes in den Baumwipfeln lauschen. Das Laub raschelte unter unseren Schritten.

    Wir gelangten nach Horbach, drei übergröße Mohnblüten begrüßten uns am Rand eines Gewerbebetriebs und riesige Lettern des Ortsnamens standen an einem Feld. Nun beehrte uns auch die Sonne, die durch die dünne Wolkendecke hervorlugte.

    Hier trafen wir auch auf die erste Wegmarkierung, der blaue Schmetterling versteckte sich schüchtern zwischen dem Efeu an einem Baum. Auf der Höhe verließen wir auch gleich wieder die Markierung. Es ging nun wieder hinab, die bunten Blätter leuchteten herrlich in der Herbstsonne. Ein Bürostuhl stand verlassen im Wald – oder war das der Outdoor-Arbeitsplatz des hiesigen Försters? Wir werden es wohl nie erfahren.

    Lamafarm Sonnenhof

    Meine Wanderführerin wies mich an einer Abzweigung darauf hin, nicht nach rechts zu schauen, die Sehenswürdigkeit würden wir in Kürze besuchen, doch zuerst machten wir einen Abstecher zur Lamafarm des Sonnenhofs. Sie sahen so putzig aus mit ihrer Haarpracht. Vor allem ein Lama hat es uns angetan, hatte es doch etwas Pudelhaftes an sich. Wer mit Lamas in Kontakt kommen möchte oder selbst beabsichtigt, Lamas zu halten, kann hier auch Kurse belegen.

    Zwischendurch kamen sich zwei Lamas im Nachbargehege in die Wolle, sofort hatten sie die Aufmerksamkeit der anderen auf sich gezogen, sie kamen näher, um sich das Spektakel anschauen. Doch es dauerte nicht lange, und es kehrte wieder Ruhe ein. Wir beobachteten sie noch ein Weilchen, ein Lama stand direkt vor uns am Zaun, die Zähne des Unterkiefers standen schräg ab.

    Fatimakapelle Bernbach

    Wir rissen uns bald von dem Anblick der putzigen Tierchen los und liefen ein Stück zurück und zur Fatimakapelle. Aha, dieses Bauwerk sollte ich also nicht zu früh sehen. Und in der Tat, eine offene Kapelle sah man nicht jeden Tag. Sie wurde zwischen 1954 und 1958 aufgrund eines im Zweiten Weltkriegs gegebenen Versprechens errichtet.

    Viele Stufen liefen wir nach einer kurzen Fotopause hinauf. Immer wieder zogen tiefe Flugzeuge über uns hinweg. Bald trafen wir auf die Markierung der Spessartfährte und gelangten zu Fischweihern, schön war es hier und die Kirchturmglocken läuteten zur Mittagsstunde.

    Nicht lange und wir kamen zum idyllisch gelegenen Krötenweiher. Der blaue Himmel spiegelte sich im Wasser und die bunten Blätter am Gewässerrand bildeten einen tollen Kontrast und leuchteten in der Sonne. Der Weg führte nun langsam aufwärts und unsere Blicke schweiften weit über die Kulturlandschaft bis zum Kinzigtal und Gelnhausen. Die Steinbrüche oberhalb der Stadt waren gut zu erkennen.

    Mariengrotte Horbach

    Nun leitete uns die Spessartfährte in einem Bogen in den Wald. Die leuchtenden Herbstblätter verzauberten uns immer wieder aufs Neue. Im Näßlichbachtal erreichten wir die imposante Mariengrotte, die vielen Sitzgelegenheiten luden zur Rast ein, dieses Angebot nahmen wir auch gerne an. Das Wasser rauschte im nahen Brunnen, leider drangen auch die Geräusche des Autoverkehrs an unsere Ohren.

    Die Mariengrotte wurde als Dank errichtet, dass Horbach von größeren Zerstörungen am Kriegsende 1945 verschont geblieben war. Im August 1949 wurde die Lourdesgrotte feierlich eingeweiht.

    Wieder auf dem Weg passierten wir ein flächenhaftes Naturdenkmal – was auch immer hier als Denkmal gilt. Am Gondelteich stand eine weit ausladende Weide, die Äste spannten eine Bogen über den Weg und fast bis ins Wasser. Diese warfen lange Schatten und die Herbstsonne glitzerte durch die Äste, wir kamen aus dem Fotografieren fast nicht heraus.

    Rodfeldturm und Fernblick

    Doch nun wanderten wir teils kräftig bergan, nun begleitete uns das Wegzeichen des Spessartbogens. Auf einem angenehm zu laufenden Schotterweg wanderten wir ohne nennenswerte Steigungen entlang. Nach einer Weile erreichten wir den Fernblick mit dem Rodfeldturm. Nach dem Erklimmen der Stufen wurden wir mit einem tollen Blick auf Neuses und die sanfte Hügellandschaft des Spessarts belohnt, in der Ferne erblickten wir die Ronneburg. Eine Schafherde graste friedlich auf der Wiese unterhalb des Turms. Die nahe Landgasthof Fernblick war leider geschlossen. Der Aussichtsturm wurde im Jahr 2000 zur 1000-Jahr-Feier von Neuses errichtet.

    Nun führte der Weg nur noch hinab. Die Schafherde rannte auf einmal an uns vorbei und auf die benachbarte Weide – was hatte sie wohl nur so erschreckt? Pilze standen am Wegrand, als wir bergab liefen. Die ehemalige Rodfeldeiche lag am Wegrand, übrig war nur noch der Torso des ehemals stattlichen Baumes. Die Eiche fiel 2007 dem Sturm Kyrill zum Opfer, nachdem sie über 300 Jahre als wurde und als Wahrzeichen der Region galt. Es dauerte nun nicht mehr lange und wir erreichten Neuses, wo diese schöne und abwechslungsreiche Wanderung wieder endete.

    Danke an Alex für die Ausarbeitung der tollen Runde im Spessart, es hat viel Spaß gemacht. Das nächste Mal möchte sie mir den Taunus nahe bringen – ich bin gespannt.

    Karte, Höhenprofil und GPS-Track

    Länge: 19,5 km, An-/Abstieg: 400 m