Badewanne

Hochtaunus

Die Badewanne im Garten der Versuchung

    Über hundert Stufen musste ich gehen,
    Um eine Burg zu sehen.
    Bei dem Garten baumelte eine Teekanne,
    In Versuchung brachte mich die Badewanne.
    Satt wuchs der Wacholder auf der Heide,
    Ich traute kaum meinen Augen, Kamele auf der Weide?
    Der Paul, in einen Baum verwandelt,
    Oh Schreck, mit wem hat er nur angebandelt?
    Am Ende, der Höhepunkt auf dem Pferdskopf,
    Der Turm, die Aussicht, die Gelegenheit nahm ich beim Schopf.
    Der Taunus, ich sag's nicht leise,
    Ist es wert, zu machen eine Reise.

    Auf Entdeckungsreise im Hochtaunus

    Mit dem ICE zum Wandern fahren? Warum nicht, und mit Sparpreis ist es sogar günstiger als ein Nahverkehrsticket. Alex von Wandern Hessen, Taunus, Spessart, Odenwald hatte mich eingeladen, sie bei einer Wanderung zu begleiten. Nach dem Spessart zeigte sie mir diesmal einige Schönheiten des Taunus – und, um es vorwegzunehmen, ich war begeistert.

    In Bad Vilbel trafen wir uns, dann ging es mit dem Auto weiter nach Treisberg im Hochtaunuskreis. Schon die Anfahrt über die Dörfer war ein Genuss, in den Tälern gedieh saftiges Grün und über allem wölbte sich ein strahlend blauer Himmel. Dann ging es hinauf, wir starteten die Runde in Treisberg, unterhalb des 663 Meter hohen Pferdskopfs.

    Auf dem Schinderhannes-Steig

    Zunächst wanderten wir auf dem Schinderhannes-Steig durch den Ort hinunter. Die Schinderhannes-Bande trieb also auch hier ihr Unwesen, ich traf auf den Namen auch bei meiner Wanderung auf dem Saar-Hunsrück-Steig. Eine Schafherde graste friedlich auf einer Weide, unser Weg führte durch den Wald bergab in das Weiltal. Dort erwartete uns die erste Sehenswürdigkeit der Runde, die Kirchenruine Landstein. Oder, wie sie bei OpenStreetMap ausführlicher bezeichnet wird: Kirchturmruine der ehemaligen Liebfrauen-Wallfahrtskirche. Direkt an der Ruine befindet sich auch eine Holz-Skulptur, bei der vier Holzfiguren zusammenstanden, mit etwas Fantasie war das nicht ganz jugendfrei.

    Nun machte der Schinderhannes-Steig seinem Namen auch alle Ehre und das richtige Steig-Feeling kam auf: Ein schmaler und steiler Pfad windet sich den Berg hinauf. An einer Bank verließen wir den markierten Wanderweg und absolvierten eine Schleife über den Hundert-Stufen-Weg. Bizarre Schieferfelsen ragten am Wegrand auf, die auch tolle Fotomotive abgaben. Umrahmt wurden diese von knorrigen Eichen. Wir waren fasziniert von der Landschaft und prompt liefen wir auch auf dem Grat weiter, merkten aber bald, dass wir eine Abzweigung verpasst hatten.

    Auf dem rechten Weg gelangten wir zu einer Hütte, die Feuerstelle war vorbereitet und die Sitzbänke waren mit weichem Moos bedeckt – ein schönes Fleckchen. Trotzdem zog es uns weiter, wir hatten ja noch einiges an Strecke vor uns. Wieder zurück auf dem markierten Weg wanderten wir durch herrlichen Buchenwald abwärts. Zwischendurch unternahmen wir noch einen Abstecher zum Bayrhoffer-Brunnen. Das glasklare Wasser entspringt einem Felsen, die Quelle wurde gefasst und auf einem Sims standen einige Figuren.

    Burgruine Altweilnau

    Kurz darauf erreichten wir Altweilnau, die Burganlage war der nächste Höhepunkt: Weit ragt der Turm auf, von ihm schweift der Blick über das Weiltal und nach Neuweilnau, dem nächsten Ziel. Doch zunächst stand eine längere Pause an, war es doch nun schon Mittagszeit. Und auf dem Areal befindet sich eine Liegebank, auf der man sogar schaukeln konnte.

    Schloss Neuweilnau und der Garten der Versuchung

    Auf größtenteils unmarkierten Wegen liefen wir weiter, nach der Erbismühle liefen wir aufwärts und suchten dann den Pfad, der uns zum Schloss Neuweilnau bringen sollte. Dank GPS-Gerät und einer guten OpenStreetMap-Karte konnten wir den Einsteig schließlich finden. Leider war das Schloss nicht zugänglich, doch der nahe Garten der Versuchung bot sich als Alternative an. Dieser ist eine Station des Pfads der Sinne, der vom Großen Feldberg durch das Weiltal führt.

    „Ein Garten der betört: historische Rosen mit den feinsten Düften, Stauden in den prächtigsten Farben, schmackhaftes Gemüse wo man es nicht vermutet, Äpfel, Nüsse und Beeren mit den feinen Aromen – dazu ein Blick der überwältigt …”, wie ein Blick auf die Website verspricht.

    Am meisten beeindruckte uns allerdings eine alte Badewanne, die mitten im Garten stand. Wir räumten sie kurzerhand leer (Gießkannen und Mistgabel mussten weichen). Von der Wanne aus ergab sich ein ganz anderer Blick auf den Garten: Liegend in der Badewanne im Garten der Versuchung – das Leben kann so wunderbar sein.

    Wacholder in der Riedelbacher Heide

    Doch auch hiervon mussten wir uns losreißen; wir setzten unsere Wanderung fort. Wir wanderten durch den Ort hinab ins Schnepfenbachtal, das uns mit seinen grünen Wiesen beeindruckte. Dazu zwitscherten die Vögel, der Bach rauschte und die Flugzeuge brummten am Himmel. Die Dreieck-Markierung leitete uns längere Zeit langsam im Wald aufwärts. Nun konnten wir mal richtig Strecke machen. Der Anstieg endete schließlich an der Riedelbacher Heide, die für den größten zusammenhängenden Wacholderbestand im Hochtaunus bekannt ist. Und es ist auch ein schöner Anblick.

    Nach dem Anstieg stand eine weitere Pause an, auf einer Bank konnten wir das Geschehen auf dem nahen Segelflugplatz beobachten. Wir rätselten schon, wie die Segelflugzeuge starten. Kein Motorflugzeug war weit und breit zu sehen. Wir mutmaßten schon, dass sie von Autos gezogen wurden, immerhin war der Flugplatz lange genug. Doch schießlich konnten wir einem Start zusehen, über ein Seil wurde das Flugzeug in die Höhe gezogen und gewann schnell an Höhe – nun, wieder etwas gelernt.

    Ein Asphaltweg führte uns hinab nach Riedelbach und wieder in den kühlen Wald hinein – angenehm an diesem doch sehr warmen Maitag. Wir erreichten ein in der Entstehung befindliches Arboretum – viel war noch nicht zu sehen. Doch dafür konnten wir von der Anhöhe weit über die Landschaft gen Norden schauen – ein kleiner Vorgeschmack auf den Pferdskopf mit seinem Aussichtsturm. Dieser war auch kurz darauf zu sehen, ebenso wie der Große Feldberg. Doch zunächst mussten wir hinab nach Finsternthal – ich habe mich gefragt, warum der Ort so heißt, war es doch hier sehr sonnig und hell. An diesem Frühlingstag dominierten die Farben grün und gelb.

    Der letzte Anstieg stand nun an – und dieser hatte es in sich. Zunächst noch moderat auf einem breiten Weg. Auf der gegenüberliegenden Talseite sahen wir zwei Kamele. Wir schauten nochmal hin, ja, es waren Kamele, sie waren groß und hatten zwei Höcker. Doch dann tauchten wir auch schon in den Wald ein und der abenteuerliche Teil begann: Wir schlugen uns auf einem unmarkierten und zugewachsenen Waldweg durch, Alex trat in ein tieferes Schlammloch. Trotz der langen Trockenperiode gab es hier noch richtig matschige Stellen.

    Weite Ausblicke vom Pferdskopfturm

    Doch auch diese Exkursion in die Taunus-Wildnis endete bald, immer noch nahm die Steigung kein Ende. Dann wurde der Weg endlich eben und vor uns erblickten wir den Pferdskopfturm zwischen den Bäumen. Ein letzter Anstieg stand uns nun bevor, der 34 Meter hohe Turm wollte schließlich noch erklommen werden. Und wir wurden nicht enttäuscht: Ein fantastischer Rundblick zeigte uns die weite Landschaft des Taunus und der Große Feldberg war zum Greifen nah. Ein herrlicher Abschluss der Wanderung.

    Der Weg führte uns nun nur noch hinab, auf einem schmalen Pfad erreichen wir schließlich wieder den Parkplatz oberhalb von Treisberg. Im Café Marx stärkten wir uns und ließen die Wanderung nach 7½ Stunden unterwegs Revue passieren.

    Karte, Höhenprofil und GPS-Track

    Länge: 19,1 km, An-/Abstieg: 680 m

    Fazit

    Es war eine tolle und vielseitige Runde, die Alex ausgearbeitet hat. Der Erlebnis- und Spaßfaktor war hoch. Die Wanderung bleibt mir auf jeden Fall in toller Erinnerung.